Dank Corona mausert sich Bosniens Adria-Aschenputtel zur goldenen Gans. „Alle Hotels in Neum sind voll, so viele Reservierungen habe ich in Neum in 20 Jahren nie erlebt“, freut sich gegenüber klix.ba der Vorsitzende des Verbands der Tourismus-Beschäftigen, Davor Kresic, über den ungewohnten Rummel an Bosniens Riviera. „Bosnisches Meer als neue Touristen-Attraktion“ titelt in Serbien das nova.rs-Portal: „Als eines der wenigen ist es noch mit einem serbischen Pass zu erreichen.“
Von Reisenden zwischen den kroatischen Touristenhochburgen Split und Dubrovnik wird die zehn Kilometer kurze Fahrt über das Territorium von Bosniens Meereszugang bisher als eher lästiges Transithindernis erfahren. Doch die Viruskrise hat dem Mittelmeeranrainer mit der nach Monaco kürzesten Küste einen ungekannten Andrang beschert: Auch aus Mangel an Alternativen machen sich nicht nur heimische, sondern vor allem auch serbische Touristen in die eher schmucklosen Großhotels im überfüllten Neum auf.
Während die Gastronomen in Süddalmatien, aber auch im nahen Montenegro über leere Betten und die schlechteste Saison seit Jahrzehnten klagen, brummt in den Schänken und Pizzerias von Neum im Corona-Sommer das Geschäft. Für serbische Meeresjünger, die wegen der wieder stark aufgeflackerten Epidemie die populären Sommerfluchten nach Griechenland und Montenegro verwehrt bleiben, ist Neum genauso eine Alternative wie für Bosnier, die sich wegen der 14-tägigen Einreisequarantäne nicht an die kroatische Adria aufmachen können.
Geringere Kosten
Rauchen ist zur Freude überzeugter Balkanschmaucher im bosnischen EU-Abseits noch immer gestattet. Ansonsten spricht für Neum eigentlich nur der geringe Preis: Auch wegen der wesentlich geringeren Kosten sind die Bettenburgen des 3.200 Seelen zählenden Küstenortes in den letzten Jahren zum populären Hochzeitseldorado kroatischer Eheglücksucher mutiert.
Das Geschäft mit den Großhochzeiten liegt in Neum wegen Corona in diesem Jahr zwar darnieder. Doch dafür lassen die Sonnensucher an Bosniens Adria-Riviera den Rubel rollen. Nur in den Läden sind Gesichtsmasken zu sichten: Angst vor der Ansteckung scheinen die Gäste und Kellner auf den überfüllten Kneipenterrassen und Stränden offenbar keine zu plagen.
Eine neue Überlandstraße soll das bisher nur über holprige Pisten erreichbare Neum schon ab dem nächsten Jahr besser mit dem bosnischen Hinterland verbinden. Die unfreiwilligen Transitbesucher an Bosniens Riviera dürften derweil spätestens ab 2022 der Vergangenheit angehören: Nach der Fertigstellung der neuen Meeresbrücke zwischen dem kroatischen Festland und der Halbinsel Peljesac ist die in Süddalmatien geografisch zerrissene EU zumindest verkehrstechnisch wieder geeint – und Reisende können den bosnischen Küstenkorridor in wenigen Minuten umfahren.
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