Ein führender Manager der belgischen Sparte der Schweizer Bank UBS ist am Donnerstag von einem Ermittlungsrichter in Brüssel offiziell der Geldwäsche und der Steuerhinterziehung beschuldigt worden. Nach mehrstündigen Vernehmungen des Bankers teilte die Staatsanwaltschaft am Abend mit, der Richter habe jedoch keinen Haftbefehl gegen den Banker erlassen.
Der Ermittlungsrichter eröffnete förmlich ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, der Geldwäsche, der illegalen Ausübung des Berufs eines Finanzvermittlers sowie der «schweren organisierten Steuerhinterziehung». Die belgische Niederlassung der UBS hat nach Ansicht der Staatsanwaltschaft in den vergangenen zehn Jahren belgischen Steuerpflichtigen nicht ordnungsgemäß deklarierte Konten in der Schweiz angeboten, um Steuern in Belgien zu vermeiden.
«Mehrere Milliarden Euro»
Die finanziellen Auswirkungen der vermuteten Vergehen seien noch nicht genau abzusehen, würden aber auf «mehrere Milliarden Euro» geschätzt, so die Staatsanwaltschaft. Die Behörden wüssten seit mehreren Monaten, dass Kunden mit Hilfe von Schweizer Konten Steuern in Belgien vermeiden konnten. Ehemalige Bankmitarbeiter alarmierten die Ermittler, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft: «Es handelt sich um Leute, die entlassen wurden oder selbst kündigten, weil sie nicht mit der Funktionsweise der UBS in Belgien einverstanden warn.» Es habe sich um Compliance-Beauftragte der Bank gehandelt – also Mitarbeiter, die auf die Einhaltung von Regeln achten sollten.
Der beschuldigte Manager wies alle Vorwürfe zurück. Die UBS selbst erklärte auf Anfrage, sich voll an die Gesetze zu halten. «Die Bank toleriert keinerlei Aktivitäten, die dazu dienen, Kunden bei der Umgehung ihrer Steuerpflichten zu unterstützen.»
Zu Demaart
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