Eine Rakete schlug am Eingang der Klinik ein und zerstörte Teile des Gebäudes, meldet ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP aus Chan Scheichun. Im Inneren der Klinik kämpften Ärzte zu diesem Zeitpunkt um das Überleben zahlreicher Opfer des zuvor erfolgten Luftangriffs, bei dem nach Angaben von Aktivisten Giftgas eingesetzt wurde. Der Reporter beobachtete, wie Ärzte wegen des Raketenangriffs zwischen den Trümmern die Flucht ergriffen.
Ob es durch den Raketenbeschuss weitere Verletzte oder Tote gab, konnte er zunächst nicht feststellen. Der Luftangriff wurde am Morgen bekannt, die Angaben der Beobachtungsstelle für Menschenrechte über die Zahl der Todesopfer stiegen rasch von 18 über 35 auf 58. Zuletzt wurde die Zahl der getöteten Kinder mit elf angegeben. Darüber hinaus gebe es dutzende Verletzte. Die Beobachtungsstelle erklärte, die Überlebenden zeigten typische Symptome von Giftgas-Opfern wie Atemnot, Ohnmachtsanfälle, Übelkeit und Schaum vor dem Mund.
Unklar, welches Gift eingesetzt wurde
Aufnahmen aus der Klinik zeigten Rettungskräfte der syrischen Weißhelme, die Verletzte mit Wasser abwuschen. Laut Beobachtungsstelle war unklar, ob der Angriff von syrischen oder russischen Kampfjets geflogen wurde. Die Stelle äußerte sich nicht dazu, welches Gift bei dem Angriff eingesetzt wurde. Die Organisation, die den bewaffneten Rebellen nahesteht, stützt sich auf ein Netz von Informanten in Syrien. Von unabhängiger Seite sind ihre Angaben nur schwer zu überprüfen.
Die Provinz Idlib wird zu großen Teilen von einem Rebellenbündnis kontrolliert, das vom ehemaligen Al-Kaida-Ableger Al-Nusra-Front angeführt wird. Die Gruppe trägt mittlerweile den Namen Fateh al-Scham. Im Syrien-Konflikt haben sowohl die Regierung als auch die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bereits Giftgas eingesetzt, wie eine Untersuchungskommission der UNO in einem Bericht festhielt. Neue Sanktionen gegen Damaskus wegen des Einsatzes von Giftgas scheiterten Ende Februar im UN-Sicherheitsrat am Veto Russlands und Chinas.
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