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Riga und Umeå buhlen um Aufmerksamkeit

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Guckt doch mal her! Hier oben! Weit im Norden Schwedens buhlt 2014 die Studentenstadt Umeå um die Aufmerksamkeit Europas. Gemeinsam mit Lettlands Hauptstadt Riga präsentiert sich Umeå als Europäische Kulturhauptstadt.

Um die Stadt Umeå weit im Norden Schwedens auf der Landkarte zu entdecken, muss man schon gezielt hingucken. Mit dem Auto dauert die Reise von der Hauptstadt Stockholm aus durch dichte Wälder sechseinhalb Stunden. Obwohl sie sich «größte Stadt Nord-Skandinaviens» nennt, zieht die Studentenhochburg nicht gerade viel internationales Augenmerk auf sich. Das soll 2014 anders werden, wenn sich Umeå gemeinsam mit Lettlands Hauptstadt Riga als Europäische Kulturhauptstadt präsentiert.

15 Prozent mehr Gäste als sonst wünschen sich die Organisatoren von «Umeå2014». 150.000 bis 200.000 Besucher sollen zu den 300 Veranstaltungen des Kulturhauptstadtjahres kommen. Das soll Umeås junge und studentische Seite zeigen, aber auch ein «Fenster zur Sami-Kultur» sein. «Die Samen sind die einzigen Urvölker Europas und spielen eine wichtige Rolle in Umeå und Nordschweden», sagt Sprecherin Marit Andersson. Die Stadt in der Natur ist Winterweideort der Rentiere und für die Samen ein zentraler Ort.

«Force Majeure» in Riga

Zum Jahreswechsel gibt es in Riga gleich zweifachen Grund zum Feiern: Lettland wird 2014 das 18. Mitglied der Eurozone und die lettische Hauptstadt selbst übernimmt zusammen mit Umeå in Schweden den Titel der Europäischen Kulturhauptstadt. Das Festjahr in der alten Hansestadt Riga, deren Altstadt zum Unesco-Weltkulturerbe gehört und die berühmt ist für ihre unzähligen Jugendstilbauten, steht unter dem Motto «Force Majeure» (Höhere Gewalt). Es ist – typisch lettisch – stark musikalisch ausgerichtet und umfasst gut 200 Kulturprojekte und Veranstaltungen. «Wir wollen Kultur als positive Kraft präsentieren und ihre Rolle in Europa stärken», sagt Programmdirektorin Aiva Rozenberga. Das in sechs Themenbereiche unterteilte Programm reicht von kulturhistorischen Ausstellungen über Konzerte, Chor-Feste und Opern bis hin zu Mitmach-Aktionen und einer großen Sonnenwendfeier. Der Etat für das Kulturjahr beträgt nach Angaben der Organisatoren 24 Millionen Euro.

Die Erwartungen sind hoch: Der Status als Kulturhauptstadt biete Riga «die Chance, die besondere Rolle der lettischen Kultur in Europa aufzuzeigen, die touristische Entwicklung zu befördern und den internationalen Einfluss der Stadt zu erhöhen», heißt es auf der Webseite von Staatspräsident Andris Berzins. Er hat die Schirmherrschaft für Riga 2014 übernommen hat. Eröffnet wird das Kulturhauptstadtjahr vom 17. bis 19. Januar 2014. Im Mittelpunkt steht eine symbolische Massenaktion – eine lebende Bücherkette in Anlehnung an den Baltischen Weg 1989. Damals säumten mehr als eine Million Menschen vom estnischen Tallinn über Riga bis ins litauische Vilnius die Straßen, um für ihre Freiheit zu demonstrieren.

Die Letten sind ein singendes und lesendes Volk. Dies ist wirklich etwas, das sich über Generationen bewahrt hat und weitergegeben wird», sagt Rozenberga. Deutlich werden dürfte die Sangesfreude insbesondere bei einem Chor-Fest mit mehr als 20 000 Sängern aus fast 90 Ländern.

Studenten und Sami

Dreh- und Angelpunkt des Kulturhauptstadtjahres im Norden ist der samische Kalender, der nicht vier, sondern acht Jahreszeiten umfasst: Pflege, Erwachen, Rückkehr, Wachstum, Besinnung, Ernte, Verlangen und Reise. «Der Sami-Kalender orientiert sich an der Wanderung der Rentiere», sagt Anne Wuolab. Sie gehört zum Volk der Samen und koordiniert den Sami-Teil des Eröffnungswochenendes. «Wir wollen etwas über das langsame Leben erzählen, das die Sami leben», in Einklang mit der Natur, sagt sie. Acht Ausstellungen mit Werken von Sami-Künstlern sollen über das Jahr verteilt einen Einblick in Alltag und Lebensweise der Samen vermitteln. Zu Umeås jährlicher «Sami-Woche» im März wollen die Schweden größer auffahren als sonst. Am Eröffnungswochenende (31. Januar bis 2. Februar 2014) können Gäste auf dem Rathausplatz eine Sami-Hütte in einer Schneelandschaft besuchen. «Das wird eine Art Informationskampagne in Gang setzen», sagt Anne Wuolab.

Daneben planen die Schweden ein Programm, das den pulsierenden Strom von Einflüssen in der jungen Stadt widerspiegelt: Von rund 117.000 Einwohnern ist nahezu jeder Dritte Student. Ein Jugendfußballturnier, ein gigantisches Picknick und etliche Festivals von Jazz über Film und Tanz bis hin zu einem Zirkus- und einem Mitternachts-Tango-Festival sind in das Programmheft von Umeå2014 aufgenommen, das sich ständig weiterentwickeln soll.

Seine «Crossover-Kultur» mache Umeå so besonders, meinen die Organisatoren. So bekommen die Zuschauer in der Norrlandsopera bei weitem nicht nur Opern zu sehen. Dort steigen auch Rockkonzerte oder Performance-Kunst. In Umeå darf (fast) alles zusammengehen: Lichterfest und LAN-Nacht, Horror-Theater und Heavy Metal. Umeå ist Heimatstadt der Hardcore-Punkband «Refused» und der Rockgruppe «The (International) Noise Conspiracy».

Luxemburg war 2007 gemeinsam mit der rumänischen Stadt Sibiu Kulturhauptstadt Europas.