Tageblatt: 34 Stunden steht man in Luxemburg durchschnittlich pro Jahr im Stau, sagt die Studie des Verkehrsdienstes Inrix. Heute hat es mich getroffen und wir sind gleich beim Thema …
Gilles Dostert: Unsere Absicht ist es nicht, das Auto zu verteufeln, um es gleich vorwegzunehmen. Wir sind hier in Luxemburg schnell im ländlichen Raum genauso wie hinter den Grenzen. Da gibt es nicht für jeden eine Lösung, weil der öffentliche Nahverkehr seine Grenzen hat.
„M-Card“, Mobilitätszentrale usw.: Sie machen ganz schön viel dafür, dass öffentliche Transportmittel benutzt werden …
Ja. Schwieriger gestaltet sich die konkrete Umsetzung im Umland. Hohe Vertaktung und Auslastung außerhalb der Spitzenstunden sind im ländlichen Bereich schwer zu vereinbaren. Da ist etwas anderes als ein Stunden- oder Zweistundentakt nicht finanzierbar. Wir müssen deshalb umdenken, modal denken.
„Modal“ denken?
Ja, es geht um die Kombination von mehreren Transportmitteln. Es geht um die Überlegung „brauche ich für die ganze Strecke das Auto?“. Und wenn nicht, wo kann ich auf was umsteigen? Wo sind die Kombinationsmöglichkeiten?
Das heißt, Sie wollten die „Luxtram“ auch unbedingt?
Auf jeden Fall. Aus mehreren Gründen: Die Tram hat ganz andere Kapazitäten für den Transport als ein Bus und sie wertet das Stadtbild auf. Sie ist sympathischer als Busse und sie ist leiser.
Für Sie ist Autofahren kein wirkliches Thema mehr, oder?
In den 60er Jahren galt das Auto als die große Freiheit. Jeder wollte eins haben. Auch heute suchen viele immer noch als Erstes den Autoschlüssel, wenn es um Fortbewegung geht. Das ändert sich dann ganz schnell nach dem ersten Stau … oder wenn sie verzweifelt nach einem Parkplatz suchen.
Der „Götze“ Auto hat also ausgedient?
Die Autoaffinität wird abnehmen, das Besitzenwollen, das Auto als Statussymbol. In den Ballungsgebieten ist das ja schon länger zu beobachten.
In meinem Beruf brauche ich ein Auto …
Das ist mir klar. Aber es gibt Leute, die stellen das Auto acht Stunden neben ihrem Büro ab, obwohl Autofahren hier im Land zu gewissen Zeiten wirklich keinen Spaß macht. Anstatt dass sie an einem P+R auf andere Transportmittel umsteigen.
Haben Sie eigentlich einen Parkplatz hinten im Hof?
Nein, und ich komme aus dem Müllerthal zur Arbeit. Mit dem Pkw, dem Bus, dem Fahrrad und zu Fuß. Die Kombination fällt je nach Wetterlage unterschiedlich aus. Das ist umweltschonender und ich brauche ungefähr zehn Minuten länger, als wenn ich mit dem Auto fahre.
Ganz vorbildlich. Im Sinne des Umweltschutzes …
Wir sind nur begrenzte Zeit hier auf diesem Planeten. Ich finde, wir sollten alles dransetzen, ihn unseren Kindern so zu hinterlassen, dass sie eine gute Zukunft vor sich haben.
Die Frage „was für ein Auto fahren Sie denn?“ amüsiert Sie oder?
Wenn es dabei um Status geht, ja. Ich fahre übrigens einen Skoda Fabia, Baujahr 2008, „Greenline“, der war damals State of the Art, was die Emissionen angeht.
Zu Demaart
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