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SpanienUnruhe im Palast: Felipes geht unter Schwarzgeld-Verdacht auf Hochzeitsreise

Spanien / Unruhe im Palast: Felipes geht unter Schwarzgeld-Verdacht auf Hochzeitsreise
Nach Vater Juan Carlos gerät nun immer mehr Sohn Felipe  in die Kritik Foto: AFP

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Spaniens König Felipe, 52, beging dieser Tage sein sechsjähriges Kronjubiläum. Doch Feierstimmung will im Zarzuela-Palast in der Hauptstadt Madrid nicht aufkommen. Denn immer neue Enthüllungen machen alle Bemühungen zunichte, die wankende Monarchie zu retten.

Die jüngste Folge der langen Serie von Skandalen trägt den Titel „Flitterwochen-Affäre“. Und diese untermauert in Spanien den Eindruck, dass die spanische Königsfamilie jahrzehntelang in Saus und Braus lebte, ihr Luxusleben aus zweifelhaften Finanzquellen bestritt und sich alles andere als vorbildlich benahm.

Im Mittelpunkt der neusten Indiskretion steht die Hochzeitsreise von Felipe und seiner Frau Letizia. Der Flitterurlaub der beiden, die am 22. Mai 2004 in Madrids Kathedrale in aller Pracht heirateten, ist zwar schon 16 Jahre her. Doch die Einzelheiten dieser Hochzeitsreise wurden bisher wie ein Staatsgeheimnis gehütet.

Vermutlich auch aus der Sorge, dass die luxuriösen Umstände und hohen Kosten dieser zweimonatigen Traumtour in der Bevölkerung nicht besonders gut ankommen würden. Diese Sorge war wohl nicht unbegründet: Der Durchschnittsspanier verdiente in dieser Zeit gerade einmal 1.500 Euro brutto im Monat.

Wenn es stimmt, was nun die britische Zeitung The Telegraph unter Berufung auf entsprechende Dokumente berichtet, dann hat die private Liebesreise des frischvermählten Paares nach Jordanien, Asien und in die Karibik satte 467.000 Dollar (damals umgerechnet knapp 400.000 Euro) gekostet. Der Telegraph hatte in der Vergangenheit bereits mehrfach kompromittierende Papiere über die Finanzen der spanischen Königsfamilie veröffentlicht.

Rund 200.000 Dollar der Hochzeitsreise soll Felipes Vater Juan Carlos I. bezahlt haben. Die restliche Summe sei indirekt über einen befreundeten spanischen Unternehmer und Segelfreund von Juan Carlos geflossen. Auch für majestätische Verhältnisse sind solche Summen keine Kleinigkeit. Zumal wenn man bedenkt, dass Spaniens Hof aus Steuergeldern finanziert wird und der spanische König ein für Hoheiten eher bescheidenes Jahresgehalt hat, das heute bei etwa 250.000 Euro brutto liegt.

Ausschweifendes Leben

Die staatliche Zuwendung reichte Juan Carlos offenbar nicht, um sein ausschweifendes Leben zu finanzieren. Im Frühjahr wurde bekannt, dass der heute 82-Jährige Millionensummen fragwürdiger Herkunft auf geheimen Schweizer Konten gehortet haben soll.

Wurden 2004 auch die Flitterwochen von Felipe und Letizia, die damals noch Prinz und Prinzessin waren, mit königlichen Schwarzgeldern bezahlt? In diesem Falle könnte sich die von Juan Carlos finanzierte Hochzeitsreise noch als ein vergiftetes Geschenk für Felipe und Letizia erweisen.

Staatsanwälte in der Schweiz und in Spanien ermitteln hinsichtlich der königlichen Geheimkonten wegen des Verdachts der Geldwäsche und des Steuerbetrugs. Die Ermittler hegen zudem den Verdacht, dass die Schweizer Konten, die anscheinend über Briefkastenfirmen und diverse Strohmänner gesteuert wurden, mit Schmiergeldern für Juan Carlos gefüllt worden sein könnten.

Juan Carlos war von 1975-2014 spanisches Staatsoberhaupt. Er soll, so berichtete es seine frühere Geliebte Corinna zu Sayn-Wittgenstein, zum Beispiel für die Vermittlung eines industriellen Milliardenauftrags mit Saudi-Arabien eine millionenschwere Kommission verlangt haben. Den Ermittlungen zufolge gingen im Jahr 2008 und mutmaßlich im Zusammenhang mit diesem Geschäft 100 Millionen Dollar auf dem königlichen Geheimkonto in Genf ein.

Schatten werden länger

Die Schatten, die durch Juan Carlos’ Finanzgeschäfte auf Felipe fallen, werden durch die neusten Informationen noch länger. Dabei hatte Felipe bei seiner Thronübernahme in 2014 geschworen, dass mit ihm Bescheidenheit, Ehrlichkeit und Transparenz in den Palast einziehen werden. Doch alle Versuche, den unter Juan Carlos ruinierten Ruf der Monarchie aufzupolieren, fruchteten bisher wenig – das Ansehen ist auf einem Tiefpunkt.

Als im Frühjahr berichtet wurde, dass auch Felipe als Nutznießer der Schweizer Konten registriert war, sah er sich sogar gezwungen, öffentlich mit seinem Vater zu brechen. Er erklärte, dass er von jeglichen finanziellen Erbansprüchen hinsichtlich des väterlichen Vermögens zurücktrete.

Nach der jüngsten Enthüllung in Sachen Flitterwochen verzichtete das Königshaus auf eine Reaktion. Es gab auch kein Dementi. Stattdessen übte sich der Palast in jener Strategie, die meist zum Zuge kommt, wenn Peinliches berichtet wird: Er hüllte sich in Schweigen.