Monatelang wurde in einem Hotel in Manhattan diskutiert, gefeilscht und gestritten. Übrig geblieben ist nicht mehr als ein großer Haufen zerschlagenes Porzellan. Die NBA-Tarifverhandlungen sind nach knapp 20 Wochen ergebnislos gescheitert, jetzt übernehmen die Gerichte im Streit um Milliarden.
„Wir stehen vor dem nuklearen Winter der NBA“, sagte Liga-Boss David Stern. Der NBA-Commissioner schob den schwarzen Peter einmal mehr der Gegenseite zu. „Es ist eine große Farce. Die Gewerkschaft will testen, ob sie die Klubbesitzer einschüchtern kann. Das wird aber nicht passieren“, so Stern.
Neuer Tarifvertrag
Grund für die heftige Reaktion des 67-Jährigen war die Ankündigung der Spielergewerkschaft NBPA, sich auflösen und danach als neu gegründete Handelsgesellschaft gegen die NBA klagen zu wollen. Stern war „furchtbar enttäuscht“, nachdem die Spieler sein letztes Angebot abgelehnt hatten. Dabei war eine Teilung der Klubeinnahmen im Verhältnis 50:50 vorgesehen, es sollte eine auf 72 Spiele verkürzte Saison stattfinden. Für die Profis, die bislang 57 Prozent vom großen Kuchen kassiert hatten, war der Vorschlag schlichtweg inakzeptabel. „Wir haben Abstriche gemacht und noch mal Abstriche gemacht. Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem zu viel von uns verlangt wird“, sagte NBPA-Geschäftsführer Billy Hunter.
Das Angebot der Liga sah unter anderem vor, dass die Klubs im Jahr 280 Millionen Dollar (umgerechnet 204 Millionen Euro) weniger an die Spieler ausschütten. Hunter tat den Vorschlag als „sehr unfair“ ab. Einige Klubbesitzer hätten sogar die Meinung vertreten, das Angebot für die Spieler sei zu gut gewesen.
Jeder zeigt mit dem Finger auf den anderen, eine echte Suche nach einem Kompromiss sieht anders aus. Unmittelbare Folge wird die Streichung weiterer Spiele sein. Die Absage der gesamten Saison ist in dieser Woche anscheinend noch kein Thema.
Ausgesperrt
Seit 138 Tagen sind die Spieler ausgesperrt, der Lockout dauert damit schon länger als der Tarifstreit in der Football-Profiliga NFL. Dieser war im Sommer nach 136 Tagen beigelegt worden. Auch damals wurde geklagt, später einigte man sich dann aber doch außergerichtlich. Anwaltlich vertrat damals Jeffrey Kessler die Spieler und David Boies die Liga. Jetzt wurden die ehemaligen Kontrahenten von der NBPA verpflichtet, um gemeinsam die Interessen der Profis zu vertreten. „Es wird letztlich einen neuen Tarifvertrag geben“, sagt Stern.
Während die Millionäre und Milliardäre streiten, schauen die Fans weiter in die Röhre. Die Zuschauer können weder in der Halle noch vor dem Fernseher ihren Lieblingen huldigen, vergessen sind sie aber noch nicht. Der NBA-Shop macht seinen Kunden in diesen Tagen ein tolles Angebot, 25 Prozent Nachlass gibt’s bei einer Bestellung im Wert von mehr als 100 Dollar …
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