Die Covid-19-Epidemie bewirkte, was die Inselregierung mit ihrem Sittenfeldzug nicht schaffte: dem Sauftourismus auf Mallorca den Garaus zu machen. Die großen Vergnügungstempel wie etwa der „Bierkönig“ oder der „Megapark“ mussten ihre Feiern zum Saisonstart, auf denen üblicherweise Tausende von Gästen auf den Tischen tanzen, absagen. Und derzeit sieht es nicht danach aus, als ob bald wieder die Massen im Rhythmus des Ballermann-Hits „Alle blau“ die Gläser heben können.
„Hat der Ballermann ausgefeiert?“, titelt die Mallorca-Zeitung, um dann festzustellen: „Die große Party ist an der Playa bis auf Weiteres vorbei. Für viele Unternehmen geht es jetzt ums nackte Überleben.“ Denn eines ist klar: Selbst wenn der Insel-Tourismus mit Glück im Sommer wieder langsam anläuft, wird für den Neustart eine entscheidende Bedingung gelten. Und diese heißt: Sicherheitsabstand. Massenaufläufe, Riesenpartys und das in Gruppen praktizierte Sangria-Trinken aus Eimern wird es also zunächst nicht mehr geben.
Expertengruppen arbeiten bereits für den Tag X, an dem die Corona-Pandemie so weit unter Kontrolle ist, dass Mallorca wieder schrittweise geöffnet werden kann. Dabei geht es vor allem darum, wie eine Rückkehr der Feriengäste ohne gesundheitliche Risiken möglich ist. Sicher ist: Urlaub auf Mallorca wird, zumindest bis zum endgültigen Sieg über Corona, anders aussehen als bisher. Der neue Ferienalltag werde durch drei Dinge bestimmt, sagt Spaniens Tourismusministerin Reyes Maroto: „soziale Distanz, Limits für Menschenansammlungen und Hygiene“.
Sozialverträglicher und umweltfreundlicher
Volle Bars, Biergärten und Diskotheken, in denen die Gäste in engem Köperkontakt sind, wird es also auf längere Zeit am Ballermann nicht mehr geben. Für andere Orte, an denen sich typischerweise ebenfalls viele Touristen drängeln, gibt es bereits Ideen, wie man einen Sicherheitsabstand gewährleisten kann. Etwa für die Strände, wo die Menschen im Sommer oftmals wie Sardinen nebeneinanderliegen. Hier könnte man zum Beispiel einen „Zwei-Schicht-Betrieb“ einführen: Ein Teil der Urlauber darf morgens an den Strand, ein anderer Teil nachmittags.
„Das Wichtigste ist die Gesundheit der Menschen“, erklärt Insel-Regierungschefin Francina Armengol. Sie kann sich vorstellen, dass künftig am Flughafen in Palma Gesundheitschecks stattfinden. Von Ankommenden könnte eine Bescheinigung verlangt werden, aus der hervorgeht, dass sie nicht an der Viruskrankheit Covid-19 leiden. Doch es wird wohl noch ein paar Monate dauern, bis die Ferienflieger wieder landen. „Vor August rechnen wir nicht mit dem Beginn der Saison“, sagt Mallorcas Tourismusminister Iago Negueruela. Alles hänge auch vom Ausland ab. Vor allem von Deutschland, von dort kamen in 2019 mehr als ein Drittel der insgesamt 12 Millionen in- und ausländischen Feriengäste.
Kritiker des Massentourismus sehen derweil eine Chance, um Mallorca endlich in ein sozialverträgliches und umweltfreundliches Ziel zu verwandeln. „Wir wollen nicht zur Normalität zurückkehren“, heißt eine Kampagne, die sich auf Transparenten und in den sozialen Netzwerken verbreitet. „Denn diese Normalität war das Problem.“ Mallorcas Ökoverband GOB fordert ebenfalls einen Kurswechsel und plädiert für mehr Nachhaltigkeit statt touristischer Monokultur, die in den letzten Jahren auf der Insel zunehmend Proteste hervorrief.
Das Fremdenverkehrsamt schaltete derweil einen Werbespot, um das am Boden liegende Geschäft wieder anzukurbeln. In einem Video werden traumhafte Bilder vom Inselparadies mit den Worten unterlegt: „Bis bald Mallorca“. Derweil hört man aus der Reisebranche, dass eine Wiedereröffnung des Eilands im Spätsommer mit günstigen Preisen einhergehen könnte: Die Hoteliers, so heißt es aus der Reisebranche, werden versuchen, mit üppigen Rabatten ihre leeren Betten zu füllen. Ein Preiskrieg sei nicht ausgeschlossen.
Zu Demaart
Die Luxemburger und deutsche Touristen sitzen in ihrer Ferienwohnung und fürchten die Ankunft der Madrilenen.