Montag26. Januar 2026

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«Wir hatten eine Menge Glück»

«Wir hatten eine Menge Glück»
(AFP/Nicolas Maeterlinck)

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Angespannte Stimmung in Brüssel: Ein erschossener Verdächtiger, vier Verletzte Polizisten , weitere Flüchtige und viele Fragen.

Auf der Suche nach Beteiligten an den Terroranschlägen von Paris haben belgische und französische Polizeikräfte ein Haus in Brüssel gestürmt und einen Verdächtigen erschossen. Bei dem Anti-Terror-Einsatz im Stadtteil Forest in einer Wohnung in der belgischen Hauptstadt soll der Getötete am Dienstag zuvor mit einem Sturmgewehr auf die Beamten geschossen haben. Drei belgische Polizisten und ein Beamter aus Frankreich wurden bei der Erstürmung des Apartments leicht verletzt.

«Wir hatten eine Menge Glück», sagte Belgiens Regierungschef Charles Michel. «Es hätte ein Drama werden können.» Forest liegt in der Nähe von Molenbeek, wo mehrere der in die Pariser Terroranschläge Verwickelte gewohnt hatten. Der Einsatz war am Nachmittag in Gewalt umgeschlagen, als mindestens ein Verdächtiger auf Polizeibeamte durch eine Tür hindurch schoss. Aus Polizeikreisen verlautete am Abend, der Tote sei nach Erstürmung einer Wohnung gefunden worden.

Evakuationen

Der mehr als dreistündige Einsatz hatte den gesamten Stadtteil in seinen Bann gezogen. Nach den ersten Schüssen sperrte die Polizei die Gegend weiträumig ab, ein Hubschrauber überflog das Gebiet. Schulen und Kitas wurden geschlossen. Hunderte Schaulustige versammelten sich in dem Stadtteil, der multikulturell geprägt ist. In der Nähe befindet sich eine Fabrik der VW-Marke Audi. Deren Mitarbeiter wurden aufgefordert, während des Einsatzes in den Gebäuden zu bleiben.

Noch Stunden nach der Operation war unklar, ob extremistische Verdächtige auf der Flucht seien. Einzelheiten zu dem Einsatz wollte die Polizei am Mittwochmorgen auf einer Pressekonferenz bekanntgeben.

Ermittlungen

Seit den Pariser Attentaten vom 13. November mit 130 Toten fehlt unter anderen immer noch jede Spur von dem international gesuchten Salah Abdeslam. Er soll die Attentäter logistisch unterstützt haben. Ob sich der Einsatz vom Dienstag um ihn drehte, galt als unwahrscheinlich, da die Polizei mitteilte, sie habe keinen gewalttätigen Widerstand erwartet. Abdeslams Bruder Brahim war einer der Selbstmordattentäter von Paris gewesen.

Seit nunmehr vier Monaten versuchen die Behörden in Belgien zu ergründen, welche Rolle belgische Staatsbürger bei den Anschlägen in Paris spielten. Der mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge, Abdelhamid Abaaoud, lebte in Brüssel; er kam bei einer Razzia in einem Pariser Vorort wenige Tage nach den Anschlägen ums Leben. Bilal Hadfi, ein weiterer Attentäter, soll für eine Zeit in Forest gewohnt haben.

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