Paris blieb unverhüllt. In der französischen Hauptstadt gab es keine Anstalten, dem iranischen Gast möglicherweise unliebsame Einsichten zu verwehren. Während bei der Visite von Präsident Hassan Ruhani in Rom noch antike Nacktstatuen vor streng religiösen Blicken verhängt wurden, blieb die Kunst in Frankreich unangetastet. Selbst die Tischkultur stand nicht auf dem Prüfstand: im Élysée gab es kein Staatsbankett. Wein zum Essen mag bei gläubigen Muslimen verpönt sein, in Frankreich gilt das als Tradition.
Wie die französische Tageszeitung «Le Monde» berichtet, begrüßte am Donnerstag auch eine halbnackte Aktivistin der Frauenbewegung Femen den Iraner: Die Demonstrantin baumelte an einem Seil von einer Brücke, um auf die hohe Zahl der Exekutionen im Iran aufmerksam zu machen. «Willkommen Rohani, Henker der Freiheit», stand auf einem riesigen Plakat.
«Verlässlicher Partner»
Wirtschaftlich und politisch stieß Ruhani in Rom und Paris europäische Türen weit auf. Nach Jahrzehnten der internationalen Isolation hat das Atomabkommen die Grundlage geschaffen für eine neue Ära. Frankreich will aus europäischer Perspektive einen «verlässlichen Partner» in der von Krisen, Krieg und Terrorismus geprägten Region.
Schon dem Papst hat Ruhani versprochen, der Iran werde alles tun, um Terrorismus und Extremismus zu bekämpfen.
Das Gleiche tut er auch im Élyséepalast. Dort soll Präsident François Hollande auf den Iran bei der Lösung der Syrien-Krise und im Kampf gegen die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) zählen können. Mit Blick auf Differenzen mit den regionalen Protagonisten Saudi-Arabien und Türkei verwies Ruhani in Rom und Paris auf die Atomverhandlungen als Beispiel dafür, wie langjährige Konflikte erfolgreich beendet werden können.
Verträge in der Tasche
«Frankreich hat der Welt gezeigt, dass Diplomatie und Gespräche effizient sein können», sagte Ruhani. Wenn das mit den sechs Weltmächten klappt, wird es auch mit den islamischen Glaubensbrüdern hinhauen. Ruhani kann mit einem vollen Einkaufskorb nach Teheran zurückkehren: Verträge für Autos, Bahnhöfe, Eisenbahnstrecken, Erdöl, Gaspipelines, Logistik, Häfen oder Stahl hat er in der Tasche, Verhandlungen über Flugzeuge von Airbus laufen. Nach Jahrzehnten der Sanktionen hat das Land reichlich Modernisierungsbedarf.
Zu Demaart











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