Ungeachtet der internationalen Empörung über einen blutigen Angriff auf eine Reihe von Dörfern im Zentrum des Landes haben syrische Regierungstruppen nach Angaben von Aktivisten am Sonntag mehrere Wohngegenden in dem Gebiet unter Beschuss genommen. Davon betroffen seien Teile der Stadt Hama und die von Rebellen gehaltene Ortschaft Rastan, teilten die örtlichen Koordinationskomitees und das Syrische Observatorium für Menschenrechte mit.
Beide Aktivistengruppen meldeten am Sonntag zudem Gefechte zwischen Regierungssoldaten und Rebellen in Hama und Harasta, einem Vorort der Hauptstadt Damaskus. Auch in Midan, einem Bezirk von Damaskus, habe es Kämpfe gegeben.
Anschläge in Damaskus
Unterdessen kamen bei einer Bombenexplosion in Damaskus laut Aktivisten mehrere Menschen ums Leben. Die Bombe habe ein Sicherheitsfahrzeug im gehobenem Stadtteil Masse erfasst, teilten das Syrische Observatorium für Menschenrechte und die Örtlichen Koordinationskomitees am Sonntag mit. Wie die Koordinationskomitees mitteilten, ereignete sich die Explosion nahe einem Militärflughafen in der Gegend. Auf einem Video, das von Aktivisten ins Internet gestellt wurde, war offenbar dichter schwarzer Rauch über Masse zu sehen.
Damaskus gilt als eng kontrolliert von Truppen des syrischen Regimes. Bei Bombenexplosionen in der Stadt kamen in den vergangenen Monaten Dutzende Menschen ums Leben. Die meisten Anschläge galten Einrichtungen der syrischen Sicherheitsbehörden.
Rebellen erklären Annan-Plan für tot
Nach dem Massaker in Hula haben die Rebellen genug, sie setzten nicht mehr auf Verhandlungen mit dem Assad-Regime. Die Freie Syrische Armee (FSA) erklärte den Annan-Plan kurzerhand für tot. «Das Massaker ist der eindeutiger Beweis, dass der Annan-Plan tot ist. Assad und sein kriminelle Bande verstehen nur die Sprache der Gewalt», wird der FSA-Sprecher Qasim Saad Eddine auf «CNN»» zitiert.
«Keine weiteren Initiativen, keine Versprechen, keine weiteren Resolutionen», so Eddine. Ein weiterer hoher FSA-Führer fordert die Rebellen zur Gegenwehr auf: «Wir rufen unsere Kämpfer, Soldaten und Revolutionäre auf, militärische Schläge gegen die Assad-Truppen und Regimemitglieder zu planen und durchzuführen.»
Damaskus macht Regimegegner für Massaker verantwortlich
Die syrische Regierung wies am Sonntag die Verantwortung für den Angriff auf eine Reihe von Dörfern von sich, bei dem am Freitag mehr als 90 Menschen ums Leben kamen. Syrien sei einem «Tsunami aus Lügen» unterworfen, die der Regierung die Schuld zuschöben, sagte der Sprecher des syrischen Aussenministeriums, Dschihad Makdissi, bei einer Pressekonferenz. Stattdessen seien der Regierung feindlich gesinnte Bewaffnete für das Massaker verantwortlich. «Wir bestreiten kategorisch die Verantwortung von Regierungstruppen für das Massaker», sagte Makdissi.
Es sei ein Ausschuss mit der Untersuchung des Vorfalls beauftragt worden, sagte der Sprecher weiter. Ergebnisse würden innerhalb der nächsten drei Tage erwartet. Er fügte hinzu, dass der UN-Sondergesandte Kofi Annan am Montag in Syrien erwartet werde.
32 Kinder ermordet
Der Angriff in Hula galt als eines der blutigsten Ereignisse seit Beginn des Aufstands in Syrien vor 15 Monaten. UN-Beobachter zählten bei ihrem Eintreffen in Hula mehr als 92 Tote, darunter mindestens 32 Kinder unter zehn Jahren. Laut Aktivisten griffen am Freitag zunächst Regierungstruppen die Ansammlung von Ortschaften nordwestlich der belagerten Stadt Homs an, dann stürmten regierungstreue Kriminelle die Ortschaften, überfielen Häuser und töteten Zivilisten.
«Diejenigen, die Gewalt für die Durchsetzung ihrer Agenda nutzen, werden mehr Instabilität, mehr Unberechenbarkeit schaffen und das Land möglicherweise in einen Bürgerkrieg führen», warnte der Leiter der UN-Beobachtermission, General Robert Mood.
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