Die Türkei hat Russland den Versuch ethnischer Säuberungen in Syrien vorgeworfen. Russland nehme bei seinen Luftangriffen in der nordsyrischen Region Latakia Turkmenen und Sunniten ins Visier, sagte Ministerpräsident Ahmed Davutoglu am Mittwoch in Istanbul. Dies könne viele Millionen Menschen zur Flucht zwingen. «Russland versucht ethnische Säuberungen im nördlichen Latakia zu bewerkstelligen», sagte Davutoglu.
Zugleich rief Davutoglu erneut zur Bildung einer Sicherheitszone in Syrien auf. Dort sollten Vertriebene Zuflucht finden, damit es keine weiteren Flüchtlingswellen gebe, sagte er. Die Beziehungen zwischen Ankara und Moskau sind äußerst gespannt, seit die Türkei im November im türkisch-syrischen Grenzgebiet einen russischen Bomber abgeschossen hatte. Nach türkischen Angaben war er in den türkischen Luftraum eingedrungen und hatte Warnungen ignoriert. Russland bestreitet das.
Moskau reagiert
Russland hat Ende September aufseiten der syrischen Regierung in den Bürgerkrieg eingegriffen. Nach eigener Darstellung bombardiert seine Luftwaffe die Terrormiliz Islamischer Staat. Die Türkei und der Westen werfen Russland jedoch vor, auch gemäßigte Regierungsgegner zu attackieren.
Der russische Aussenminister Sergej Lawrow reagierte auf die Vorwürfe Davutoglus, indem er seinerseits der Türkei vorwarf, IS-Terroristen zu unterstützen. Unter anderem würden mit dem Wissen Ankaras verletzte Kämpfer in der Türkei medizinisch versorgt, sagte Lawrow der Agentur Interfax.
Davutoglu verteidigte auch das Vorgehen der Türkei im Irak. Die Stationierung zusätzlicher Soldaten in der Region Mossul sei ein Akt der Solidarität im Kampf gegen den IS. Diese sollten Militärausbilder schützen. Die irakische Regierung hatte die Türkei am Sonntagabend aufgefordert, die zusätzlichen Truppen binnen 48 Stunden abzuziehen. Ankara bekämpft im Nordirak auch kurdische Rebellen, die es für Anschläge in der Türkei verantwortlich macht.
Lesen Sie auch:
Zu Demaart
Sie müssen angemeldet sein um kommentieren zu können