Laut der „Chambre des salariés“ (CSL) ist Selbstmord die häufigste Todesursache bei den 18- bis 40-Jährigen. Grund genug für die Regierung, einen nationalen Suizid-Präventionsplan ins Leben zu rufen. Er soll Ende dieses Jahres fertig sein. Prävention bedeute vor allem die Erforschung der Risikofaktoren und Risikogruppen, erklärte Fränz D’Onghia vom „Centre d’information et de prévention“ (CIP) dem Tageblatt gegenüber.
Das sei im Moment ein bisschen problematisch, sagte Dr. D’Onghia. Dank Studien aus dem Ausland wisse man, dass bestimmte Berufe gefährdeter seien als andere. Es handele sich dabei um Berufe, in denen eine Tötungsmethode zur Hand sei, wie z.B. bei der Polizei oder im Gesundheitswesen. Besonders gefährdet seien auch ältere Menschen und Strafgefangene.
Nur wenig Statistiken
Hierzulande gibt es jedoch bis dato keine Statistiken über die Berufsgruppen, aus denen die Selbstmörder stammen.
Dazu seien die Totenscheine nicht ausführlich genug. Im Rahmen des geplanten Krebsregisters werden diese Scheine nun modernisiert. Gesundheitsminister Mars Di Bartolomeo hofft, dass das entsprechende großherzogliche Reglement in Kürze veröffentlicht wird. Auf dem neuen Totenschein, der den Direktiven der Weltgesundheitsorganisation angepasst wird, werden auch die externen Todesursachen präzisiert sein.
61 Menschen verübten – offiziellen Zahlen des Gesundheitsministeriums zufolge – im Jahr 2011 Selbstmord. Man könne aber davon ausgehen, dass die tatsächliche Zahl höher sei, sagte D’Onghia. Bei etlichen Todesfällen sei aber nicht bekannt, ob es ein Unfall oder Absicht war.
Zehn Prozent denken an den Freitot
Laut einer Studie der CSL denken zehn Prozent aller Beschäftigen ab und zu an Selbstmord, sechs Prozent der Befragten gaben an, schon einen Suizidplan zu haben, drei Prozent hätten es schon einmal versucht.
Übertrage man das Resultat der Studie auf die Gesamtbevölkerung, dann hieße das, dass schon 10.500 Beschäftigte versucht hätten, sich umzubringen, schreibt die Salariatskammer. Der Selbstmord eines Angestellten sei meistens das Resultat vom Zusammenspiel einer Reihe von Faktoren, wie z.B. seelische Erkrankungen, Stress am Arbeitsplatz und allgemeine Lebensbedingungen.
Wohl könne nicht jeder Selbstmord verhindert werden, doch könnte der Arbeitgeber viel dazu beitragen, ein Arbeitsklima zu schaffen, welches das Risiko mindert.
Nationaler Präventionsplan
Auf die Zahl aller Todesfälle des Jahres 2011 bezogen, machen Suizide „nur“ 1,6 Prozent aus. Die meisten Menschen sterben an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, gefolgt von Krebs und Krankheiten der Atemwege. Man müsse allerdings beachten, dass dies vor allem Erkrankungen seien, die hauptsächlich ab einem bestimmten Alter auftreten, erklärte Dr. D’Onghia. In der Kategorie der 18- bis 40-Jährigen sei jedoch Suizid die häufigste Todesursache.
Neben der Erforschung der Risikogruppen und der Ursachen wird der Präventionsplan besonderes Gewicht legen auf die Verbesserung der Auffangeinrichtungen und der individuellen Widerstandsfähigkeit, der Arbeit mit speziellen Risikogruppen sowie der Vernetzung der bereits vorhandenen Einrichtungen und eventueller Präventivmaßnahmen.
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