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ÖsterreichFerial-Nationalismus: Ausländer willkommen, aber Inländer sollen Ausland meiden

Österreich / Ferial-Nationalismus: Ausländer willkommen, aber Inländer sollen Ausland meiden
Wirtschaftskammerpräsident Harald Mahrer, Kanzler Sebastian Kurz und Tourismusministerin Elisabeth Köstinger tragen bei ihrer Ankunft zu einer Pressekonferenz zum Thema „Urlaub in Österreich“ Mundschutz Foto: dpa/Herbert P. Oczeret

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Österreich buhlt schon wieder um ausländische Urlauber, zögert aber selbst mit der Grenzöffnung gen Süden. Natürlich geht es nur um die Gesundheit und nicht um den Schutz der Tourismuswirtschaft …

Der Staatsrundfunk sekundiert im Hauptabendprogramm mit Reportagen über heimische Feriendestinationen. Weil aber österreichische Gäste die 55 Millionen Ausländer-Nächtigungen des Sommers 2019 nicht einmal annähernd ersetzen können, machte sich die Bundesregierung vor allem in Berlin für eine rasche Grenzöffnung stark, stellen doch die Deutschen in normalen Zeiten mehr als ein Drittel der Österreich-Urlauber. Sogar seinen Video-Auftritt beim virtuellen CSU-Parteitag nutzte Kurz vorigen Freitag zur Werbung für „Urlaub im schönen Österreich“. Er bedankte sich, dass die Grenze zu Bayern ab 15. Juni wieder geöffnet werden soll.

Weil aber CSU-Chef Markus Söder das bayerische Hemd näher ist als der österreichische Rock, konterte er das Werben seines alpenrepublikanischen Videogaststars mit dem Hinweis, dass ja auch Österreicher in Bayern Urlaub machen könnten. Der bayerische Ministerpräsident verfolgt zudem mit dem Ruf nach Gutscheinen für deutsche Heimaturlauber ebenfalls eine ferial-nationalistische Idee, deren Realisierung den Österreichern gar nicht gefallen würde.

Die Deutschen sollen gefälligst Urlaub in Österreich machen, findet man in Wien. Wer davon noch nicht überzeugt ist, den bearbeitet die mit 40 Millionen Euro Sonderbudget ausgestatteten Österreich-Werbung (ÖW). Sie wird den Slogan „Auf dich wartet ein guter Sommer“ in die österreichische Nachbarschaft tragen. Verknüpft wird die Frohbotschaft mit der Zusicherung höchster Hygiene- und Präventionsstandards.

Südliche Nachbarn zunehmend verärgert

Doch die südlichen Nachbarn sind zunehmend sauer auf Wien. Für Italien, Slowenien und Kroatien ist der Sommertourismus mindestens ebenso wichtig wie für Österreich. An der oberen Adria in Lignano, Bibione oder Jesolo sind die Österreicher nach den Deutschen die wichtigsten Gäste. Doch während es Kurz beim Grenzöffnungsabkommen mit Deutschland sehr eilig hatte, geht er es Richtung Süden sehr gemächlich an.

Die Außengrenzen zu schließen, um den Binnentourismus in Österreich zu fördern, ist keine sensationelle Idee

Enzo Amendola, Italiens Europaminister ist nicht gut auf Österreich zu sprechen

Italiens Europaminister Enzo Amendola vermutet dahinter weniger gesundheitliche Überlegungen als vielmehr protektionistische: „Die Außengrenzen zu schließen, um den Binnentourismus in Österreich zu fördern, ist keine sensationelle Idee“, echauffierte sich der sozialdemokratische Politiker. Mara Carfagna, Vizepräsidentin der Abgeordnetenkammer, twitterte eine kämpferische Botschaft gen Norden: „Wir werden in der EU für das Recht der österreichischen Bürger kämpfen, ihren Urlaub an unseren Stränden zu verbringen.“

Bundespräsident als Regelbrecher

Die Tourismuswirtschaft von Jesolo warb am Wochenende sogar in einem offenen Brief an Bundespräsident Alexander van der Bellen für eine baldige Grenzöffnung. „Die Vorbereitungen, um aufs Beste und in voller Sicherheit unsere Gäste zu empfangen, haben begonnen“, heißt es in dem Schreiben an das Staatsoberhaupt, das die strengen Corona-Regeln offenbar selbst schon etwas locker nimmt: Van der Bellen wurde in der Nacht auf Sonntag kurz nach Mitternacht mit seiner Frau in einem Wiener Lokal gesichtet, obwohl er dieses um 23 Uhr hätte verlassen müssen. Der Bundespräsident entschuldigte sich gestern. Ob er sich für die von Jesolo urgierte Lockerung der Urlaubsrestriktionen einsetzt, blieb offen.

Die Region Venetien verweist jedenfalls darauf, dass es die Adria-Badeorte coronamäßig mindestens ebenso sicher sind wie österreichische Destinationen. Der Reproduktionsfaktor lag dort vorige Woche bei 0,4, in Österreich pendelt er noch um die magische Ziffer 1. Gestern Abend wollte Italiens Außenminister Luigi Di Maio seinen österreichischen Amtskollegen Alexander Schallenberg telefonisch zur baldigen Grenzöffnung drängen. Aber während Schallenberg nach einer Videokonferenz mit seinen Kollegen in Tschechien, der Slowakei und Ungarn eine Wiederherstellung der Reisefreiheit ab Mitte Juni in Aussicht stellte, ließ er sich mit Blick auf die Südgrenze keinen Öffnungstermin entlocken.

Heimreise ist das Problem

Slowenien drängt ebenfalls auf ein bilaterales Abkommen zur schnellen Grenzöffnung, die auch für durchreisende Kroatien-Urlauber entscheidend ist. Das Zögern Wiens auch in diesem Fall führt ein Außenamtssprecher in Ljubljana auf nationalen Egoismus zurück: „Offenbar ist der Wunsch, Touristen zu halten, so groß, dass wir uns nicht in eine positive Richtung bewegen können.“ Slowenien verweist auf lediglich 18 Corona-Neuinfektionen in den vergangenen zwei Wochen bei gleichzeitig 674 in Österreich.

Keine Lösung sind einseitige Grenzöffnungen, wie sie Italien schon für 3. Juni verkündet hat. Österreicher könnten dann zwar ungehindert an die Adria fahren, hätten aber bei der Rückkehr ein Problem: Sie müssten einen negativen Corona-Test vorweisen oder für zwei Wochen in Quarantäne gehen. Das wollen sich viele nicht antun und planen schon mehr oder weniger freiwillig einen Urlaub der patriotischen Art.

Andere locken mit ihren Stränden

Spanien, Italien und Griechenland haben ihre Corona-Maßnahmen weiter gelockert. In vielen Küstenregionen Spaniens dürfen die Menschen seit Montag wieder am Strand liegen und im Meer baden. In Madrid und Barcelona sind die Parks und die Terrassen von Bars und Restaurants wieder geöffnet. In Italien öffneten Schwimmbäder und Fitnessstudios, in Griechenland die Tavernen.
Spanien ist mit mehr als 28.700 Todesfällen eines der am schwersten von der Corona-Pandemie betroffenen Länder weltweit und hatte eine der weltweit striktesten Ausgangssperren ausgerufen. Inzwischen hat sich die Ausbreitung des neuartige Coronavirus in dem EU-Land aber deutlich abgeschwächt. In weiten Teilen Spaniens waren die Corona-Auflagen bereits vor zwei Wochen gelockert worden. In Madrid, Barcelona und in Teilen der Region Kastilien und León im Nordwesten Spaniens wurden die Ausgangssperren aber noch aufrecht erhalten. Am Montagmorgen strömten nun hunderte Spaziergänger und Jogger in die Parks in Madrid, die seit Mitte März geschlossen waren. Die Restaurants und Bars in Madrid durften zun ersten Mal ihre Terrassen wieder öffnen. Damit die Gäste Abstand halten können, stehen vor dem Café San Gines vorerst aber nur sechs statt 13 Tische auf dem Gehweg. Weil die Touristen und Nachtclub-Besucher fehlen, macht das Café nachts noch zu, wie der Manager Daniel Real berichtet. In den restlichen Regionen Spaniens begann am Montag bereits die zweite von drei Lockerungsphasen. An der Nord- und Südküste und auf den Balearen und Kanaren öffneten die Strände wieder. Die Zahl der Besucher ist aber begrenzt, zwischen den Sonnenschirmen muss vier Meter Abstand sein. Ab Juli will Spanien dann auch wieder Touristen ins Land lassen.
In Italien durften nach der Wiedereröffnung der Restaurants auch Schwimmbäder und Fitnessstudios wieder öffnen. In Griechenland fahren seit Montag wieder Fähren auf die Inseln, und die Terrassen von Tavernen und Cafés haben wieder geöffnet.In Athen genossen wieder viele Menschen ihren Frappé in der Morgensonne. Die Wirte dürfen aber nur halb so viele Tische aufstellen wie vor der Pandemie. Der Café-Besitzer Vangelis Daskalopoulos klagte auch über andere strikte Auflagen: „Wir müssen ständig alles desinfizieren. Wir müssten dafür extra jemanden einstellen, aber das können wir nicht.“ (AFP)

Ingelberg
25. Mai 2020 - 19.37

Natürlich. Die wollen Devisen-Viren, einheimische Viren haben sie ja selber genug.