Eingangs der Sitzung von Dienstag informierte Generalstaatsanwalt Robert Biever das Gericht über ein Schreiben aus dem Jahr 2008. Darin sei nachzulesen, dass Marco Mille den Staatsanwalt übe eine mögliche Beziehung zwischen Stay Behind und den Attentaten informierte. Biever hielt die Spur für unwahrscheinlich.
Laut Ermittler Carlo Klein, der am Dienstag erneut im Zeugenstand gerufen worden war, hätten die verschiedenen Polizeimitglieder, die im Zusammenhang mit den Bombenanschlägen befragt wurden, Geiben nie als Verdächtigen angesehen hätten. Man hätte die Information über Geiben von BMG-Mitglied Jos Steil bekommen.
Nix hören, nix sehen, nix sagen
Einer der führenden Polizisten gab bei den Vernehmungen jedoch zu, dass es auch einen Informationsaustausch mit dem Srel über Geiben gegeben habe. An Details kann sich keiner mehr erinnern. Auch was etwaige Mittäter anbelangt, konnte der Polizei-Offizier Guy Stebens keine Angaben machen. Es hätte nur ein kleiner, auserlesener Kreis Zugang zu den Informationen gehabt, sagte er damals bei seiner Befragung. Auch wisse man nicht, wer Geibens Observierung angeordnet hat, noch kenne man die Namen der Srel-Agenten, die in Kontakt mit den Beobachtern standen.
Ermittler Klein äußerte am Dienstag den Verdacht, die damals verhörten Zeugen hätten sich untereinander abgesprochen. Er beklagte, dass Observationen angeordnet und Berichte verfasst wurden, sich aber nie jemand an etwas erinnern konnte und nachher viele Unterlagen verschwunden seien.
Kollektive Amnesie
Die damaligen widersprüchlichen Aussagen von Gendarmerie-Offizier Guy Stebens, auch was die Observierung zwischen dem 19. und 20. Oktober 1985 betrifft, wurden am Dienstag von der Staatsanwaltschaft scharf kritisiert. Am 19. Oktober 1985 war ein Sprengsatz am alten Justizpalast hochgegangen. Auch Richterin Sylvie Conter ist über die «Unwissenheit» des Beamten sehr verwundert. Sie mutmaßt, dass «bewusst» geschwiegen wurde. Auch der Nachfolger Geibens an der Spitze der BMG, der spätere Polizeichef Pierre Reuland, brachte die Ermittlungen nicht weiter. Aber wie bei Stebens gibt es auch hier Widersprüche. Er soll nie mit den Ermittlern gesprochen haben, sondern nur mit der Untersuchungsrichterin. Er habe nie mit Stebens über die Affäre geredet, sagte er den Ermittlern. Über die Observationen Geibens wisse er auch nichts. Aber er wusste, wo Geiben sich in der Nacht vom 19. zum 20. Oktober 1985, als die Bombe im Gericht explodierte, aufhielt.
Reuland soll auch bei einer Abschiedsfeier 2006 gesagt haben, er werde sich während den Vernehmungen an nichts mehr erinnern. Die Affäre müsse abgeschlossen werden, damit die Polizei wieder zur Ruhe komme. Auch versuchte er die Ermittler einzuschüchtern indem er ihnen riet sich einen anderen Job innerhalb der Polizei zu suchen. Staunen bei der Richterin. Reulands damals offen bekundete Amnesie war eine der Ursachen für seine Entlassung als Polizeigeneraldirektor 2008.
Durch Zufall involviert?
Für Staunen sorgte unter anderem auch die Aussage des Ermittlers, dass zwei Geschäftspartner von Ben Geiben «durch Zufall» in die Ermittlungen gegen den Ex-BMG-Chef gerutscht seien. Warum?
Es wird gemutmaßt, dass der ehemalige Minister Emile Krieps (DP) seine Hand schützend über Geiben hielt. Ermittler Klein sagte am Dienstag, er habe Geiben wegen politischen Affinitäten (DP) und einer Familienfreundschaft beschützt.
Der Ermittler brachte auch wieder die Meinungsverschiedenheiten innerhalb der BMG zur Sprache. Jos Steil, der Mann, der die Ermittler mit Informationen über Geiben versorgte, und Geiben-Nachfolger Reuland sollen sich nicht grün gewesen sein. Stebens sollte Steil ersetzen, als dieser aus «gesundheitlichen» Gründen versetzt wurde. Reuland war bei seinen Kollegen nicht beliebt. Einige BMG-Mitglieder, darunter die beiden Angeklagten, wollten die Einheit verlassen.
Zu Demaart
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