Sonntag1. Februar 2026

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«Noch mehr Angst als zuvor»

«Noch mehr Angst als zuvor»
(Sebastien Nogier)

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Nach dem Absturz in den Alpen der Germanwings-Maschine wird es Menschen mit Flugangst sicher noch schwerer fallen in einen Flieger zu steigen. Dr. Charles Pull, Psychiater am CHL, erklärt warum.

Im Zusammenhang mit der Flugkatastrophe in den Alpen, stellen sich nun bestimmt viele Passagiere Fragen was die Sicherheit an Bord von großräumigen Jets betrifft. Wie am Donnerstag bekannt wurde, soll der Co-Pilot die Germanwings-Maschine absichtlich gegen die Felswand gesteuert haben. Viele Reisende werden möglicherweise bevor sie einen Flieger besteigen diese Katastrophe vor Augen haben. In diesem Zusammenhang hat sich Tageblatt.lu mit Dr. Charles Pull, Psychiater am „Centre hospitalier de Luxembourg“, unterhalten.

Tageblatt.lu: «Denken Sie, dass Reisende, die nie zuvor unter Flugangst gelitten haben, nun nach dem Germanwings-Crash welche entwickeln?»

Dr Charles Pull: «Nein, nicht unbedingt. Allerdings dürften Reisende mit Flugangst und Menschen, die sich bislang noch nicht in ein Flugzeug getraut haben, jetzt noch weit mehr Angst vorm Fliegen haben als zuvor. »

«Warum ist die Angst vor einem Flugzeug größer als vor anderen Verkehrsmitteln?»

«Flugangst vereint mehrere Ängste: Angst vor einem Crash, Angst vor einem geschlossenen Raum, Höhenangst, Angst vor Panikattacken, und vor allem die Angst, rein gar nichts unter seiner Kontrolle zu haben. In einem Zug besteht immerhin noch die Möglichkeit, die Notbremse zu ziehen.»

«Sie haben vor einigen Jahren Kurse gegen die Flugangst angeboten. Gibt es Statistiken wie viele Menschen in Luxemburg eigentlich Flugangst haben? «

«Zahlen für Luxemburg sind mir nicht bekannt. Internationalen Studien zufolge haben etwa 10 Prozent der Menschen so viel Angst vom Fliegen, dass sie sich weigern in ein Flugzeug zu steigen. Weitere 10 bis 15 Prozent haben mehr oder weniger große Angst vorm Fliegen, bringen es jedoch fertig, wenn es denn sein muss, eine Flugreise zu unternehmen.»

«Warum ist es heute schwieriger sich mit dem Tod eines Familienangehörigen auseinanderzusetzen als noch vor 20 Jahren? Anscheinend gehen Familien mit Todesfällen schlechter um als noch vor 20 Jahren. Oft suchen Verwandte einen Psychiater nach einem Todesfall auf. Früher sollen Familien die seelischen Konsequenzen im Zusammenhang mit einem Todesfall selber bewältigt haben. Sind die Menschen heutzutage sensibler geworden?»

«Ich weiss nicht, ob es heute schwieriger sein soll, sich mit dem Tod eines Familienangehörigen auseinanderzusetzen als vor 20 Jahren. Der Tod eines geliebten Menschen war, ist und bleibt das schwerwiegendste Ereignis, das es für uns Menschen gibt. Es führt in der Regel zu einer Trauerreaktion, die in den meisten Fällen durch eine Trauerarbeit, zusammen mit Familienangehörigen und Freunden, im Lauf der Zeit bewältigt werden kann. Ein Besuch beim Psychiater oder Psychologen kann jedoch in extrem belastenden Todesfällen angebracht sein.»

«Warum ist eine Flugzeugkatastrophe immer spektakulärer als ein Schiffs- oder Zugunglück?»

«Vielleicht weil es bei Flugkatastrophen, im Gegensatz zu Schiffs-oder Zugunglücken, meist keine Hoffnung auf Überlebende gibt.»

«Werden Sie in naher Zukunft wieder im Zusammenarbeit mit der CRP-Santé Kurse gegen die Flugangst anbieten?»

«Nein, aber wir bieten weiter Kurse für Menschen mit Panikattacken in der Clinique des Émotions im ChL an. Menschen mit Flugangst verweisen wir an Verhaltenstherapeuten, die auf Flugangst spezialisiert sind . Eine gezielte Verhaltenstherapie ist in den meisten Fällen in kurzer Zeit sehr erfolgreich in der Behandlung dieser Phobie.»