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ItalienHunderttausenden droht trotz Hilfen für Unternehmen die Arbeitslosigkeit

Italien / Hunderttausenden droht trotz Hilfen für Unternehmen die Arbeitslosigkeit
Auf der Piazza del Popolo wurde Corona-konform demonstriert Foto: AFP/Tiziana Fabi

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144 Unternehmen und 300.000 Arbeitsplätze in Gefahr – das ist die aktuelle Bedrohung in Italien nach der Corona-Krise. Die großen Gewerkschaften riefen zu Protesten auf. Bei Demonstrationen in Rom und anderen großen Städten forderten sie die Regierung auf, mehr für den Erhalt der Arbeitsplätze zu unternehmen. Die bisherigen Unterstützungen mit Kurzarbeitergeld und Sozialleistungen reichten nicht, so die Gewerkschafter.

Zum ersten Mal seit dem landesweiten Lockdown haben sich die Metallarbeiter-Gewerkschaften der drei großen italienischen Verbände CGIL, CSIL und UIL wieder zu einem gemeinsamen Protest auf den Plätzen eingefunden. Die zentrale Kundgebung fand auf der Piazza del Popolo in Rom statt, doch auch in Mailand und Florenz protestierten die Metaller gegen eine, wie sie meinen, verfehlte Industriepolitik.

Die Demonstranten saßen Corona-bedingt mit Abstand auf dem römischen Platz. Ungeachtet des ungewohnten Bildes waren die Töne doch von scharfer Natur. Der Burgfrieden scheint beendet, die Gewerkschaften sparten nicht mit Vorwürfen an die Conte-Regierung. Die aktuelle Krise zeige, dass Italien bereits seit längerem große Mängel in der Industriepolitik verzeichne. Der von Rom verordnete Lockdown habe eine große Reihe von Unternehmen an den Rand des Ruins getrieben, zu geringe Rücklagen erlaubten keine Zwangspause, ein modernisiertes Wiederanfahren der Industrie stehe jedoch aus.

Staatshilfen verpuffen

Zwar habe die Regierung unter Giuseppe Conte eine Reihe von Wirtschaftsdekreten erlassen, die die heimische Industrie unterstützen sollten. Doch fast 150 Unternehmen, davon allein 80 aus der metallverarbeitenden Industrie, stünden vor dem wirtschaftlichen Aus. Dadurch seien 300.000 Arbeitsplätze akut gefährdet, so die Gewerkschafter.

„Wir gehen auf die Straße, um für das Recht der Arbeiterinnen und Arbeiter zu streiten“, erklärte die Generalsekretärin der FIOM (CGIL), Francesca Re David. „Sie waren es, die die Betriebe in den Krisenzeiten aufrechterhielten – und sie haben ein Recht darauf, zu erfahren, wie die Unterstützungsgelder in die Unternehmen reinvestiert und die Arbeitsplätze erhalten bleiben.“ Der Protest richtet sich vor allem gegen etliche Unternehmen der Metallurgie wie ArcelorMittal in Taranto, Jindal in Piombino oder Arvedi in Triest.

Aber auch auf metallverarbeitende Betriebe ist die Aufmerksamkeit der Gewerkschafter gerichtet: so auf Whirlpool in Neapel, Bosch in Bari und CNH in der Lombardei. Alle diese Unternehmen haben angekündigt, Mitarbeiter wegen Auftrags- und Umsatzrückgängen entlassen zu müssen. Dabei, so Re David, hätten sie doch Millionen von Euro als Corona-Hilfe kassiert.

Brennpunkt Taranto

Der frühere Ilva-Konzern – heute ArcelorMittal – ist seit langem ein neuralgischer Punkt in Italiens Metallurgie. Die Hütte in Taranto gilt als Umweltverpester Nummer eins in Süditalien, nirgendwo sind die Krebsrate und die der Kindersterblichkeit höher als hier. Dennoch halten die Beschäftigten am Erhalt des Werks fest, denn Ilva war die Lebensader des italienischen Stiefelhackens: nicht nur für die Beschäftigten, auch viele andere Betriebe in der Gegend waren von dem Unternehmen abhängig. Von den einst 14.000 Beschäftigten hatte ArcelorMittal bereits einige Tausend entlassen, nun sollten – trotz gegenteiliger Vereinbarungen mit Rom – noch einmal 5.000 Arbeitsplätze gestrichen werden.

„Wir werden dafür sorgen, dass kein einziger dieser Beschäftigten entlassen wird“, verspricht die FIOM-Chefin. Ihr UIL-Kollege Rocco Palombello unterstreicht den Protest: „Es reicht jetzt mit den endlosen Videokonferenzen, was wir brauchen, sind schnelle und praktikable Lösungen.“

Der Unmut der italienischen Metaller ist groß, die Zentralregierung in Rom, aber auch jene in den Regionen müssen weitere Proteste erwarten. Die Lockerungen der Ausgangsverbote ermöglichen nun auch Demonstrationen wie jene in Rom. Die – sollte sich an der Arbeitslage nichts deutlich ändern – werden sicher kommen.