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RumänienOpposition will Entsendung von Erntehelfern nach Deutschland untersuchen lassen

Rumänien / Opposition will Entsendung von Erntehelfern nach Deutschland untersuchen lassen
Eine Szene von vergangener Woche: Rumänische Erntehelfer warten am Flughafen von Cluj, um nach Deutschland in den Ernteeinsatz geflogen zu werden Foto: AFP/Raul Stef

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Die Ausnahme vom Ausnahmezustand sorgt in Rumänien für Streit. Nach der chaotischen Ausreise der ersten Spargelstecher nach Deutschland fordert die Opposition einen Untersuchungsausschuss. Derweil wollen auch Italien, Spanien und Großbritannien rumänische Erntehelfer mitten in der Viruskrise.

Der Lockruf der deutschen Spargelfelder ist in Rumänien stärker als alle Infektionsängste. Ohne Masken und Distanz, sondern Schulter an Schulter, harrten vor den ersten Sonderflügen nach Deutschland vergangene Woche fast 2.000 Erntehelfer stundenlang auf dem Parkplatz des Flughafens in Cluj auf ihren Abflug aus.

Selbst aus Suceava, dem Epizentrum der rumänischen Viruskrise, hatten sich mehrere völlig überfüllte Busse mit Saisonarbeitern nach Cluj aufgemacht. Drei unter Quarantäne stehende Arbeitssuchende wurden am Flughafen von der Polizei verhaftet und zurück in ihre Heimatstadt gebracht. Ein 54-jähriger Familienvater aus der Provinz Suecava ohne Infektionssymptome brach einen Tag nach seiner Ankunft in Deutschland auf einem Spargelfeld bei Freiburg tot zusammen. „Sie verließen Rumänien, um auf dem Spargelschlachtfeld zu sterben“, berichtete hernach reißerisch das Romania Business Journal über „Deutschland als Beispiel der Ausbeutung ausländischer Arbeitskraft“. Allerdings verstarb der Mann an einem Herzinfarkt, wie die deutsche Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner in einer Talksendung erklärte.

Die chaotischen Zustände von Cluj gehören bei den von Eurowings durchgeführten Charterflügen für die rumänischen Erntehelfer mittlerweile zwar der Vergangenheit an. Doch die Ausnahme von dem erst in dieser Woche um 30 Tage verlängerten Ausnahmezustand sorgt im Karpatenstaat weiter für Streit.

Wie könne es sein, dass den Rumänen „selbst der Kirchgang zu Ostern verboten“ werde, während „manche ungehindert als Erntehelfer nach Deutschland reisen dürfen“, wettert Niculae Badalau, der stellvertretende Chef der oppositionellen Sozialisten (PSD). Einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur „Operation Spargel“ fordert gar Ex-Premier Calin Popescu-Tariceanu, der Chef der oppositionellen ALDE-Partei: „Wie ist es möglich, dass man in einem Land mit mehr als 100.000 Infizierten arbeiten darf, während das in Rumänien mit 7.000 Infizierten nicht möglich ist?“

Auf 300.000 wird in Deutschland die Zahl der benötigten Erntehelfer beziffert. Um Ernteausfälle zu verhindern, hat die deutsche Regierung zu Monatsbeginn die Einreise von jeweils 40.000 Saisonarbeitern im April und Mai trotz der Viruskrise beschlossen – ein Großteil von ihnen dürfte aus Rumänien kommen.

Angst vor der Armut

Doch in dem in Südosteuropa am härtesten von der Pandemie getroffenen Staat hat die Viruskrise mit bisher 7.216 Infizierten und 372 Verstorbenen noch keineswegs den Höhepunkt erreicht. Gleichzeitig ist das ausgelaugte Gesundheitssystem den kräftig steigenden Infektionszahlen kaum gewachsen. Frühestens in der zweiten Mai-Hälfte oder Anfang Juni könnten die Restriktionen zur Eindämmung der Pandemie gelockert werden, so Bukarest.

Zu der von der Opposition und der Wirtschaft geforderten Lockerung der Einschränkungen sieht sich die Regierung kaum in der Lage. Gleichzeitig lässt sie die in der Viruskrise auch durch die Heimkehrer aus der Diaspora stark gestiegene Zahl von Arbeitssuchenden auch mit anderen EU-Staaten über die Beschäftigung von Saisonarbeitern verhandeln. Deren „Absorbierung“ in Rumänien sei „praktisch unmöglich“, so Premier Ludovic Orban.

Ausgerechnet von der Pandemie besonders hart getroffene Staaten wie Italien, Spanien oder Großbritannien, aber auch die Niederlande, haben signalisiert, die Einreise von hunderttausenden von Erntehelfern aus Osteuropa per Sondergenehmigung ermöglichen zu wollen. Deren Transport ausschließlich per Flugzeug scheint kaum machbar: Überfüllte Charterbusse könnten bald die Charterflieger ersetzen. Trotz der vermehrten Risiken eines Arbeitseinsatzes in der Fremde nimmt in dem Karpatenstaat die Nachfrage nach den harten, aber mager entlohnten Erntejobs zu: Es ist die Angst vor der Armut und Arbeitslosigkeit in der Heimat, die viele Rumänen auf deutsche Spargel- und Erdbeerfelder treibt.

Leila
19. April 2020 - 14.11

Zu normalen Zeiten ignoriert und verachtet sind sie jetzt gut genug um für einen Mindestlohn zu schuften, wobei ihnen "Kost und Logis" selbstverständlich in Rechnung gestellt wird. Werden die "Wohltäter" (Spargelbauern) eigentlich kontrolliert, wie viel für die Erntehelfer am Ende des Tages übrig bleibt?

Orélie
18. April 2020 - 17.34

1600 Spargelbauern riskieren Menschenleben in Deutschland ( ein Erntehelfer ist ja schon gestorben) und 72000 Restaurants sind geschlossen und die Buden an der Straße werden auch keine Tonnen an die 3 Autos verkaufen die vorbei fahren. Für ein Luxusprodukt das 200 Kalorien pro Kilo hat wirklich witzlos.