Donnerstag29. Januar 2026

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Ratte im Hammelfleisch

Ratte im Hammelfleisch
(dpa)

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Ratten und Füchse im Hammelfleisch. Seit im März in einem Fluss in Shanghai tausend Schweinekadaver entdeckt wurden, haben die chinesischen Behörden zahlreiche Fleischskandale aufgedeckt.

Chinas Justiz geht nach einem öffentlichen Aufschrei über eine Serie von Lebensmittelskandalen in die Offensive: Das Oberste Gericht veröffentlichte am Freitag einen Richtlinienkatalog zur härteren Bestrafung bei Verstößen gegen Lebensmittelvorschriften. Demnach soll der Verkauf übermäßig mit Chemikalien versetzter Nahrungsmittel ebenso als Verbrechen eingestuft werden wie das Verfälschen von Babynahrung. Derweil nahm die Polizei mehr als 900 Verdächtige in einem Fleischskandal fest.

Das chinesische Strafrecht verbietet zwar den Handel mit unsicheren oder giftigen Lebensmitteln, benennt jedoch nicht genau, welche Handlungen als Gesetzesverstoß gelten. Der Oberste Richter Pei Xianding zeigte sich zuversichtlich, dass etwaige Lücken nun geschlossen sind. «Wir hoffen, dass sich diese Erklärungen als starkes Werkzeug für Polizei und Justizbehörden erweisen werden», sagte er. Mit Strafverfolgung müssen künftig auch nachlässige Lebensmittelinspekteure rechnen.

Kein Ende in Sicht

Seit Jahren sorgen Lebensmittelskandale in China für Empörung in der Bevölkerung. Aufsehen erregten etwa Fälle um mit Industriechemikalien kontaminierte Milch oder Färbemittel in Eiern. Effektive Maßnahmen zur Säuberung der Produktionskette blieben in China bislang aus, ein Ende der Skandale scheint nicht in Sicht.

Ein Pekinger Anwalt von Opfern des Milchskandals übte indirekt Kritik an der jüngsten Initiative der Justiz. Die Richtlinien seien eher als politisches Statement denn als Justizdokument zu verstehen, sagte Li Fangping. Schließlich reichten die bestehenden Gesetze bei Verstößen gegen die Lebensmittelsicherheit aus. «Das Ganze ist eine Reaktion auf die weitverbreitete Unzufriedenheit», fügte er hinzu.

900 Festnahmen

Unterdessen wurden wegen des Verkaufs von falsch ausgewiesenem oder manipuliertem Fleisch mehr als 900 Menschen festgenommen. Die Verdächtigen verkauften offenbar Fleisch, dass mit Wasser gepanscht war, um das Gewicht zu erhöhen, wie die Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Überdies sollen sie Fleisch von Ratten und Füchsen als Hammelfleisch ausgewiesen haben. Seit Januar haben die Behörden dem Bericht zufolge mehr als 380 derartige Fälle aufgedeckt und 20 000 Tonnen Fleisch beschlagnahmt.