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Viruskrise„Beklagt euch bei der Oma“: Wie Balkan-Politiker autoritären Neigungen freien Lauf lassen

Viruskrise / „Beklagt euch bei der Oma“: Wie Balkan-Politiker autoritären Neigungen freien Lauf lassen
Digitale Akklamation: Serbiens Staatschef Vucic lässt sich per Videokonferenz zujubeln  Foto: Screenshot Vucic-Video

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In der Viruskrise offenbaren sich Talente, aber auch Charakterzüge: Ihren Allmachtsfantasien lassen die Politfürsten auf dem Balkan freien Lauf.

Auch Maskierte können Masken fallen lassen. Mit einer Maske vor den Lippen ließ Bosniens mächtigster Politiker Milorad Dodik bei seinem Auftritt im Parlament des Teilstaats der Republika Srpska seiner Zunge und seinem autoritär gestrickten Geist in der vergangenen Woche freien Lauf. „Es gibt keine Machthaber, die die Opposition nicht abhören. Und so hören wir euch ab. Wir haben das Recht dazu“, verkündete der Chef der regierenden SNSD höhnisch den Oppositionsabgeordneten: „Beklagt euch bei der Oma, dem Papa. Wir wissen, was ihr tut. Ihr seid eine machtlose und sterile Gruppierung, die nichts mit dem Gemeinwohl zu tun hat. Ihr habt kein Talent für die Politik.“

Während Oppositionspolitiker und Bürgerrechtsorganisationen empört Klagen gegen Dodik wegen illegaler Abhörpraktiken ankündigten, versuchte das serbische Mitglied von Bosniens Staatspräsidium hernach, seine Entgleisung als „Performance“ herunterzuspielen. In der Not offenbaren sich Talente, aber auch Charakterzüge: Ihren Allmachtsfantasien und eigenwilligem Berufsverständnis lassen die selbstverliebten Politfürsten auf dem Balkan freien Lauf.

Journalisten? „Lügner und Prostituierte“

Bisher hatte die bosnische SNSD-Parlamentarierin Sanja Vulic nur mit dem Bekenntnis für Schlagzeilen gesorgt, dass für sie ihr Parteichef Dodik „Gott“ sei. Nun offenbarte die Volksvertreterin Grundsätzliches. Gefragt nach Bosniens relativ hohen Abgeordnetenbezügen, deren Kürzung sie ablehnt, schnauzte Vulic eine Reporterin an, dass sie „nicht schuld“ daran sei, dass diese mit ihrem Journalistensalär nicht zufrieden sei: „Ich bin Abgeordnete. Wenn ich weniger Gehalt gewollt hätte, würde ich mich mit etwas anderem beschäftigen.“

Es gibt keine Machthaber, die die Opposition nicht abhören. Und so hören wir euch ab. Wir haben das Recht dazu.

Milorad Dodik, Bosniens mächtigster Politiker

Sind es die hektischen Zeiten, die die Balkanregenten noch hektischer und herrischer als sonst in ihre Handys tippen lassen? In verstärkter Kritiker-Beschimpfung übt sich auch Sloweniens streitbarer Premier Janez Jansa in der Corona-Krise. Wie US-Präsident Donald Trump nimmt der Rechtsausleger am liebsten per Twitter lästige Journalisten ins Regentenvisier – und pflegt sie als „Lügner“ oder „Prostituierte“ zu schmähen.

Ungewohnt populistische Töne waren in der Viruskrise auch von Rumäniens sonst so bedächtigem Staatschef Klaus Johannis zu vernehmen. Während er mit der Regierung für das Leben der Rumänen kämpfe, streite die oppositionelle PSD dafür, „Siebenbürgen den Ungarn zu geben“, übte sich der deutschstämmige Landesvater zu Monatsbeginn in Oppositions- und Minderheitenschelte: „Was hat Ihnen Ungarns Premier Viktor Orban dafür versprochen?“ Der Antidiskriminierungsrat (CNCD) hat Johannis mittlerweile zu einer Buße von 5.000 Lei (etwas mehr als 1.000 Euro) verdonnert. Reue zeigt der Täter keineswegs. Die Strafe sei „politisch motiviert“, klagt Johannis – und kündigt Berufung an.

Bei jedem Anruf schaltet sich der Premier zu

George Orwells im Roman 1984 gezeichnetes Schreckbild des allgegenwärtigen „Großen Bruders“ ist auf dem Balkan keine Vision mehr, sondern wird in der Viruskrise mithilfe der Technik entschlossen umgesetzt. Bei jeder gewählten Telefonnummer schallte den Albanern zu Beginn der Viruskrise zunächst die vorgeschaltete Stimme ihres Regierungschefs entgegen: Eindringlich ermahnte Edi Rama seine Landsleute zum Händewaschen.

Corona macht es möglich: Seine einst schon von der Financial Times spöttisch bemerkte Liebe zur Fernsehschirmwand lebt Serbiens allgewaltiger Landesvater Aleksandar Vucic im Webwahlkampf derzeit in vollen Zügen aus. Bizarr wirken die Bilder, wie der frühere Informationsminister zu einer überdimensionierten Wand von Hunderten von Bildschirmen spricht: Eher hohl klingt das Bildschirmklatschen, mit dem die zugeschalteten Anhänger freudig seine Verheißung einer Zukunft mit verdoppelten Löhnen bejubeln.

HTK
27. Mai 2020 - 9.36

Nach dem Zusammenbruch der UDSSR kamen diese kleinen Diktatoren aus ihren Löchern und sahen die Gunst der Stunde.Serben,Croaten,Albaner usw. Ethnien die es sich zur Aufgabe gemacht haben sich gegenseitig auszulöschen. Da kann Oma auch nicht helfen.