Freitag2. Januar 2026

Demaart Zu Demaart

Headlines

Naher OstenLibanon beantragt Hilfen beim IWF – Banken gegen Rettungsplan

Naher Osten / Libanon beantragt Hilfen beim IWF – Banken gegen Rettungsplan
Seit Monaten gibt es Demonstrationen gegen die Regierung und gegen Korruption, so auch am 1. Mai  Foto: AFP/Anwar Amro

Jetzt weiterlesen !

Für 0,99 € können Sie diesen Artikel erwerben.

Oder schließen Sie ein Abo ab.

ZU DEN ABOS

Sie sind bereits Kunde?

Die mit einer schweren Wirtschaftskrise ringende Regierung im Libanon bittet den Internationalen Währungsfonds (IWF) um Hilfen. „Dies ist ein historischer Moment in der Geschichte des Libanon“, hieß es am gestrigen Freitag in einer Stellungnahme vom Büro des Ministerpräsidenten Hassan Diab. Der dem IWF übermittelte Plan sei der erste Schritt zur Rettung des Landes. Banken wiesen die Vorstellungen der Regierung umgehend zurück. Dadurch werde das Land zerrissen. Die Banken zählen zu den größten Gläubigern des hoch verschuldeten Staates.

Der Rettungsplan sieht unter anderem Milliarden-Verluste für den Finanzsektor und einschneidende Reformen zur Sanierung der Wirtschaft vor. Ökonomen und Diplomaten begrüßten zwar den Plan als ersten richtigen Schritt, zeigten sich aber skeptisch, dass die vorgesehenen Einschnitte bei den Staatsausgaben und die Neuordnung des Bankensystems nach Jahren des Verschleppens von Reformen gelingen könne.

Viel Wut

Das Land am Mittelmeer erlebt derzeit eine der schwersten Finanz- und Wirtschaftskrisen seiner Geschichte. Im März musste die Regierung erstmals erklären, dass sie fällige Staatsanleihen nicht zurückzahlen kann. Die libanesische Lira hat im Vergleich zum Dollar in den vergangenen Monaten mehr als die Hälfte ihres Wertes verloren. Die Corona-Pandemie verschärft die Krise. Viele Libanesen klagen, dass sie wegen der Inflation ihre Familien nicht mehr ernähren können.

Kritiker werfen der Führungselite vor, sie sei reformunwillig. Sie hoffen, dass der IWF als Gegenleistung für Hilfe weitreichende Reformen verlangt. Diab hatte am Donnerstag einen Rettungsplan vorgestellt, zu dem auch zusätzliche ausländische Unterstützung in Höhe von zehn Milliarden US-Dollar (etwa neun Milliarden Euro) zählt.

Bereits im vergangenen Oktober hatten Massendemonstrationen gegen die politische Führung, die Korruption und die schlechte wirtschaftliche Lage begonnen. In dieser Woche griffen wütende Demonstranten Banken an und zündeten mehrere Filialen an. (AFP, dpa)