Im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verstärken mehrere Staaten ihr militärisches Engagement in Syrien. Die australische Luftwaffe flog in der Nacht zum Samstag dort ihren ersten Einsatz als Teil der US-geführten Allianz gegen den IS. «Unsere Flugzeuge zielen nun auf Terroristenstellungen innerhalb Syriens sowie im Irak», sagte Premierminister Tony Abbott.
Nachdem Frankreich mit Aufklärungsflügen begonnen hat, sprachen sich 56 Prozent der Franzosen in einer Umfrage für eine internationale Militärintervention in Syrien aus. Auch in Belgien wird über den möglichen Einsatz von Bodentruppen debattiert. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) warnte Russland vor Alleingängen in Syrien.
Russland mit humanitärer Hilfe
In der syrischen Küstenstadt Latakia landeten am Samstag russische Transportflugzeuge. Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, die Maschinen hätten Hilfsgüter für die Einrichtung eines Zeltlagers für mehr als 1000 Flüchtlinge an Bord, etwa Betten, Öfen, Zisternen und Nahrungsmittel.
Russland ist Verbündeter des syrischen Machthabers Baschar al-Assad. Medien in den USA und Israel hatten in den vergangenen Tagen über russische Militäraktivitäten in Latakia berichtet. Es wurde spekuliert, dass Moskau die Verlegung russischer Kampfflugzeuge und Helikopter in der Küstenstadt vorbereiten könnte. Moskau hat bislang lediglich Waffenlieferungen sowie die Anwesenheit von Beratern und Militärexperten in Syrien bestätigt.
Lawrow für Zusammenarbeit mit Assad
Als «großen Fehler» bezeichnete Russlands Außenminister Sergej Lawrow die Weigerung des Westens, im Anti-Terror-Kampf mit Assad zusammenzuarbeiten. «Es ist Unsinn, die syrische Armee aus dem Kampf gegen den Islamischen Staat auszuschließen. Die wirksamste militärische Kraft in dem Land sind gerade die Streitkräfte Syriens», sagte Lawrow in einem am Sonntag ausgestrahlten Fernsehinterview. Im Westen wird jedoch weiter für eine politische Lösung des Konfliktes plädiert.
In Syrien ging die Gewalt weiter. Nahe der nordsyrischen Stadt Kobane lieferten sich Kämpfer der Terrormiliz IS am Sonntag Gefechte mit kurdischen Einheiten, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte. Östlich von Damaskus habe die syrische Luftwaffe Angriffe auf Rebellen geflogen.
Keine Bodentruppen
Zu einem Einsatz von Bodentruppen zur Erzwingung eines Friedens sind westliche Staaten bisher nicht bereit. Belgiens Verteidigungsminister Steven Vandeput sagte laut Nachrichtenagentur Belga aber: «Es ist letztlich nötig, Truppen einzusetzen, um den Frieden wiederherzustellen, sonst macht eine militärische Aktion wenig Sinn.»
Bundesinnenminister Thomas de Maizière forderte vor dem Hintergrund der Flüchtlingskrise ein entschiedeneres Vorgehen der Europäer im Syrienkonflikt. «Wir dürfen dem Morden nicht weiter zusehen», sagte der CDU-Politiker dem «Tagesspiegel» (Sonntag). Europa benötige eine sicherheitspolitische Strategie, die sich nicht «von vornherein auf Diplomatie beschränkt». Man könne die IS-Terrormiliz nicht aus der Luft besiegen und sich nicht allein auf den Kampf der kurdischen Peschmerga am Boden verlassen. Auf die Frage, ob der Westen notfalls Bodentruppen einsetzen sollte, antwortete de Maizière mit «nein».
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