Die Cargolux ist gerettet, vorerst zumindest, so viel steht fest. Die Abkommen, welche Zhengzhou mit deutschen Frachtflughäfen abschließt, lassen jedoch Schlimmeres für den Cargo-Standort Findel
befürchten.
Seit das Tageblatt am Dienstagabend darauf hinwies, dass der Flughafen Zhengzhou sich anschicke, einen Kooperationsvertrag mit Frankfurt-Hahn zu unterschreiben, hat sich ein neues befremdliches Szenario, in erster Linie nicht unbedingt für Cargolux, sondern für den gesamten Luftfracht-Standort Luxemburg ergeben.
Abkommen Flughafen Leipzig/Halle
Das Befremden ist am Donnerstag nur noch gestiegen, als Zhengzhou ein ähnliches Abkommen mit der Mitteldeutschen Airport-Holding in die Wege geleitet hat. Diese betreibt den Flughafen Leipzig/Halle – den fünftgrößten europäischen Fracht-Airport.
Ob diese beiden Kooperationsabkommen die einzigen zwischen Zhengzhou und einem Konkurrenz-Flughafen zu Luxairport sein werden, ist zu diesem Zeitpunkt ungewiss. Die beiden Flughäfen in Deutschland haben im Gegensatz zum Findel jedenfalls eine 24-Stunden-Betriebsgenehmigung.
Es stellt sich demnach die Frage, ob die Verhandlungsführer, welche 35 Prozent der staatlichen Anteile an HNCA verkauft haben, mit den Autoritäten aus Henan zumindest für einen mittelfristigen Zeitraum ein „non-compete agreement“ eingegangen sind, das auch den Standort Luxemburg absichert.
Direkte Konkurrenz
Dadurch stellt sich auch die Frage, ob der Plan, sich mit HNCA zu vermählen, der vor nicht mal gerade einem Jahr im Nachhaltigkeitsministerium unter der Ägide des ehemaligen CSV-Ministers Claude Wiseler entworfen wurde und quasi zum Abschluss gekommen ist, nicht auf Kosten des Luftfracht-Standortes abgeschlossen wurde. Die Überraschung, die momentan bei allen Akteuren in Luxemburg herrscht, welche mit dem Tageblatt sprachen, lässt jedenfalls darauf schließen.
Es zeichnet sich ein Szenario ab, das für den Standort schlimmer nicht sein könnte. Die Dual-Hub Strategie für Cargolux mag zwar weiter stimmen. Aber während die Tinte unter dem Vertrag zwischen dem Staat und HNCA noch nicht getrocknet ist, stellt die Provinz Henan den Flughafen Findel in direkte Konkurrenz zu Frankfurt-Hahn und dem Airport Leipzig.
Hauptsache Europa
Den Chinesen aus Henan kann es eigentlich egal sein, wo ihre Fracht nach Europa hingeflogen wird. Hauptsache, sie kann zu niedrigen Preisen auf einem logistisch günstigen Umschlagplatz während des ganzen Tages abgefertigt werden.
Diese Entwicklung dürfte sich in ein paar Jahren, wenn die Provinz Henan mit Hilfe von Cargolux eine eigene Airline aufgebaut haben wird und dann auch endlich ordentlich Fracht in Zhengzhou abgefertigt werden kann, noch weiter potenzieren.
War das die Intention hinter dem Wiseler-Plan, oder haben sich die Verhandlungsführer des Staates mit HNCA und die Verantwortlichen aus dem Nachhaltigkeitsministerium von den Chinesen ausbooten lassen?
Eine Situation, welche doch stark an das Drama mit Qatar Airways erinnert …
Zu Demaart
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