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Versteckspiele im Gerichtssaal

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LUXEMBURG - Am Montag belastet ein Augenzeuge einen der Angeklagten. Am Dienstag nun äußerte ein Ex-Mitglied einer Ermittlergruppe die Vermutung, dass hochrangige Gendarmerie- und Polizeibeamte etwas verschleiern wollten.

Am Montag sorgte die Aussage eines Augenzeugen für Furore bei Gericht. Er gab an, im Oktober 1985 kurz vor dem Anschlag auf den Justizpalast in Luxemburg verdächtige Personen gesehen zu haben – eine dieser Gestalten soll angeblich der angeklagte Marc Scheer gewesen sein. Dieser dementierte.

Der damalige Hauptverdächtige, Ben Geiben, wurde indes nicht vom Zeugen identifiziert. Der Lebensgefährte des ehemaligen Top-Polizisten, Pierre Spielmann, verschaffte Geiben für das Attentat im Justizgebäude ein Alibi, brachte aber sonst das Dossier nicht viel weiter. Er und Geiben hätten nicht viel über die Bommeleeër-Affäre, den Verdacht gegen Geiben und die Observierung gesprochen. Ben Geiben soll am Dienstag Licht in die Angelegenheit bringen, so der Wunsch der Richter, der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung.

Zuerst wollte der Anwalt der Verteidigung, Gaston Vogel, aber die Audioaufnahmen und Aussagen des Zeugen, der Marc Scheer wiederzuerkennen glaubte, vorgelegt bekommen. Er forderte, dass der Zeuge erneut in den Zeugenstand gerufen wird und möchte ihn mit Detailfragen löchern.

Die «Mauern» der Offiziere

Ein Mitglied der speziell im Zusammenhang mit den Attentaten ins Leben gerufene Ermittlergruppe GOR sagte aus, es seien Mauern aufgebaut worden. Er habe das Gefühl gehabt, dass man den Fall nicht aufklären wolle. So hätten die Ermittler der Gruppe sämtliche Informationen, unter anderem über Observationen, an die Chef-Etage der Gendarmerie abgeben müssen, was unüblich war. Was damit passiert ist, weiß niemand. Die Befehle kamen direkt von Gendarmerie-Chef Aloyse Harpes. Wenn man Fragen stellte, wurde einem seitens des Polizeichefs Pierre Reuland mit Rausschmiss gedroht.

Es sei auch vermutet worden, dass ein Insider bei der BMG existierte. Deshalb sei man aus ihrem Hauptquartier ausgezogen. Die GOR wurde beauftragt, Ben Geiben zu überwachen. Weshalb, wurde nie gesagt. Angeblich war Polizeichef Reuland bei den Vorbereitungen der Observation dabei – er dementiert dies aber. Ben Geiben wurde nur einmal observiert, am 19. Oktober 1985. Danach ist die Spur gestorben, so der Zeuge am Dienstag. Sie seien «zurückgepfiffen» worden. Und auch die Staatsanwaltschaft schien sich nicht für die Spur Geiben zu interessieren. Die Richterin fragte sich am Dienstag, ob die Piste Geiben nicht lediglich ein Ablenkungsmanöver war.

Auch über die Motive Geibens wurde gesprochen. Es wurde gemutmaßt, dass er Karriere bei der Gendarmerie machen wolle. Dieser Plan sei vereitelt worden. Deshalb habe er bei der BMG (Brigade Mobile) gekündigt.

Geiben attackiert Vogel

Dann ist es soweit. Ein nervöser Ben Geiben tritt in den Zeugenstand. Vor seiner erneuten Befragung greift der damalige Hauptverdächtige aber die Anwälte der Verteidigung an. Sie würden die Unschuldsvermutung nicht respektieren.

Wie schon bei seinen früheren Aussagen kann Geiben keine Angaben zu der Observierung machen, außer dass ihm ein Verfolgerauto in Brüssel aufgefallen ist. Er dementiert von seinem Ex-Kollegen Jos Steil oder dem stellvertretenden Generalstaatsanwalt Hary vor der Observation gewarnt worden zu sein. Auch über ein Treffen mit Jos Steil ist seine Erinnerung nur lückenhaft. Er glaubt indes Teil einer «Manipulation» gewesen zu sein und kündigt Konsequenzen an. Das von Spielmann am Montag hervorgebrachte Alibi für den Anschlag auf den Justizpalast bestätigte Geiben jedoch. Er sagte, er habe sich erst nach der Detonation aus Neugier mit seinem Freund an den Tatort begeben. Er betont, er habe ein reines Gewissen. Die BMG habe er verlassen, um ein neues Leben mit seinem Lebenspartner aufzubauen, nicht weil er homosexuell war. Auch kenne er die Bombenleger nicht. Er vermutet sie aber im Polizei-Apparat.

Am Dienstag wurde die Frage aber immer noch nicht beantwortet, wie man eigentlich auf Ben Geiben als Verdächtigen kam. Auch wurden bisher keine stichhaltigen Beweise aufgelistet, dass Ben Geiben etwas mit den Anschlägen zu tun hatte. In einem Punkt sind sich die Anwälte der Verteidigung auf jeden Fall sicher: Geiben weiß mehr als er verrät. Nächste Woche geht seine Befragung deshalb weiter.