Freitag23. Januar 2026

Demaart Zu Demaart

Headlines

Neue Unterkünfte für Flüchtlinge

Neue Unterkünfte für Flüchtlinge

Jetzt weiterlesen !

Für 0,99 € können Sie diesen Artikel erwerben.

Oder schließen Sie ein Abo ab.

ZU DEN ABOS

Sie sind bereits Kunde?

In letzter Zeit wird weniger über die Flüchtlingskrise berichtet als noch vor ein paar Monaten. Dies bedeutet allerdings nicht, dass das Thema vom Tisch ist.

Fast täglich kommen Asylsuchende nach Europa und somit auch nach Luxemburg. Alleine letzten Monat sind 319 Menschen im Großherzogtum angekommen. In Marnach soll nun ein großes Auffangzentrum errichtet werden. In einer Informationsversammlung stellte die Regierung erste Pläne vor und ließ dabei auch das Volk zu Wort kommen.

Der ständige Strom von Asylbewerbern zwingt die bestehenden Einrichtungen, in denen diese Menschen vorübergehend untergebracht werden, langsam in die Knie. Neubauten seien dringend notwendig, sagte François Bausch, Minister für Infrastruktur und nachhaltige Entwicklung. Aus diesem Anlass hatte Bausch am Montag in die Konzerthalle „Cube 521“ in Marnach eingeladen, um erste Pläne für den Bau einer solchen Einrichtung vorzustellen.
Der südliche Teil des „schwaarzen Hiwwel“, ein Gebiet südöstlich der Ortschaft, auf dem sich die alten Sendeantennen befinden, soll nach dem Flächennutzungsplan (POS) den Status einer bebaubaren Zone erhalten. Die betroffene Fläche erstreckt sich über 2,6 Hektar. Hier sollen insgesamt acht zweistöckige Wohnbauten, eine Bildungseinrichtung und ein administratives Gebäude entstehen. Eine Betonplattform bildet das Fundament für das gesamte Gelände.

Nicht länger als 5 Jahre

Wie viele Menschen das „Dorf“ beherbergen wird, ist noch unklar. Im vergangenen Jahr hatte eine ähnliche Versammlung stattgefunden, welche die Bevölkerung über die Flüchtlingsproblematik und die Möglichkeiten der Freiwilligenarbeit informierte. Damals wurde gesagt, dass die Gemeinde Clerf mit mindestens 300 Asylsuchenden rechnen müsste. Diese Zahl sei für eine Gemeinde mit gerade mal 5.000 Einwohnern jedoch untragbar, hieß es, und wurde vom Bürgermeister abgelehnt. Fest steht jedoch die Dauer der Instandhaltung. Laut POS darf die Siedlung unter dieser Form nicht länger als fünf Jahre bestehen. Nach Ablauf dieser Frist müssen die Gebäude entweder unter Auferlegung eines neuen POS eine andere Nutzungsbestimmung erhalten oder abgerissen werden.

Familienministerin Corinne Cahen betonte, dass die Instandsetzung von Küchen in den Wohnbauten von besonderer Bedeutung sei. Die Möglichkeit, selber kochen zu können, verbessere die Lebensqualität und sei somit auch ein erheblicher Faktor für eine gelungene Integration.

Um zu verhindern, dass sich die Asylbewerber zu sehr vom Rest der Bevölkerung abschotten und die neue Siedlung zu einem Ghetto verkommt, werden verschiedene Maßnahmen getroffen. Bildungsminister Claude Meisch verdeutlichte, dass Sprachkurse und Sozialkundeunterricht sowohl für die Menschen, die in den neuen Einrichtungen untergebracht würden, als auch für Bewohner von bereits bestehenden Auffangzentren obligatorisch würden. Ein spezieller Kurs zum Erlernen der luxemburgischen Sprache wurde bereits ausgearbeitet. Ebenso wichtig sei die Betreuung der Menschen auf außerschulischer Ebene, so Meisch weiter. Vor allem Kinder aus Kriegsgebieten müssten die Möglichkeit erhalten, ihre teils grausamen Erinnerungen zu verarbeiten. Alle erdenklichen Aktivitäten sollen solche Kinder „wieder Kinder sein lassen“.

Frage der Sicherheit

Nach der Präsentation konnten die Anwesenden ihre Meinung zum Ausdruck bringen. Eine Bürgerin warf Minister Bausch vor, dass die Anlage ein starker Bruch mit dem Gedanken der Nachhaltigkeit sei. Andere Stimmen stellten die Sicherheit einer solchen Einrichtung sowohl für die Bewohner als auch für die Mitmenschen infrage. Eine radikalere Stimme forderte sogar den Bau einer Schutzmauer um das Flüchtlingsdorf. Diese Forderung wurde von den anwesenden Ministern harsch zurückgeworfen.

Für alle, die der Versammlung nicht beiwohnen konnten, ist bis 8. Dezember auf www.mddi.lu ein Dossier mit Erläuterungen und detaillierten Grafiken einsehbar. Bis zum 23. Dezember hat zudem jeder die Möglichkeit, schriftlich Kritik, Vorschläge und Bedenken zu dem Projekt einzureichen.