Dienstag3. Februar 2026

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Wie sicher sind unsere Lebensmittel?

Wie sicher sind unsere Lebensmittel?
(dpa)

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LUXEMBURG - Immer wieder tauchen "verdorbene" Lebensmittel in den Supermärkten auf. Im Mai waren es Glasscherben in der Milch und Listerien im Käse. Letzte Woche wurden in der Grenzregion ebenfalls Listerien in einer Salami festgestellt.

Tageblatt.lu sprach mit Patrick Hau, Abteilungsleiter der Dienststelle für Lebensmittelsicherheit und -kontrollen in Luxemburg. Dabei sei es wichtig, so Patrick Hau, verschiedene Arten von Kontrollen zu unterscheiden: Präventive Hygienekontrollen in Restaurants und Supermärkten, Entnahme von Stichproben an Lebensmitteln, Beschwerde-Kontrollen sowie Prüfung von Nahrungsmitteln aus dem Nicht-EU-Ausland vor dem Import.

Präventive Hygienekontrollen funktionieren nach einem Dreijahresplan, so Hau. In der Regel wird ein Betrieb (Restaurant, Supermarkt) jedes zweite Jahr in Sachen Hygiene unter die Lupe genommen. Insgesamt werden 600 bis 800 Kontrollen jährlich durchgeführt. Gibt ein Betrieb ein positives Bild ab, wird dieser in den folgenden Jahren routinemäßig kontrolliert. Fällt jedoch ein Laden negativ auf, wird dieser in kürzeren Abständen öfters überprüft.

Stichproben

Neben den präventiven Hygienekontrollen werden auch stichprobenartige Prüfungen an den Lebensmitteln durchgeführt. Etwa 3000 solche Stichproben werden pro Jahr entnommen. Kontrolliert werden unter anderem mikrobiologische Risikofaktoren, Pestizide, Lebensmittel-Kontakt (durch die Verpackung) oder auch Additive wie Farb- oder Konservierungsstoffe. Nachdem die Proben entnommen wurden, werden sie entweder an das Luxemburger «Staatslabo», ans Wasserwirtschaftsamt (für Wasserprodukte) oder an eines der elf Labore ins Ausland geschickt. Dabei ist die Dienststelle für Ernährungssicherheit für sämtliche Lebensmittel zuständig, außer für Fleischprodukte. Deren Kontrolle obliegt dem Luxemburger Veterinärsamt. Koordiniert werden die einzelnen Kontrollbehörden durch das OSQCA („Organisme pour la sécurité et la qualité de la chaîne alimentaire“). In diesem Gremium werden die Kontrollvorhaben der verschiedenen Verwaltungen aufeinander abgestimmt.

Nach jeder Analyse oder Kontrolle wird ein Bericht erstellt, welcher dem jeweiligen Betrieb ausgehändigt wird. Dies passiert unabhängig davon, ob der Befund positiv oder negativ war. Überschreitet ein Lebensmittel festgelegte Grenzwerte oder entspricht es nicht gesetzlichen Qualitätskriterien, wird das Produkt sofort aus dem Verkehr gezogen. Besteht außerdem eine Gefahr für die Gesundheit des Kunden beim Verzehr, dann klingeln sofort die Alarmglocken. Sowohl die Öffentlichkeit (durch die Medien), als auch die EU-Kommission werden darüber in Kenntnis gesetzt. Letztere Instanz kann dann die jeweiligen Staaten, die das gleiche Produkt vermarkten, informieren. Umgedreht gelangen diese Infos auch auf diesem Weg nach Luxemburg. Auch Beschwerden von Verbrauchern über „verdorbene“ Produkte oder Hygieneverstöße wird sofort nachgegangen. Etwa 100 solcher Beschwerden werden jährlich gemeldet.

Die 39-Punkte-Checkliste

Restaurants werden nach einer 39-Punkte Checkliste kontrolliert. Liegen die Ergebnisse unter 75 Prozent Zufriedenheit, wird es ein Nachspiel für den Betreiber geben. Bei weniger als 50 Prozent kommt eine schriftliche Verwarnung, auf die der Betreiber innerhalb von zwei Tagen reagieren muss. Tut er das nicht, wird sofort ein Gerichtsverfahren eingeleitet.

Verschiedene Lebensmittel die aus dem Nicht-EU-Ausland nach Luxemburg kommen, werden noch, bevor sie verzollt und importiert werden blockiert und von der Luxemburger Dienststelle für Ernährungssicherheit auf „Herz und Nieren“ geprüft. Spezielles Augenmerk gilt dabei den sogenannten Risiko-Lebensmitteln, nämlich jenen, die in der Vergangenheit an den verschiedenen EU-Außengrenzen negativ aufgefallen sind.

Erst wenn alles in Ordnung ist, können diese Produkte verzollt und für den Luxemburger Lebensmittelmarkt freigegeben werden.