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NigerAngriff in der Sahara: Französische Spezialeinheiten töten Al-Kaida-Chef Nordafrikas

Niger / Angriff in der Sahara: Französische Spezialeinheiten töten Al-Kaida-Chef Nordafrikas
Straßenszene aus Tidjikja in Mauretanien: Der islamistische Terror lastet schwer auf der Sahel-Region, zu der in einem politischen Kontext vor allem Senegal, Mauretanien, Mali, Burkina Faso und Niger gezählt werden Foto: AFP/John Wessels

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Französische Anti-Terror-Einheiten haben den Al-Kaida-Chef Nordafrikas getötet. Der Angriff gilt als bisher größter Erfolg des Einsatzes der Spezialkräfte in der Sahel-Region. 

Es ist der bisher größte Erfolg der französischen Anti-Terror-Einheiten in Nordafrika: Spezialeinheiten in Mali töteten nun jenen Mann, der seit zwei Jahrzehnten im Norden Afrikas und in der darunterliegenden Sahelzone mit seinen Terrormilizen für zahlreiche Bombenanschläge gegen westliche Einrichtungen und die Entführung von europäischen Touristen sowie Entwicklungshelfern verantwortlich war.

Der 50 Jahre alte Algerier Abdelmalek Droukdal, dessen Nachname zuweilen auch Droukdel geschrieben wird, galt als Gehirn und oberster Kommandeur der Terrorbewegung Al-Kaida im Islamischen Maghreb (AQMI). Die AQMI ist der nordafrikanische Ableger des weltweiten Terrornetzwerkes Al-Kaida und die gefährlichste Extremistenbewegung der Region.

„Ich beglückwünsche und danke all jenen, die diese gewagte Operation ermöglicht und durchgeführt haben“, erklärte Frankreichs Verteidigungsministerin Florence Parly. Mit diesem Einsatz, der am 3. Juni stattgefunden habe, sei den Terroristen in der Sahara-Region ein schwerer Schlag versetzt worden.

Lange Karriere im Terrorismus

Einzelheiten zu der Operation gegen den Terror-Emir mit dem Kampfnamen Abu Musab Abdel Wadoud teilte Parly nicht mit. Sie verkündete aber, dass es bereits am 19. Mai im Sahel eine wichtige Anti-Terror-Mission gegeben habe, die mit der Festnahme von Mohamed el Mrabat, einem führenden Mitglied der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), endete.

Nach Angaben französischer Medien wurde Droukdal im Nordosten Malis, nahe der algerischen Grenze, aufgespürt. Der Angriff auf den Terrorchef, der mit einer kleinen Gruppe von Getreuen unterwegs gewesen sein soll, sei mit Hubschraubern und Bodentruppen erfolgt, berichtet die Zeitung Le Monde unter Berufung auf Militärkreise. Laut dem amerikanischen Nachrichtensender CNN halfen Satelliten des US-Geheimdienstes, den Aufenthaltsort Droukdals ausfindig zu machen.

Wüstenmeer als Rückzugsort: Terrormilizen kontrollieren weite Teile der  Sahara 
Wüstenmeer als Rückzugsort: Terrormilizen kontrollieren weite Teile der  Sahara  Foto: AFP/John Wessels

Die AQMI hatte 2016 die Verantwortung für den Terrorüberfall auf ein Ausländerhotel in Ouagadougou, der Hauptstadt Burkina Fasos, übernommen. Damals starben mindestens 30 Menschen – meist westliche Bürger. 2007 schickte Droukdal zwei Lastwagenbomben in die algerische Hauptstadt Algier, die vor einem UN-Gebäude sowie vor dem Verfassungsgericht explodierten. Mindestens 31 Menschen kamen um. Zudem zeichnet er für zahlreiche Entführungsaktionen von Europäern verantwortlich: Einige Opfer kamen gegen Lösegeld frei, andere wurden enthauptet.

Kerngebiet Luxemburger Kooperationspolitik

Droukdals Terrorkarriere begann in den 90er Jahren in Algerien. Dort gründete er die radikale Salafistische Bewegung für Predigt und Kampf (GSPC). Schon wenig später schloss er sich dem globalen Extremistennetzwerk Al-Kaida an und baute die GSPC zur AQMI aus, die seitdem die Region zu destabilisieren versucht.

Frankreichs Verteidigungsministerin Parly kündigte an, dass der Anti-Terror-Kampf in der nordafrikanischen Sahara-Region, wichtigstes Rückzugsgebiet Al-Kaidas in Afrika, weitergehen werde. „Unsere Einsatzkräfte werden, zusammen mit ihren Partnern der G5-Sahel-Gruppe, die Region ohne zu ruhen durchkämmen.” Zur G5-Sahel-Gruppe gehören Mali, Mauretanien, Burkina Faso, Niger und Tschad. Mali, Burkina Faso und Niger zählen zu den insgesamt sieben Partnerländern der Luxemburger Entwicklungszusammenarbeit. Anfang des Jahres hatten Frankreich und die Sahel-Staaten vereinbart, die Anti-Terror-Kooperation auszubauen.

Im westafrikanischen Krisenstaat Mali übernahmen 2012 mehrere islamistische Gruppierungen, darunter auch Al-Kaida und Milizen der IS-Terrorbewegung, die Kontrolle über den Norden. Deswegen griff die ehemalige Kolonialmacht Frankreich 2013 militärisch ein und drängte die Islamisten zurück. Derzeit sind mehr als 5.000 französische Soldaten in der Region. Zudem versuchen 15.000 UN-Soldaten, darunter 1.100 deutsche Bundeswehrkräfte, im zerrissenen Staat Mali für Ruhe zu sorgen. 

CESHA
8. Juni 2020 - 8.58

Man könnte sich über eine solche Nachricht freuen, wenn die Erfahrung nicht gezeigt hätte, dass in solchen Fällen sehr schnell ein neuer Terrorist nachrückt.