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«Wir brauchen Geld»

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Die katholische Kirche in Luxemburg schreibt rote Zahlen. Umdenken und neue Geschäftsideen müssen her. Fundraising und Cashflow sind die Schlagwörter.

Um Geld machte sich die katholische Kirche in Luxemburg bislang keine Sorgen. Man lebte förmlich in Saus und Braus. Seit ein paar Jahren hat sich das allerdings mehr als geändert. Auch dem Bistum wird jetzt auf die Finger geschaut. Im Herbst 2013 wurde erstmals in seiner Geschichte die finanzielle Situation offengelegt. Die Zahlen waren allerdings alles andere als rosig. Auf dem Bistum lastete damals eine Schuldenlast von rund 54 Millionen Euro.

Auch der zweite Bilanzbericht an Montag zeigt auf die leeren Kassen der katholischen Kirche. Die Schulden belaufen sich jetzt auf 55,6 Millionen Euro (Stand: 31. Dezember 2013.) Dem gegenüber steht ein Gesamtvermögen von 157,7 Millionen Euro durch Immobilienbesitze. Das macht ein Nettokapital von 90 Millionen Euro aus. Einsparungen und Kostenkontrolle konnten die Schuldenlast nicht eindämmen, hieß es am Montagmorgen bei der Bilanzpressekonferenz der Katholischen Kirche Luxemburg.

Beim strukturellen Defizit konnten die Schulden von 4,2 Millionen auf 1,8 gesenkt werden. «Wir können von einer gewissen Entspannung reden, aber die Richtung stimmt noch nicht», so Generalvikar Erny Gillen. Ein großes Problem sind für das Bistum die Schulden bei den Steuern. Neue Geschäftsmodelle müssen jetzt her. Gillen sieht großes Potenzial im Immobiliengeschäft. Über Details schweigt er sich aber aus. «Über Immobiliengeschäfte reden wir nicht in der Öffentlichkeit,» untersreicht er.

«Cashflow»

«Bis vor ein paar Jahren hat es niemand interessiert, was für Werte da sind.
Wir müssen jetzt aber Rechenschaft ablegen und uns kommerzielle Regeln auferlegen», so Gillen. Dabei wird auch das Wort «Fundraising» (Spendensammeln) genannt.

Die neue Finanzexpertin der katholischen Kirche, Bernadette Reuter, spricht dabei von «Cashflow» (Geldfluss). «Wir brauchen Geld um die Schulden zurückzubezahlen. Wir haben keine andere Möglichkeit,» so Reuter.

18 Monate hat es gebraucht, um die erste Bilanz (September 2013) über das Bistum auf die Beine zu stellen. An der Buchhaltung wird noch immer gefeilt. Es gibt immer noch zu viele dunkle Stellen im und um das Bistum. So fehlen zum Beispiel finanzielle Berichte von den Kirchenfabriken und Ordensgemeinschaften. Gillen begründet dies mit der Trennung zwischen Bistum und den beiden anderen Organisationen. «Wir haben keine juristische Verbindung,» begründet Gillen. Darum weiß er auch bis heute nicht, wie die finanzielle Situation dort ist. Man werde aber seine Hausaufgaben machen und eine Lösung finden, heißt es.

Homoehe

Große Sorgen machen dem Bistum die Diskussionen um die Trennung von Kirche und Staat. «Es ist vieles in der Kirche in Bewegung. Das Verhältnis von Religion und Staat wird derzeit stark überlegt,» so Gillen. Eine Trennung käme aber einer Katastrophe gleich. Es wäre für uns ein finanzielles Desaster», betont er. 24,5 Millionen Euro alleine an Gehälter wurden 2013 über den Staat finanziert. Das macht 236 «Angestellte» beim Bistum aus. Darunter unter anderem zahlreiche Laientheologen.

Eine klare Absage gibt es vom Bistum für die Homoehe in der Kirche. «Eine Entscheidung über Heirat in der Kirche müsste in Rom getroffen werden», betont Gillen. «Bis dahin können aber Frischvermählte von uns einen Segen mit auf dem Weg bekommen.»