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Laut Sipri-BerichtSorge um neues atomares Wettrüsten

Laut Sipri-Bericht / Sorge um neues atomares Wettrüsten
Test einer nordkoreanischen Rakete, die Anfang Oktober 2019 von einem U-Boot aus abgeschossen wurde Foto: AFP/KCNA via KNS

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Die neun Atomwaffenmächte der Welt haben ihr nukleares Waffenarsenal zwar reduziert, aber auch modernisiert, heißt es im Sipri-Jahresbericht. Abkommen über die Begrenzung von Atomwaffen laufen bald aus, womit die Gefahr eines neuen weltweiten Wettrüstens heraufzieht.

Die Atomwaffen in der Welt werden weniger, aber moderner. Auch bewegt sich die Welt auf eine Zeit ohne Begrenzungsabkommen zwischen den USA und Russland zu. Laut dem am gestrigen Montag veröffentlichten Jahresbericht des Stockholmer Friedensforschungsinstitutes (Sipri) verfügten insgesamt neun Nationen im Januar 2020 über insgesamt 13.400 Atomwaffen. Das sind immerhin 465 weniger als noch im Januar 2019.

Dabei lag Russland mit 6.375 (minus 125) Atomwaffen an der Spitze, gefolgt von den USA mit 5.800 (minus 385), China mit 320 (plus 30), Frankreich mit 290 (minus 10), Großbritannien mit 215 (plus 15), Pakistan mit 160 (im Vorjahr 150 bis 160), dessen Rivale Indien mit 150 (im Vorjahr 130 bis 140), Israel mit 30 bis 40 (im Vorjahr 20 bis 30) und Nordkorea mit geschätzten 30 bis 40 Atomwaffen (im Vorjahr 20 bis 30). Insgesamt waren von den 13.400 im Januar 2020 einsetzbaren Atomwaffen weltweit circa 3.720 bereitgestellt für operationale Einsätze und davon 1.800 sofort einsetzbar.

Der zahlenmäßige Gesamtrückgang von Atomwaffen weltweit seit Januar 2019 ist laut Sipri vor allem auf die Demontage von veralteten Atomwaffen der führenden Mächte Russland und USA zurückzuführen, die zusammen für über 90 Prozent des weltweiten Atomwaffenarsenals stehen. Die vom New-Start-Abrüstungsabkommen zwischen den USA und Russland vorgesehene Atomwaffenreduzierung hatten beide Länder bereits 2018 erreicht und auch 2019 blieben sie unter dem ausgehandelten Maximum an Atomwaffen.

Eine große Sorge besteht darin, ob es auch in Zukunft noch Abrüstungs- oder Begrenzungsabkommen für Atomwaffen geben wird mit den in vielerlei Hinsicht umstrittenen derzeitigen Präsidenten Donald Trump in den USA und Vladimir Putin in Russland. Denn New Start läuft bereits im Februar 2021 aus, wenn Moskau und Washington sich nicht auf eine Verlängerung einigen können. Diskussionen zu einer Neuauflage 2019 scheiterten an Washington, weil Trump als Grundbedingung forderte, dass China als aufstrebende inzwischen drittstärkste Atommacht der Welt in die Diskussionen zu einem neuen Begrenzungsabkommen für Atomwaffen einbezogen werden müsste. China lehnt dies bislang kategorisch ab.

Keine Vereinbarung mehr über Atomwaffenkontrolle

Die Welt bewege sich erstmals auf eine Zeit zu, in der es keine Abkommen mehr zwischen den Supermächten gibt, warnt Sipri. „Die Sackgasse, in der New Start sich nun befindet und der Kollaps des 1987 entstandenen Sowjet-US-Abkommens zur Vernichtung von Atomwaffen mit Mittel- und Kurzstreckenreichweiten (INF Treaty) im Jahr 2019 deuten darauf hin, dass die Ära bilateraler Atomwaffenkontrollvereinbarungen zwischen Russland und den USA ihr Ende erreicht haben könnte“, warnt Sipri-Experte Shannon Kile. Die Welt sei möglicherweise dabei wegen des „Verlusts von Kommunikationskanälen zwischen den USA und Russland“ auf eine neue nukleare Wettrüstung zuzusteuern, so Shannon.

Sowohl die USA als auch Russland haben laut Sipri bereits sehr umfassende und kostspielige Programme am Laufen, um den Austausch und die Modernisierung nuklearer Sprengköpfe, Trägerraketen, Flugzeugtransport- und Abwurfsystemen als auch die Produktion von Atomwaffen deutlich voranzutreiben, heißt es weiter im Sipri-Bericht.

Und obwohl die Atomwaffenarsenale der anderen Länder im Vergleich zu den beiden Atomsupermächten sehr gering sind, seien auch diese bereits dabei, oder hätten zumindest angekündigt, ihre Atomwaffensysteme in eine schlagkräftigere Richtung weiterzuentwickeln. China befindet sich laut Sipri bereits „mitten in der signifikanten Modernisierung“ seiner Atomwaffenschlagkraft. Indien und Pakistan erhöhen die Größe und die Einsatzbreite ihrer Atomwaffenstreitkräfte. Sipri zufolge ist auch Nordkorea nicht von seiner Strategie abgewichen, auf sein Atomwaffenprogramm als zentrales Fundament seiner Landesverteidigung zu setzen. Auch wenn Nordkorea Tests von Atomwaffen und Langstreckenraketen über ein selbstauferlegtes Moratorium 2019 vorläufig eingestellt hat, hat es im selben Jahr ausgiebige Tests mit Flugzeugträgersystemen und Kurzstreckenraketen durchgeführt.