Freitag23. Januar 2026

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Theorie und Praxis liegen weit auseinander

Theorie und Praxis liegen weit auseinander
(Pierre Matge)

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Sind die Wartezeiten bei der SNCA zu lang? Transportminister François Bausch sagt "Nein". Sie hätten sich in letzter Zeit reduziert. Die Realität sieht aber anders aus, auch bei der SNCT.

Der ADR-Abgeordnete Gast Gibéryen beklagte sich kürzlich in einer parlamentarischen Anfrage über die lange Wartezeit bei der SNCA („Société nationale de circulation automobile“). Infrastrukturminister François Bausch bestätigte dann auch, dass ein Kunde, der ohne Termin bei der SNCA antritt, riskiert, länger warten zu müssen. Er betonte aber anschließend, dass große Fortschritte bei den Wartezeiten erreicht wurden und dass weitere Maßnahmen geplant seien.

Wo der Minister recht hat, hat er recht: Mit einem Termin geht es sowohl bei der SNCA wie auch bei der SNCT („Société nationale de contrôle technique“) etwas schneller, doch dass die Wartezeit (bei der SNCA – „Société nationale de circulation automobile“) im Durchschnitt nur 13 Minuten betragen soll, ist reines Wunschdenken des grünen Politikers.

In der Praxis sieht es nämlich folgendermaßen aus: Möchte man denn einen Termin bei der SNCA via Internet haben, dann sollte man doch schon zwei bis drei Wochen vorher daran denken. Gestern (wir schrieben den 8. August) hieß es zum Beispiel bei der Terminabfrage auf www.snca.lu, dass in Sandweiler der erste freie Termin am 22. August zu haben sei, und zudem nur noch zwischen 14.51 und 16.03 Uhr. Übrigens: Der allerletzte mögliche Termin ist an jedem Tag (!), ob Ferienzeit oder nicht, um 16.03 Uhr, was den Leuten, die einer geregelten Arbeit nachgehen, natürlich absolut nicht entgegenkommt.

Ein Beispiel

Beim Tochterbetrieb, der SNCT, sieht es nicht besser aus. Ganz in Gegenteil. Ein Beispiel von vielen: Ein Fahrzeughalter wird Anfang Juli per Schreiben darüber informiert, dass sein technischer Fahrzeugschein am 23. August abläuft. Er sollte sich also einen Termin bei der SNCT besorgen. So weit, so gut.

Der Fahrzeughalter bucht am gleichen Tag noch einen Termin auf www.snct.lu. Der nächstmögliche Termin war der 5. August. Mitte Juli wird ihm von seinem Vorgesetzten mitgeteilt, dass er am besagten 5. August beruflich im Ausland weilen wird. Wenige Tage später, es war der 22. Juli, tippt er erneut snct.lu auf der Tastatur seines Computers, um seinen Termin für die technische Kontrolle zu ändern. Der gute Mann staunte nicht schlecht, als das Computerprogramm der SNCT ihm mitteilte, dass der nächstmögliche Termin erst am 9. September verfügbar sei. „Wie bitte? Die nächsten 49 Tage bereits restlos ausgebucht?“

Er wählte daraufhin die Telefonnummer der SNCT. Was er nicht so recht wahrhaben wollte, wurde ihm nun bestätigt. „9. September, jawohl!“ Und auf die Bemerkung seinerseits, sein technischer Fahrzeugschein würde aber bereits am 23. August auslaufen, kam die Antwort: „Tja, dann dürfen Sie eben vom 23. August bis zum 9. September ihr Fahrzeug nicht benutzen, außer eben für den Weg zur Kontrollstation.“

Ausweichen auf andere Stationen

Das ist die Realität. Versuchen Sie es doch selbst. Hätten Sie gestern, also am 8. August, einen Termin bei der SNCT angefragt, hätte das Programm ihnen mitgeteilt, dass dies in Sandweiler vor dem 14. September nicht möglich sei. Einen Trost gab es: In Esch/Alzette ging es dann doch schon einen Tag, in Wilwerwiltz sogar zwei Tage früher.

Schönreden, liebe verantwortliche Beamte und Politiker, hilft hier absolut keinem, weder den gestressten Beamten der SNCA oder SNCT noch den Kunden, die gezwungenermaßen diese Kontrollorgane aufsuchen müssen.