Den Zeigefinger in die Höhe gereckt, die Schusswaffe gezückt, das Gesicht wutverzerrt - das Bild des türkischen Polizisten außer Dienst, der den russischen Botschafter in Ankara ermordete, ist Pressefoto des Jahres 2016.
Jährlich vergibt die Stiftung World Press Foto Foundation mit Sitz in Amsterdam die Auszeichnung der besten Pressefotos. Hier eine Auswahl der Preisträger 2016. (Tageblatt/Peter Dejong)
Das Welt-Pressefoto des Jahres: Burhan Özbilici drückte am 19. Dezember 2016 in Ankara auf den Auslöser, als der Attentäter gerade den russischen Botschafter Andrej Karlow erschossen hatte. (Burhan Ozbilici)
Storys über Menschen, Platz zwei: in Ibi (Provinz Alicante/Spanien) wird einmal im Jahr mit Mehl um sich geworfen. (Tageblatt/Antonio Gibotta)
Zeitgeschehen (Storys): erster Platz für dieses Bild von Jesse Jaso (12 Jahre), als er das Unity Teepee im Sacred Stone Camp betritt - Sammelplatz der Standing-Rock-Protestbewegung gegen eine Pipeline in Dakota/USA. (Tageblatt/Amber Bracken)
Sport, Kategorie Dokumentation: dritter Preis für dieses Bild von Rugbyspielerin Lindsay Hilton (am Boden, beim Tackle), die ohne Hände und Füße geboren wurde. (Tageblatt/Darren Calabrese)
Alltagsgeschichten, zweiter Preis: in der Gymnastik-Schule in Xuzhou (China) ist diese Übung (30 Minuten lang Druck auf die Zehen ausüben) Teil des täglichen Trainings. (Tageblatt/Tiejun Wang)
Zeitgeschehen (Storys), erster Preis: Ein Protestler der Standing-Rock-Bewegung bekommt Pfefferspray mit einer Magnesium-Lösung vom Gesicht abgewaschen. (Tageblatt/Amber Bracken)
Und noch einmal Valery Melnikov, der für Rossia Segodnya in der Ukraine unterwegs war: Auch Blumen, die mitten in der Straße wachsen, müssen gegossen werden. (Tageblatt/Valery Melnikov)
Naturfotos: ein erster Preis ging an dieses Bild, das eine in einem Fischernetz gefangene Schildkröte vor Teneriffa zeigt. (Tageblatt/Francis Perez)
Sport, zweiter Preis: der französische Tennis-Profi Gaël Monfils versucht einen Ball zu erreichen. (Tageblatt/Cameron Spencer)
Sport, Dokumentation, zweiter Preis: ein junger Schachspieler bei einem Turnier in Tschechien. (Tageblatt/Michael Hanke)
Natur (Storys), erster Preis: ein totes Nashorn in einer Reserve in Südafrika. Weshalb es getötet wurde, ist offensichtlich. (Tageblatt/Brent Stirton)
Burhan Özbilici selbst sagte nach der Preisübergabe, er habe damals in der Galerie in Ankara ein Verantwortungsgefühl für seinen gesamten Berufsstand gespürt. (Tageblatt/Peter Dejong)
Zeitgeschehen (Storys), zweiter Preis: die Brasilianerin Adriana badet ihren Sohn Joao Miguel, der durch das Zika-Virus an Mikrozephalie leidet. (Tageblatt/Lalo de Almeida)
Alltagsleben (Storys), zweiter Preis: in Nizhnyaya Tunguska River im extremen Norden Russlands ist das Leben teilweise nicht viel anders als vor ein paar Jahrhunderten. (Tageblatt/Elena Anosova)
Spot News (Storys), zweiter Preis: Helfer retten einen Jungen aus den Trümmern nach einem Bombenangriff in Bab al-Nairab bei Aleppo (Syrien). Der Junge überlebte. (Tageblatt/Ameer Alhalbi)
Langzeitprojekte, zweiter Preis: posieren fürs Hochzeitsfoto in Teheran. Ein Taxifahrer verrichtet derweil sein Gebet. (Tageblatt/Hossein Fatemi)
Spot News (Storys), dritter Preis: ein Flüchtling im Mittelmeer. (Tageblatt/Mathieu Willcocks)
Natur (Storys), zweiter Preis: eine Panda-Bärin mit ihrem Neugeborenen in einer spezialisierten Einrichtung in Bifengxia (Provinz Sichuan/China). (Tageblatt/amy Vitale)
Sport, dritter Preis: Usain Bolt lächelnd bei den Olympischen Spielen in Rio. (Tageblatt/kai Pfaffenbach)
Natur (Storys), dritter Preis: ohne Worte. (Tageblatt/Bence Mate)
Der Jury-Vorsitzende Stuart Franklin über das Foto von Burhan Özbilici: eine unglaublich schonungslose Aufnahme. (Tageblatt/Peter Dejong)
Kategorie Zeitgeschehen: ein Preis ging an dieses Foto einer Aktivistin bei Protesten gegen Polizeibrutalität in Baton Rouge/Louisiana. (Tageblatt/Jonathan Bachman)
Zweiter Preis in der Kategorie News (Storys): die Kämpfe um Mossul. (Tageblatt/Sergey Ponomarev)
Erster Preis in der Kategorie Langzeit-Projekte: für Rossia Segodnya war Fotograf Valery Melnikov in der Ukraine unterwegs. (Tageblatt/Valery Melnikov)
News (Unterkategorie Storys): erster Preis für Daniel Berehulak, der für die New York Times den Krieg gegen Drogen vom philippinischen Präsidenten Duterte dokumentierte. (Tageblatt/Daniel Berehulak)
Auf dem obersten Treppchen im Sport: ein Sturz beim berühmt-berüchtigten Pferderennen Grand National. (Tageblatt/Tom Jenkins)
News-Kategorie, Platz drei: die mehr als überfüllten Gefängnisse auf den Philippinen. (Tageblatt/Noel Celis)
Der AP-Fotograf Burhan Özbilici wird zufällig Zeuge des Attentats – und behält die Nerven. Er macht Fotos, die eindrücklich die Schrecken dieser bangen Minuten in einer Galerie in Ankara wiedergeben. Der Jury-Vorsitzende Stuart Franklin teilte am Montag in Amsterdam mit, das Foto von Burhan Özbilici sei eine «unglaublich schonungslose» Aufnahme.
Ein von World Press Photo Foundation (@worldpressphoto) gepostetes Foto am
Der Fotograf war am 19. Dezember 2016 in der Galerie in Ankara anwesend, als Botschafter Andrej Karlow eine Ausstellung eröffnen wollte. Ein türkischer Polizist in Zivil und außer Dienst feuerte mehrere tödliche Schüsse auf ihn ab. Der AP-Fotograf hielt das Verbrechen in einer Serie von Aufnahmen fest.
«(…) dass das eine große Geschichte war, es war Geschichte»
Özbilici sagte, sein professioneller Instinkt habe einfach eingesetzt und er habe trotz der fürchterlichen Szenerie vor ihm einfach abgedrückt. «Es war extrem heiß, als ob ich kochendes Wasser über den Kopf bekommen hätte, dann war es sehr kalt, sehr kalt», sagte der Fotograf über diese extreme Situation. «Aber gleichzeitig wusste ich, dass das eine große Geschichte war, es war Geschichte.»
Özbilici, der seit mehr als 30 Jahren als Fotograf arbeitet, tat, was er gelernt hatte. «Ich entschied mich sofort, meine Arbeit zu machen… Denn ich hätte verwundet werden oder sterben können, aber zumindest hätte ich guten Journalismus geleistet.»
45 Preise in acht Kategorien
Insgesamt hatten 5.034 Fotografen aus 125 Ländern 80.408 Fotos bei der Stiftung «World Press Foto Foundation» mit Sitz in Amsterdam eingereicht. Für 45 von ihnen gab es Preise in acht Kategorien. Die prestigeträchtigste Auszeichnung ist aber auf jeden Fall der Hauptpreis für das Presse-Foto des Jahres. Özbilici gewann auch in der Kategorie Spot News – Stories.
Sein Arbeitgeber AP zeigte sich äußert erfreut über den Erfolg. «Burhans beeindruckendes Bild war das Resultat von Können und Erfahrung, von Besonnenheit unter extremem Druck und von dem Einsatz sowie dem Sendungsbewusstsein, das AP-Journalisten weltweit ausmacht», sagte AP-Chefin Sally Buzbee. AP-Fotochef Denis Paquin würdigte Ozbilicis Arbeitseinstellung. «Burhan würde Ihnen sagen, dass er einfach seinen Job gemacht habe. Seine bescheidene Professionalität, gepaart mit seinem unglaublichen Mut, befähigte ihn dazu, diese unvergesslichen Bilder zu machen.»
Der Fotograf selbst sagte nach der Preisübergabe, er habe damals in der Galerie in Ankara ein Verantwortungsgefühl für seinen gesamten Berufsstand gespürt. Er habe die Stimmen von Journalisten aus aller Welt gehört, die ihm gesagt hätten: «Geh nicht weg. Bleib stehen».
In unserer Fotostrecke können Sie sich eine Auswahl der ausgezeichneten Fotos ansehen.
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