Mit Brasilien verbindet Luxemburg seit Langem gute Beziehungen. In der sechstgrößten Wirtschaft der Welt – sie ist größer als die Großbritanniens – sind Luxemburger Firmen wie ArcelorMittal, Paul Wurth oder Cargolux bekannte Wirtschaftsakteure. Folgerichtig ist das Land auch Luxemburgs größter Wirtschaftspartner in Lateinamerika. Mit durchaus weiterem Potenzial, wie Außenminister Jean Asselborn am Mittwoch gegenüber dem Tageblatt betonte. Dies sowohl im Finanzbereich, wie der Besuch des Luxemburger Finanzministers Luc Frieden im Oktober letzten Jahres offengelegt habe, als auch im Handel.
Das riesige Land, von der Fläche her mit 8,5 Millionen Quadratkilometern der fünftgrößte Staat der Welt, von der Bevölkerungszahl her mit über 192 Millionen Einwohner das größte Lateinamerikas, hat natürlich zahlreiche Probleme. Die Anstrengungen der letzten Jahre, besonders bei der Bekämpfung der Armut, haben bewirkt, dass inzwischen rund 100 Millionen Brasilianer der sogenannten Mittelschicht angehören. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf liegt bei etwa 12.000 Euro.
Thema Cargolux
Bei den Gesprächen mit seinem brasilianischen Kollegen Antonio de Aguiar Patriota standen gemäß Jean Asselborn auch die Möglichkeiten eines Ausbaus der Handelsbeziehungen auf der Tagesordnung. Besprochen wurde aber auch die internationale Aktualität, allen voran die wichtigen Dossiers, die im Weltsicherheitsrat anstehen, dem Luxemburg seit Beginn des Jahres als nicht-ständiges Mitglied angehört.
Zum Teil mit der aktiven Hilfe von Brasilien, so Jean Asselborn, der das gute persönliche Verhältnis zwischen ihm und dem brasilianischen Außenminister Patriota unterstrich. Brasilien teile in vielen Punkten – Ausnahmen natürlich vorbehalten – die Ansichten der Europäischen Union und habe in vielen Dossiers ein besonderes Gespür für die Sensibilität der EU-Mitgliederländer, sagte Asselborn. Beim letzten Punkt, allerdings aus Luxemburger Sicht wohl nicht dem unwichtigsten, ging es um ein spezifisches Problem der Luxemburger Luftfrachtgesellschaft Cargolux. Oder besser gesagt ein Problem der Cargolux und des amerikanischen Flugzeugkonstrukteurs Boeing.
Das Problem Größe
Von Boeing stammt das Jumbo-Frachtflugzeug 747-8F (F für Freight). Cargolux ist dabei, seine Flotte auf dieses Flugzeug umzustellen. Insgesamt 13 Maschinen des Typs wurden bestellt. Im November wurde die sechste davon, die „City of Diekirch“, von Cargolux in Dienst gestellt. Die 747-8F sind die größten Modelle des Flugzeugherstellers aus Seattle. Bisher wurden deren 60 gebaut. Doch eben die Größe birgt das Hauptproblem. Zurzeit kann Cargolux mit der 747-8F nur den brasilianischen Flughafen Viracopos anfliegen, das größte Luftfrachtzentrum Brasiliens im Bundesstaat São Paulo. Der Anflug anderer Flughäfen, wie Manaus, der zweitgrößte Frachtflughafen des Landes, oder Recife ist momentan noch nicht möglich. Dies engt den Spielraum von Cargolux nicht nur in Brasilien, sondern in ganz Südamerika stark ein, da Cargolux von Brasilien aus in ganz Südamerika operiert.
Neben der Größe und der dafür benötigten Infrastruktur wurden auch Unklarheiten bei der Zertifizierung der Jumbos besprochen. Sein brasilianischer Amtskollege Patriote habe ihm zugesichert, so der Luxemburger Außenminister, dass seine Regierung bereit sei, eine Delegation aus Cargolux- und Boeing-Vertretern zu empfangen, um über die beschriebenen Schwierigkeiten zu sprechen und nach einer Lösung zu suchen. „Der Wille zur Hilfe ist da“, so Asselborn. Dies würde neben Cargolux auch anderen Gesellschaften zugute kommen.
Zu Demaart
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