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Mit Musik gegen Beschneidung

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Die Fondation Follereau Luxembourg setzt sich seit langen Jahren zusammen mit ihren Partnerorganisationen Cofesfa in Mali und AAB-FFL in Burkina Faso gegen die menschenrechtsverletzende Praktik der Beschneidung von Frauen ein.

Am vergangenen Samstag (25.2.2017) sensibilisierte die Fondation Follereau Luxembourg sie die Öffentlichkeit mit dem Konzert „Expression against excision“ im Atelier. Modestine Ekete und Inna Modja boten dem Publikum ein sehr abwechslungsreiches Konzert mit Klängen aus Kamerun und Mali.

200 Millionen Betroffene

Weltweit sind laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO rund 200 Millionen Frauen von der Beschneidung betroffen. Jährlich erleiden weitere drei Millionen Mädchen dieses Schicksal, obwohl die Beschneidung in vielen Ländern eine Straftat darstellt.

Im Tageblatt-Gespräch ging Charlotte Honorez, Projektleiterin der Fondation Follereau, auf die von der Stiftung unterstützten Hilfsprojekte gegen die Beschneidungspraktik ein. Die beiden Projekte in Mali und Burkina Faso unterscheiden sich deutlich. In Burkina Faso ist die Beschneidung gesetzlich verboten und wird strafrechtlich verfolgt, in Mali hingegen existiert kein Verbot.

In den vergangenen zehn Jahren hat die Fondation Follereau in Mali zusammen mit ihrem lokalen Partner Cofesfa erste Durchbrüche erreicht. Jedes Jahr unterzeichnen dort zwei Dörfer eine Konvention, in der sich die Oberhäupter für einen Verzicht auf die Beschneidung verpflichten. Bis eine solche Konvention unterschrieben werde und sowohl die Dorfbevölkerung als auch die Beschneiderinnen ihre langjährige Tradition aufgäben, bedürfe es einer enormen Sensibilisierungsarbeit, erklärte Charlotte Honorez. Neben der Aufklärungsarbeit werden die Beschneiderinnen, deren einzige Einnahmequelle die Beschneidungen sind, zu anderen gewinnbringenden Berufen umgeschult.

Projekte

In Burkina Faso betreibt die Stiftung zusammen mit ihrem Partner AAB-FFL ein Hilfsprojekt in der Provinz Sissili. Rund 60 beschnittene Frauen können jährlich dank dieses Projekts mit einer rekonstruktiven OP von ihren Leiden befreit werden. Trotz des gesetzlichen Verbots wird die Beschneidung in Burkina Faso praktiziert. Demnach sei auch in diesem Land die Aufklärungsarbeit von enormer Wichtigkeit, so Charlotte Honorez. Der Partnervereinigung AAB-FFL ist dabei ein großer Durchbruch gelungen. Die Aufklärungsarbeit ist mittlerweile ein Pflichtfach in allen Grundschulen des Landes. Daneben steht jedoch auch die medizinische Versorgung der Opfer dieser barbarischen Verstümmelung im Mittelpunkt.

Obwohl die Follereau-Stiftung zusammen mit ihren Partnervereinigungen bereits seit Jahrzehnten gegen die Beschneidung kämpft, ist ein schnelles Ende nicht in Sicht. Unzählige Frauen in afrikanischen Ländern, darunter auch Beschneiderinnen, wurden in ihrer Kindheit oder Jugend beschnitten. Am eigenen Körper erfuhren sie die dramatischen Folgen und unerträglichen Schmerzen. Dennoch überwiegen Tradition, Mythen und Rituale.
Die Aufklärung sei eine generationsübergreifende Aufgabe, die weiterhin nur dank Spenden und Benefizveranstaltungen möglich sei, erklärte Charlotte Honorez.