Der palästinensische Ministerpräsident Rami Hamdallah rief das Ausland am Donnerstag auf, der verstärkten Zerstörung EU-finanzierter Hilfsbauten für Beduinen im besetzten Westjordanland durch die Armee ein Ende zu setzen. Auch die EU-Vertretungen in Jerusalem und Ramallah sowie die UNO reagierten «äußerst besorgt».
Seit Jahresbeginn geht die vom israelischen Verteidigungsministerium eingerichtete Zivilverwaltung für die Palästinensergebiete verstärkt gegen Wohn- und Versorgungsbauten der Palästinenser in strategisch gelegenen Gebieten vor.
Hamdallah sieht in dem gezielten Abriss von Gebäuden, die von der Europäischen Union oder einzelnen Mitgliedsländern gefördert wurden, eine Vergeltungsmaßnahme für die EU-weite Durchsetzung der korrekten Herkunftsbezeichnung von Produkten aus israelischen Siedlungen in besetzten Gebieten.
Von Frankreich bezahlt
Im aktuellen Fall geht es um die Zerstörung einer von Frankreich bezahlten Schule für das Beduinendorf Abu Nwar unweit von Ost-Jerusalem.
Die vier gerade errichteten Fertigbauten zur Unterrichtung von sieben und acht Jahre alten Kindern waren am Sonntag von der israelischen Armee zerstört worden, noch bevor dort der Unterricht aufgenommen werden konnte. Diese Woche lernten die 25 Schüler dort auf dem Boden sitzend Arabisch und Englisch, hin und wieder unterbrochen vom Regen.
Die Schulleiterin Asma Scheba erklärte, die Soldaten hätten auch die Tische und Schulbänke abtransportiert. Abu Nwar liegt im besonders umstrittenen Planungsgebiet East-One, das Israel seinen nach internationalem Recht illegalen Siedlungen zuschlagen will.
EU verurteile Vorgehen
Die Europäische Union verurteilte am Mittwoch «die Beschlagnahme der Aufbauten und Einrichtungen der einzigen Schule in dieser Beduinengemeinde, die dadurch in ihrer Existenz bedroht wird».
Sie sei «in größter Sorge angesichts der bislang beispiellos hohen Zahl an Zerstörungen palästinensischer Einrichtungen» in der sogenannten C-Zone, die laut Oslo-Abkommen vorläufig alleine von Israel kontrolliert wird und 60 Prozent des Westjordanlands ausmacht.
Zu Demaart
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