
Jeff Bauer: Er kann sich nichts vorwerfen: Bei den Rennen in Park City verbesserte er mehrfach seine persönliche Bestzeit. Aber die Jüngeren sind im Olympiajahr einfach noch besser. Er meinte nach jenem Intercontinental-Cup: „Obwohl ich persönliche Bestzeit fuhr, konnte ich niemanden schlagen. Ich hatte keinen schlechten Lauf – und ja, ich bin enttäuscht.“ Es war der Knackpunkt, ab dem klar war, dass sich der 48-Jährige bei den Spielen wohl nicht kopfüber die Schlittenbahn runterstürzen wird. Bei drei ausstehenden Rennen auf der schwierigen Bahn in Altenberg sind maximal 315 Punkte zu holen und selbst mit – unvorstellbaren – Podestplätzen müsste er mit seinen 139 Punkten auf Rang 68 der ISBF-Liste auf schlechte Leistungen des Spaniers Ander Mirambel (263, 38. Rang), des Iren Brendan Doyle (251, 40 Rang) und weiterer direkter Konkurrenten ums letzte Olympiaticket hoffen.

Kari Peters: Es ist zum Verzweifeln, denn auch dieses Jahr startete Kari Peters nicht wie geplant in seine Saison. Nach guter sommerlicher Vorbereitung mit vielversprechenden Leistungen im Rollerski läuft derzeit im Training nur ein Notprogramm: Eine Woche nachdem er eine hartnäckige Erkältung überwunden hatte, legte ihn der nächste Infekt flach. „Ich kann nichts tun außer abwarten und nach und nach wieder ans Laufen kommen“, kommentiert der 36-Jährige. Die geplanten ersten vier Rennen zwischen Weihnachten und Neujahr wurden zudem auf Termine nach den Spielen verlegt. Nur noch bis zum 16. Januar bleibt dem langjährigen Sportsoldaten Zeit, sein Leistungsvermögen zu zeigen. Aber er versucht, sich davon nicht unter Druck setzen zu lassen: „Ich will vernünftig sein und kann nur von Woche zu Woche schauen, wie schnell ich wieder Rennen laufen kann.“

Matthieu Osch: Ruhig geht der 23-Jährige seinen Weg. Mit 42,88 Punkten im Slalom übersprang der trotz seines jungen Alters erfahrene Skisportler bereits am Ende der letzten Saison die vom COSL geforderte Norm deutlich. Trotz noch nicht optimaler Leistungen hat er die Norm in den letzten Tagen mit 59,13 und 56,57 Punkten erneut unterboten. Zudem bewies er im Februar mit einer optimalen Weltmeisterschaft am Ort der Winterspiele von 2026, Cortina d’Ampezzo, und dem 31. Rang im Riesenslalom und Platz 28 im Slalom, dass man bei Großereignissen auf ihn zählen kann. Auch wenn die offizielle Nominierung des COSL erst zum Ende der Qualifikationsphase erfolgt, so kann man von seinem Olympiastart ausgehen. Und mit seinem selber WM-erfahrenen Vater Gilles Osch als Coach will und kann man bestimmt den 62. Rang mit 22:35 Sekunden Rückstand auf den österreichischen Superstar Marcel Hirscher sowie den Ausfall im ersten Lauf des Slaloms in Pyeongchang des damals 19-Jährigen verbessern. Aller Voraussicht nach wird der Sportsoldat jedenfalls nach den zwei Auftritten von Raoul Weckbecker 1928 und 1936 sowie den drei olympischen Teilnahmen (mit zwei Silbermedaillen) von Marc Girardelli erst der dritte Luxemburger sein, der an mehreren Winterspielen teilnimmt. Sogar falls er nur im Slalom die Norm erbringt, darf er übrigens dennoch am Riesenslalom teilnehmen.

Gwyneth ten Raa: Derzeit sieht alles danach aus, als würde die sehr ambitionierte Skifahrerin das Unmögliche wahr machen (s. auch das gestrige Tageblatt) und erst die zweite Luxemburgerin bei Winterspielen werden. In den 13 ersten Rennen schied sie nur dreimal aus und verbesserte sich in ihrem ersten Monat spektakulär. Trotz ungünstiger Startnummern unterbot sie mit 57,91 bzw. 55,16 FIS-Punkten bereits jetzt die Norm des COSL sowohl im Slalom als auch im Riesenslalom. Nur eine Handvoll 16-Jährige haben einen noch besseren Start in den Skizirkus hingelegt. Und unter dem heimatlichen Wiltzer Weihnachtsbaum liegen mit einer neuen Weltrangliste bald auch bessere Startnummern. Bei ihren derzeitigen Leistungen und der schnellen Progression würde es jedenfalls nicht verwundern, wenn sie bis zu den Olympischen Spielen mit einigen optimalen Läufen unter die Top 500 oder vielleicht sogar 300 der Welt vorfährt. Den nötigen Willen, Technik, mentale Stärke und auch das passende Umfeld hat die Schülerin eines Ski-Gymnasiums im wallisischen Brig jedenfalls.
Zu Demaart
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