Sonntag18. Januar 2026

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Pekings Bürgermeister tritt zurück

Pekings Bürgermeister tritt zurück

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Zu spät, zu langsam, zu unkoordiniert: In Peking machen die Bürger seit Tagen im Internet ihrem Ärger über das Katastrophenmanagement nach dem Rekord-Regen Luft. Nun trat der Bürgermeister der Millionenmetropole zurück.

Drei Tage nach den verheerenden Unwettern in China mit mindestens 95 Toten ist Pekings Bürgermeister Guo Jinlong zurückgetreten. Wie staatliche Medien am Mittwoch berichteten, räumte auch Vize-Bürgermeister Ji Lin seinen Stuhl. Zuvor hatte es heftige Kritik aus der Bevölkerung am Krisenmanagement der Behörden in der Hauptstadt gegeben.

Die beiden Männer behalten allerdings ihre wichtigsten Posten: Guo (64) bleibt Chef der Kommunistischen Partei in Peking, Ji Lin sein Stellvertreter. Guo war erst Anfang Juli für dieses Amt ernannt worden, so dass damit zu rechnen war, dass er früher oder später den Bürgermeisterposten aufgeben würde.

37 Tote und 7 Vermisste

Bei den schweren Regenfällen und den dadurch verursachten Überschwemmungen waren am Wochenende allein in der chinesischen Hauptstadt mindestens 37 Menschen ums Leben gekommen. Sieben weitere werden dort noch vermisst. In Internetblogs kamen Spekulationen auf, die Opferzahl in der Millionenmetropole sei höher als offiziell angegeben. Dies wies eine Sprecherin der Stadtverwaltung zurück. Es werde nichts verborgen, sagte sie mit tränenreicher Stimme.

Der Stadtverwaltung wird vorgeworfen, nicht rechtzeitig vor den Unwettern gewarnt und dann die Rettungsarbeiten zu zögerlich eingeleitet zu haben. Peking hatte die schlimmsten Regenfälle seit 61 Jahren erlebt. Erst acht Stunden nach Beginn des Unwetters sei aber eine Sturmwarnung per Handy-Kurztext an die Bevölkerung geschickt worden, hieß es.

Überlastetes Mobilfunknetz?

Der Meteorologische Dienst machte dafür das überlastete Mobilfunknetz verantwortlich: Mehr als 95 Prozent der 20 Millionen Einwohner hätten ein Handy, dies führe zu Verzögerungen beim Verschicken von SMS. Ein Mobilfunkbetreiber wies das zurück. Für diesen Donnerstag gaben die Behörden nun eine Warnung vor neuen Unwettern und Erdrutschen heraus.

Im Internet ist auch ein Video im Umlauf, das unbestätigten Berichten zufolge eine Familie im Pekinger Außenbezirk Fangshan zeigt, wie sie den toten Sohn aus den Trümmern eines eingestürzten Hauses gräbt. «Wir haben die Polizei gerufen, aber es hat sich niemand um uns gekümmert. Wer zum Teufel kümmert sich um uns?», schreit der Bruder des Opfers in die Kamera.