Dienstag20. Januar 2026

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«Uns fehlt bislang der Überblick»

«Uns fehlt bislang der Überblick»
(dpa)

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Extremwetter soll in Zukunft besser vorhersagbar werden. Die Uni Luxemburg hatte dafür ein Forschungsidee eingereicht. Daraus wird jetz ein EU-Vorhaben.

Witterungsbedingte Naturkatastrophen richten schwere Verwüstungen an und kosten Zehntausende Menschen das Leben. Die Welt muss sich in Zukunft zunehmend auf extreme Wetterbedingungen wie Flutkatastrophen, Dürren und Hitzewellen einstellen. Betroffen seien vor allem weniger entwickelte Länder in Ost-, West- und Zentralafrika sowie Südostasien, heißt es in einem Bericht der britischen Royal Society, der vor zwei Monaten in London vorgestellt wurde. Im Jahr 2100 werde sich die Zahl extremer Hitzewellen im Vergleich zu heute verdreifachen. In Gefahr seien dadurch vor allem ältere Menschen über 65 Jahre. Auch die Auswirkungen auf die Landwirtschaft drohten verheerend zu werden – unter anderem werde das Arbeiten im Freien in einigen Regionen über längere Zeiträume unmöglich.

Die Uni Luxemburg will mit Universitäten und Forschungsinstituten aus der Schweiz, Deutschland und Frankreich Fluten und Dürren vorhersagbar machen. Im Rahmen der Ausschreibung zum «New ideas for Earth-relevant space applications» der EU wurden 56 Forschungsprojekte eingereicht. Vier wurden zurückbehalten, darunter eine Idee der Universität aus Luxemburg.

Satelliten und Daten

Geophysiker der Universitäten Luxemburg und Bern entwickelten ein Verfahren, wie man die Vorwarnzeit für Fluten und Dürren deutlich erhöhen könnte – eine Idee, die nun als großes EU-Projekt mit acht renommierten Partnern umgesetzt wird, heißt es am Dienstag von der Uni.

«Bei Hochwasser gehen Rettungskräfte zwar unverzüglich an die Arbeit, aber ihnen fehlt bisher aus technischen Gründen im wahrsten Sinne des Wortes der Überblick – also ein detailliertes Lagebild der Situation,» erklärt Dr. Matthias Weigelt neben Professor Tonie van Dam Mitinitiator des Projektes an der Universität Luxemburg.

Schwefelfeld und Masse

Mit Fernerkundungssatelliten soll sich das nach den Plänen aus Luxemburg in Zukunft ändern. Bislang dauerte es bis zu zwei Tage um via Kamera und Radar Übersichtsbilder und Karten aus Krisenregionen zu erstellen. Nach den Plänen aus Luxemburg sollen Satelliten schon vor Auftreten eines Hochwassers positioniert werden.

Mithilfe eines Satellitensystems zur Schwerefeldbestimmung will man die Massenveränderungen auf der Erde analysieren. Laut der Forscher aus Luxemburg, läßt die Verteilung der Massen einen direkten Einfluss auf das Schwerefeld der Erde und somit auf die Bahn der Satelliten zu. Wenn sich also in einer Region Wasser ansammelt, dort auch die Masse wächst, so verändert sich die Satellitenbahn. Minimal – in der Größenordnung eines Haares – aber messbar, heißt es. «So können wir sagen, wann und wo welcher Wasserspeicher vollläuft. Diese neuen Daten wollen wir mit vorhandenen Informationen kombinieren und damit die gezielte Katastrophenabwehr unterstützen,» erklärt Professor van Dam.

Wasserplanung für Landwirte

Damit das in der Praxis auch klappt, muß die Datenflut benutzerfreundlich werden. Derzeit dauert die Daten-Bearbeitung bis zu vier Monate. Zu lange für die Forscher der Uni Luxemburg. Sie wollen dies auf ein paar Tage reduzieren, um es als Frühwarnsystem nutzbar zu machen.

Neben der Beobachtung akuter Naturereignisse will man die gewonnen Daten auch für ein sogenanntes Ressourcenmanagement nutzen. Die Forscher wollen damit langfristig den Wassergehalt von Böden für Landwirte online einsehbar machen. Sie erhoffen sich damit, dass Bauern in Zukunkft ihre Bewässerung planen und Grundwasser schonen können.