Herzlich Willkommen bei der Pirate Action Group. Piraten-Kommandeur Jamal freut sich Ihnen mitteilen zu können, dass Sie soeben Opfer eines Überfalls wurden. Bitte wenden Sie sich an seinen Unterhändler, um über die geforderte Lösegeldsumme zu sprechen.
Was sich anhört wie ein schlechter Witz, beschreibt die Art der Piraten vor der afrikanischen Küste, Geschäfte zu machen – und die ist zu einem echten Problem für die betroffenen Unternehmen geworden. Im Jahr 2011 kostete die Piraterie vor Somalia die Weltwirtschaft sieben Milliarden Dollar, wie ein aktueller Bericht des International Maritime Bureau (IMB) feststellt.
Piraten mit eigenem Briefpapier und Stempel
Überraschend ist, wie gut die Piraten in vielen Fällen organisiert sind. So verwenden sie für die Kommunikation mit ihren Opfern eigens gestaltetes Briefpapier mit Briefkopf. Der Nachrichtenagentur Reuters liegt die Kopie eines solchen Schreibens vor, der an den Eigentümer eines gekaperten Öltankers und dessen Versicherer gerichtet ist.
«Herzlichen Glückwunsch. Nachdem Sie sicherlich mitbekommen haben, dass ihr wertvolles Schiff von meiner Pirate Action Group (PAG) gekapert wurde, möchten wir Sie im Namen von Jamal’s Pirate Action Group (JPAG) begrüßen und Ihnen mitteilen, dass Sie sich ab jetzt an unsere Vorgaben zu halten haben, wenn Sie Ihr Schiff und die Crew wohlbehalten zurückbekommen wollen.» «Glauben Sie nicht, dies sei nur ein Einschüchterungsversuch», heißt am Ende des Briefs, der «mit freundlichen Grüßen» schließt und von Jamal Faahiye Culusow, dem Chef der Gruppe, unterschrieben ist. Ein Stempel neben der Unterschrift macht deutlich, wie ernst die Piraten Formalitäten nehmen. Er zeigt einen Totenkopf über zwei gekreuzten Schwertern und den Namen der Gruppe.
«Ein chaotischer Haufen unorganisierter Irrer»
Die Höhe seiner Lösegeldforderung kommuniziert Jamal wie folgt: Dem Schreiben liegt eine Liste bei, auf der er den Wert des Tankers, die Menge des geladenen Öls sowie den – von ihm geschätzten – Wert der Crew festschreibt. Darunter steht der geforderte Geldbetrag.
Derek S.T. Baldwin von IBIS International, der Erfahrung im Umgang mit Lösegeldforderungen hat, äußert sich wenig überrascht über die professionelle Art der somalischen Piraten: «Sie wollen das Geld.» Wenn sie sich als glaubwürdiges Gegenüber zeigten, die Zusagen einhielten, sei man viel eher bereit, das Lösegeld zu zahlen. «Wenn sie sich wie ein chaotischer Haufen unorganisierter Irrer präsentieren, steigt für sie die Gefahr deutlich, dass eine Sondereinheit vor der Tür steht und sie erschießt.»
Dass die Piraten ihre Drohungen ernst meinen, zeigen die Zahlen der International Maritime Bureau. Seit August vergangenen Jahres haben bewaffnete Piraten mehr als 170 Menschen als Geiseln genommen. Allein im Jahr 2011 töteten sie 35 Menschen und erbeuteten 160 Millionen Dollar Lösegeld. In letzter Zeit ging die Zahl der Überfälle zwar zurück, doch die Gefahr bleibt. Im ersten Halbjahr 2012 zählte das IMB 69 Angriffe durch somalische Piraten, 32 Prozent weniger als im Vorjahr.
Zu Demaart







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