Schreckliches Blutbad in Syrien: Truppen des Regimes von Präsident Baschar al-Assad haben mit Kanonen und Raketenwerfern die Siedlung Taldo bei Al-Hula beschossen. UN-Beobachter, die sich am Samstag am Schauplatz in der Provinz Homs umsahen, bestätigten den Tod von 92 Menschen, darunter 32 Kinder.
Es handelte sich um eine der schlimmsten Gräueltaten des Assad-Regimes seit Ausbruch der Proteste vor 15 Monaten. Robert Mood, der Chef der UN-Beobachtermission in Syrien, sprach am Samstag vor der Presse in Damaskus von einer «brutalen Tragödie». Nabil al-Arabi, der Generalsekretär der Arabischen Liga, bezeichnete das Geschehene als «grauenhaftes Verbrechen». Das staatliche syrische Fernsehen zeigte Aktivisten-Videos von den Opfern und behauptete, die Dorfbewohner seien von «terroristischen Banden» massakriert worden.
Artilleriefeuer
Die Informationen über den massenhaften Tod der Zivilisten in Al-Hula drangen am Samstag zunächst bruchstückhaft an die Öffentlichkeit. Wie der Exil-Aktivist Ahmed Kassem der Deutschen Presse-Agentur dpa in Beirut darlegte, hätten seine eigenen Eltern, mit denen er am Samstag telefonieren konnte, das Artilleriefeuer auf Taldo nur mit viel Glück überlebt.
Seinem Bericht zufolge schlugen die ersten Granaten mitten in die wöchentliche Protestkundgebung unbewaffneter Bürger nach dem Freitagsgebet ein. Bereits dies habe ein große Zahl an Opfern gefordert. Danach hätten die Truppen die Wohnhäuser Taldos unter Feuer genommen. Hunderte Granaten und Raketen sollen niedergegangen sein. Auch das Haus von Kassems Eltern sei getroffen worden. Diese hätten überlebt, weil sie rechtzeitig Schutz im Freien gesucht hätten.
«Massaker»
Kassem widersprach auch ersten Darstellungen aus Exil-Kreisen, wonach viele Zivilisten von regimetreuen Freischärlern mit Schusswaffen und Messern niedergemetzelt worden wären. Unter Berufung auf Angaben seines Vaters erklärte er entschieden: «Ja, es ist ein neues Massaker, aber alle Opfer, alle unschuldigen Kinder wurden von den Granaten des Assad-Regimes getötet.»
Die Wirkung war nach Oppositionsangaben auch so verheerend genug. Von Aktivisten ins Internet gestellte Videos zeigten zerfetzte und blutige Leichen von Familien mit Kindern in verschiedenen Wohnräumen. Aus Angst vor weiteren Angriffen setzte eine Massenflucht aus Taldo ein. Die Menschen zögen ins Landesinnere, wie die in London ansässige syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte.
Aufklärung
Der Syrische Nationalrat forderte die Einberufung des UN-Sicherheitsrates, um die Verantwortlichen für das mutmaßliche Massaker festzustellen. Die Freie Syrische Armee (FSA) forderte die UN dazu auf, sich auf ihre Verantwortung zu besinnen und die Gewalt in Syrien zu stoppen. Täten sie dies nicht, fühle sich die FSA nicht mehr weiter an die geltende Waffenruhe gebunden, hieß es in einer Erklärung der Rebellen-Streitkraft.
Zu Demaart
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