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Corona-KriseEU bemüht sich um ausreichende Versorgung mit Blutplasma

Corona-Krise / EU bemüht sich um ausreichende Versorgung mit Blutplasma
In einer medizinischen Einrichtung in Birmingham wird eine Blutprobe entnommen. Blutplasma ist in der gegenwärtigen Krise ein bedeutender Rohstoff. Foto: AFP/Simon Dawson

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In der Coronavirus-Krise bemüht sich Europa um mehr Unabhängigkeit bei der Produktion von wichtigen Medikamenten – und dabei rückt ein wichtiger Rohstoff auch für Covid-19-Patienten in den Fokus: Blutplasma.

Europa ist auf Lieferungen aus den USA angewiesen, um seinen Bedarf zu decken. EU-Vertreter suchen daher nach Wegen, um die Abhängigkeit der Europäischen Union von amerikanischem Plasma zu verringern. Einige Branchenvertreter fordern, dass dafür das europäische Blutspendesystem überholt werden sollte. Denn die stabilere Plasmaversorgung der USA ist vornehmlich darauf zurückzuführen, dass Blutspender bezahlt werden. In den meisten europäischen Ländern erhalten Spender dagegen keinen finanziellen Ausgleich.

Rund 35 Prozent des Plasmas für Medikamente, die etwa 300.000 Europäer mit chronischen Krankheiten benötigen, kommen nach Angaben der Interessenvertretung der Hersteller von Plasmaderivaten (PPTA) aus den USA. „Europäische Patienten sind dadurch dem Risiko einer plötzlichen Unterbrechung der Plasmaversorgung aus den USA ausgesetzt“, sagt ein Vertreter des Europäischen Direktorats für die Qualität von Arzneimitteln (EDQM), das qualitative und ethische Standards für Medikamente in Europa setzt.

Blutplasma wird als Ausgangsstoff für eine Reihe lebenswichtiger Medikamente genutzt, unter anderem werden Gerinnungsfaktoren für Bluter aus Plasma gewonnen. Auch in der Therapie von Covid-19-Patienten wird Blutplasma eingesetzt. Wissenschaftler arbeiten daran, aus Blutplasmaspenden ehemaliger Infizierter Antikörper zu gewinnen und damit schwerkranke Covid-19-Patienten zu behandeln – zumal wirksame Medikamente gegen die durch das neue Coronavirus verursachte Erkrankung noch nicht verfügbar sind. Analysten schätzen den weltweiten Markt für Medikamente aus Blutplasma auf jährlich 20 Milliarden Dollar und gehen davon aus, dass er weiter wachsen wird. Die Produzenten sind auf Plasmaspenden angewiesen, denn Blutplasma kann nicht künstlich hergestellt werden.

Die Bedenken hinsichtlich der Versorgungslage haben in den vergangenen Monaten zugenommen, in denen Europa und die USA in der Corona-Krise um wesentliche Ressourcen zur Bekämpfung des Virus wetteiferten, einschließlich vielversprechender Impfstoffe und persönliche Schutzausrüstung, wie ein Vertreter des Europäischen Verbands der Blutbanken (EBA) sagt. Die Sorgen haben sich wegen der Lockdowns im Zuge der Pandemie zusätzlich verschärft, weil dadurch viele Menschen nicht zum Blutspenden gingen.

Debatte um Bezahlung der Spender

Vergangene Woche diskutierten Blutexperten bei einem von der Europäischen Kommission organisierten Treffen darüber, wie sich die EU selbst mit Plasma versorgen kann. Zu Ergebnissen des Treffens wollte sich ein Sprecher der Kommission nicht äußern. Dabei kommt auch die Debatte um die Bezahlung der Spender wieder hoch. Die Plasma-Interessenvereinigung PPTA verweist auf Deutschland, das als größter Plasmasammler in Europa eines der wenigen europäischen Länder ist, das Blutspender finanziell entschädigt. Kritiker sehen eine Bezahlung aber als unethisch an und befürchten, dass dadurch Sicherheitsstandards gefährdet werden könnten.

Ein Vertreter der Kommission sagte, während der Pandemie seien Maßnahmen ergriffen worden, um das Risiko eines Plasmamangels zu minimieren. So seien etwa die regulatorischen Anforderungen für Blutsammelzentren reduziert worden. Derzeit reichen die Bestände noch aus. Später in diesem Jahr könnte es nach Einschätzung von Experten jedoch eng werden bei der Versorgung mit aus Plasma gewonnenen Arzneimitteln. Dabei rücken vor allem die Spender in den Blick, die bereits eine Coronavirus-Infektion hinter sich haben und über die begehrten Antikörper verfügen. Sollte sich diese Art der Behandlung als wirksam erweisen, könnte das die Versorgungslage in Europa weiter anspannen. Eine Strategie für die Sammlung im industriellen Maßstab sollte daher schnell entwickelt werden, fordert das Nachhaltigkeits-Direktorat EDQM. (Reuters)