Welche Tiere werden die deutlich wärmeren Bedingungen, die der Klimawandel vielerorts mit sich bringt, besser verkraften als andere? Welche werden davon profitieren, welche im schlimmsten Fall daran zugrunde gehen? Diesen Fragen ist eine Gruppe australischer Wissenschaftler nachgegangen.
Die Studie, die im Fachmagazin PNAS veröffentlicht wurde, untersuchte die Thematik am Beispiel der Regenbogenfische. Die Ergebnisse könnten jedoch auch auf viele andere Meeres- oder Landtiere ausgedehnt werden, die aufgrund des Klimawandels unter Druck stehen, sagen die Wissenschaftler.
Bei den Forschungen fand das Team der Flinders-Universität in Adelaide heraus, dass die „Gewinner“ diejenigen sein werden, die sich am besten an die projizierten Sommertemperaturen anpassen können. Das sind nach Angaben der Wissenschaftler vor allem Tierarten, die aus warmen, subtropischen Regionen stammen. Diejenigen, die sich in kühleren gemäßigten Ökosystemen entwickelt haben, würden dagegen Gefahr laufen auszusterben.
„Gemäßigte Arten leben in einer Region, in der sich das Klima und ihr Lebensraum in Zukunft voraussichtlich stärker ändern werden als in tropischen Regionen“, schrieb Luciano Beheregaray, ein Professor für Evolutionsbiologie an der südaustralischen Universität in einer E-Mail. Gleiches gelte für Wüstenarten. Die Forscher erwarten, dass in diesen Regionen die Tiere besonders stark betroffen sind, die eine geringere Migrationsfähigkeit haben, sowie diejenigen mit langer Generationszeit. Darunter versteht man die Zeitdauer, in der sich die Zahl der Individuen einer Population verdoppelt. Die Tiere, die diese Liste anführen, sind sogenannte Ektothermen, also Tiere, die ihre Körpertemperatur nicht regulieren können, wie Insekten, Fische, Eidechsen, Schlangen und Frösche.
Tropische Korallenriffe fallen aus der Reihe
Beheregaray betonte aber auch, dass dies nicht verallgemeinert werden dürfte. So seien auch Spezies in warmen Regionen betroffen, wenn sie ohnehin schon am oberen Ende ihrer Toleranzgrenze in Bezug auf die Natur lebten. Als Beispiel nannte der Biologe tropische Korallenriffe: Diese befinden sich zwar nicht in gemäßigten Regionen, sind aber stark vom Klimawandel betroffen, da sie sich bereits nahe an ihrer oberen Wärmegrenze befinden.
Neben einer kurzen Generationszeit und einer hohen Toleranz für wärmere Temperaturen helfen natürlich auch eine größere Population und Verbreitung sowie mehr genetische Vielfalt. „Dies erhöht tendenziell die Fähigkeit, sich an Veränderungen in der Umgebung anzupassen“, sagte der Forscher.
Eine Art, die schon jetzt als Gewinner des Klimawandels hervorgeht, ist die Qualle. „Wir sind in der verrückten, unerwarteten und unverständlichen Position, wo wir im Wettbewerb mit den Quallen stehen und sie dabei sind zu gewinnen“, sagte die Meeresbiologin und Quallen-Expertin Lisa-Ann Gershwin einst der australischen Tageszeitung Sydney Morning Herald.
Abwanderung in Richtung Pole
Denn fast alles, was Schaden an unserem Ökosystem anrichtet, scheint den Quallen gutzutun. So sorgt die Überfischung der Meere beispielsweise dafür, dass es weniger Raubfische gibt, die die Quallen reduzieren könnten. Zudem blühen Quallen in wärmerem Wasser auf. Höhere Temperaturen verlängern ihre Brutsaison, während viele Fische durch den geringeren Sauerstoffanteil im Wasser leiden. „Wärmeres Wasser ist ein Desaster für alles, was atmet, und ein Traum für alles, das nicht groß atmet wie die Quallen”, sagte Gershwin.
Schon jetzt ist klar, dass der Klimawandel in der Tierwelt zu starken Veränderungen führen wird. Lokale Populationen werden aussterben, das Fortpflanzungsverhalten und Migrationsmuster vieler Tierarten werden sich verändern. Laut der Studie der südaustralischen Flinders-Universität werden Tiere aufgrund des sich wandelnden Klimas versuchen, in kältere Regionen zu migrieren. Zum Beispiel könne man schon jetzt beobachten, wie sich Meerestiere in Küstennähe in Richtung der Pole bewegen würden, sagen die Forscher.
Mit Studien wie dieser hoffen die Biologen, Arten mit hohem Aussterberisiko identifizieren zu können. So könnten frühzeitig Maßnahmen entwickelt werden, um diesen Tieren bei der Anpassung an ein wärmeres Klima zu helfen. „Dazu gehört die Wiederherstellung verlorener Lebensräume und die aktive Verlagerung von Populationen an günstigere klimatische Standorte, solange wir noch Zeit haben“, sagte Beheregaray.
Zu Demaart
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