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«Wir müssen sofort hin»

«Wir müssen sofort hin»
(AFP/Attila Kisbenedek)

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Im Durchgangslager an der ungarisch-serbischen Grenze nahe Röszke herrschen chaotische Zustände. Der Luxemburger Student Roger Winandy hilft vor Ort. Wir haben mit ihm gesprochen.

Wie wird man in Wien zum freiwilligen Flüchtlingshelfer?

Logo" class="infobox_img" />Roger Winandy, 24, ist gebürtiger Luxemburger und studiert zurzeit in Wien. Der Musikliebhaber betätigt sich in seiner Freizeit als humanitärer Helfer und Mitarbeiter der Nichtregierungsorganisation für Entwicklungshilfe «Make me smile», deren Fokus Kenia gilt.

Roger Winandy: Menschen aus der Zivilgesellschaft haben am Wiener Hauptbahnhof eine Zentrale eingerichtet. Es gab von staatlicher Seite fast keine Unterstützung. Alles ist freiwillig und läuft über Facebook und Twitter. Es ist unglaublich, wie schnell alles funktioniert.

Hast du ein Beispiel?

Das Zentrum schreibt: «Wir brauchen Kleidung für Kleinkinder»“ 20 Minuten später stehen Menschen mit Kisten in den Händen vor der Tür und sagen: «Bitte sehr!» Wir haben zudem am Montagmorgen die Information erhalten, dass abends mehrere hundert Flüchtlinge ankommen.

Wir hatten nur 20 freiwillige Helfer in der Zentrale. Das hätte nie geklappt. Mittags haben wir erneut einen Aufruf auf Twitter gestartet: Innerhalb einer halben Stunde standen rund 70 Leute vor der Zentrale. Die Solidarität mit den Flüchtlingen ist unglaublich.

Wie sieht die Situation in Wien aus?

Caritas hilft hier sehr viel. Das muss man ihnen lassen. Aber die Führung wird uns überlassen. Die Gründer der Zentrale am Hauptbahnhof hatten derart schnell Spenden und Helfer zusammen, dass man sich um die Koordination zu kümmern begann. Erst dann kam Caritas.

Wieso bist du nach Röszke gereist?

Wir haben die Information erhalten, dass dort katastrophale Zustände herrschen. Die Menschen litten an Hunger und Durst, die Temperatur sei die letzten beiden Tage stark gefallen. Wir sagten uns: «Wir müssen sofort hin.» Wir haben in der Zentrale das Spendenlager geöffnet und das Nötigste in fünf Wagen gepackt.

Was hat dich erwartet?

Das Ganze war unvorstellbar. Ich habe vor der Abreise gedacht, dass das irgendwo in einer beleuchteten Stadt sein muss. Von wegen. Die Menschen verharren draußen auf einem Feldweg direkt neben den Schienen: kein Strom, kein fließendes Wasser und maximal fünf bis sechs Dixi-Toiletten. Es hat unglaublich gestunken. Die Menschen mussten Plastik verbrennen, um sich vor der Kälte zu schützen. Es waren von Montag auf Dienstag knapp fünf Grad während der Nacht.

In welchem Zustand befinden sich die Flüchtlinge?

Während der Nacht sind etwa 1.000 Menschen die Schienen entlanggelaufen und in Röszke angekommen. Sie haben nichts mehr. Sie kommen barfuß an. Sie benötigen Erste Hilfe und müssen eingekleidet werden. Wir versuchen, ihnen etwas zu essen zu geben. Das ist sehr schwer im Dunkel der Nacht. Die Menschen haben bei ihrer Ankunft noch mehr Angst, als sie ohnehin bereits haben: Überall steht die Polizei.

Wie verhält die Polizei sich?

Die Menschen sitzen in der Mitte eines Zelt-Kreises, die Polizei blockiert alles um sie herum. Das sind die «Checkpoints». Die Menschen werden von diesen in die sogenannten Registrierungszentren gebracht. Dort werden sie registriert und ihre Fingerabdrücke genommen. Sie wollen allerdings nicht in Ungarn bleiben – was komplett verständlich ist. In solchen Zuständen würde ich auch nicht verharren wollen.

Wie schlimm ist die humanitäre Situation?

Kinder sitzen in ihren kurzen Hosen im Schlamm. Wir haben nicht genug Zelte. Die Menschen schlafen im Freien. Auf dem nackten Boden. Es ist stockdunkel und eiskalt. Wenn das Wetter in die Minusgraden umschlägt, wird es erste Kältetote geben. Und das auf europäischem Gebiet.

Das ganze Interview finden Sie in der aktuellen Ausgabe (Mittwoch, 9. September) des Tageblatt.

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