Der griechische Regierungschef wollte am Freitag bei dem etwa einstündigen Gespräch Merkel um Aufschub bei den Sparvorgaben für sein krisengeschütteltes Land bitten. Danach reist er nach Paris, wo er an diesem Samstag bei Frankreichs Präsident François Hollande um Entgegenkommen werben will. Mit Entscheidungen wird aber noch nicht gerechnet. Am kommenden Mittwoch erwartet Merkel den italienischen Ministerpräsidenten Mario Monti in Berlin.
Merkel und Hollande hatten am Donnerstagabend bei einem Treffen im Kanzleramt ihre Marschroute abgestimmt. Beide forderten Athen auf, am Reformkurs festzuhalten. Es sei wichtig, dass alle zu ihren Verpflichtungen stünden, sagte Merkel. Auch Hollande hatte an Athen appelliert, die nötigen Anstrengungen zu unternehmen.
Zeit-Aufschub bei Reformen
Samaras hofft, dass sein Land das EU-Defizitziel von drei Prozent der Wirtschaftsleistung erst 2016 erfüllen muss – und damit zwei Jahre später als von den Geldgebern der «Troika» aus Internationalem Währungsfonds (IWF), Europäischer Zentralbank (EZB) sowie EU-Kommission vorgegeben. Deutschland und Frankreich wollen erst den «Troika»-Bericht abwarten, bevor Entscheidungen über das weitere Vorgehen fallen. Der Bericht wird im September erwartet.
Das deutsche Bundesfinanzministerium bestätigte, dass sich ein Arbeitskreis seit mehr als einem Jahr mit der Staatsschuldenkrise befasst und auch die Folgen einen möglichen Griechenland-Austritts aus der Euro-Zone prüft. Die Bürger erwarteten zurecht, dass sich die Regierung mit allen Szenarien beschäftige, «egal wie äußerst unwahrscheinlich sie auch sein mögen», betonte Sprecher Martin Kotthaus.
Gefahr für Spanien und Italien
EU-Parlamentspräsident Martin Schulz warnte vor einem Dominoeffekt für den Fall, dass die Stabilisierung Griechenlands nicht gelingen sollte. «Fällt Griechenland, geht die Spekulationswelle gegen Italien und Spanien erst richtig los», sagte er der «Passauer Neuen Presse».
Zu Demaart
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