Donnerstag22. Januar 2026

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Ministerin bestätigt und nuanciert

Ministerin bestätigt und nuanciert
(Will Boase)

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Umweltministerin Carole Dieschbourg bestätigt Grenzwertüberschreitungen im Elektrostahlwerk Belval. Sie nuanciert aber gleichzeitig die Problematik.

Ende Februar beschwerten sich die Süd-Regionale des «Mouvement écologique» und die Escher Bürgerinitiative «Stop Dioxin» über angeblich viel zu hohe Dioxin-Werte, die das Elektrostahlwerk Belval von ArcelorMittal verursachen würde. Die Ministerin reagierte auf eine parlamentarische Anfrage von Justin Turpel (Déi Lénk) , welcher dieser nach der gemeinsamen Pressekonferenz der beiden Vereinigungen gestellt hatte.

Carole Dieschbourg (Déi Gréng ) legt eingangs ihrer Antwort den Unterschied zwischen Emissionen und Immissionen dar. Ersteres sind Messwerte gleich am Verursachungsort, d.h. am Fabrikschlot. Letzteres sind die am Boden gemessenen Werte, und hier insbesondere die in der Escher Gartenanlage «An Elsebrech», welche als Referenz dient, da hier die Stadt Esch ihre eigenen Messungen durchführen lässt. Hier kämen folgende mögliche Schadstoffquellen infrage: Elektrostahlwerk, Schlackenhalde (Ehleringen), sowie Baustellenstaub vom ganzen Areal Belval. Für ihre Antwort beruft sich die Ministerin ausschließlich auf Messungen ihrer Behörde.

Emissionen

Was die Emissionen angeht, so seien in der Tat die Grenzwerte für organischen Kohlenstoff in der Vergangenheit «systematisch überschritten» worden. «Die Grenzwerte für PAK (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) wurden bei den drei Messkampagnen 2014 überschritten», heißt es weiter; diese PAK werden gemeinhin als höchst krebserregend eingestuft. 2014 wurde desweiteren bei einer der drei Messkampagnen der Höchstwert für Schwefeldioxid überschritten, und bei allen drei Messungen wurde der Parameter für Kohlenmonoxid überschritten.

Der Grenzwert für Blei (100 Mikrogramm) werde derweil eingehalten; dieser Grenzwert sei im Übrigen strenger als üblich, der maximal mögliche Grenzwert liege nämlich bei 0,5 Milligramm.

Immissionen

Die Blei-Grenzwerte im Blattgemüse «An Elsebrech» werden «seit 2003 etwa bei jeder vierten Messkampagne überschritten», so Carole Dieschbourg in ihrer Antwort. Besonders zwischen September 2013 und September 2014 seien die Werte erhöht gewesen. Der Tagesmittelwert (halbstündliche Messungen) für organischen Kohlenstoff über die letzten fünf Jahre liege bei 28,1 Milligramm. Was diesen Parameter angeht, so habe ArcelorMittal Ende 2014 Verbesserungen vorgenommen; im Januar 2015 sank der Wert auf 15,4.

«In den nächsten Monaten wird sich zeigen, ob diese Verbesserung von Dauer ist», so hier die Schlussfolgerung.
Die Grenzwerte für PAK seien in den letzten fünf Jahren in sieben der 15 Messkampagnen überschritten worden, diejenige für Schwefeldioxid in zwei von 15, und diejenigen für Kohlenmonoxid in 13 von 15.

In allen Bereichen habe das Unternehmen in Absprache mit dem Ministerium Maßnahmen zur Verbesserung ergriffen, zum Teil bereits umgesetzt, zum Teil noch in Arbeit. Nun müsse man abwarten, was diese bringen würden.

Keine Ungleichbehandlung

Des Weiteren erklärt die Ministerin, dass es zwischen den beiden Unternehmen Twinerg und ArcelorMittal keine Ungleichbehandlung gäbe – dieser Vorwurf war in der Pressekonferenz erhoben worden. Beide Fälle seien sehr unterschiedlich: bei Twinerg war es ein einzelnes Ereignis, das Problem bei ArcelorMittal sei sehr vielschichtig.

Auf Justin Turpels Frage «Wie gedenkt das Ministerium jetzt vorzugehen, um eine Überschreitung der Grenzwerte kurzfristig zu unterbinden?», antwortet Carole Dieschbourg: «Die einzige Möglichkeit, die Grenzwertüberschreitungen kurzfristig zu unterbinden, wäre die Schließung des Stahlwerks.» Der Konjunktiv und die Fortsetzung der Antwort lassen darauf schließen, dass Nachhaltigkeitsministerium und Umweltverwaltung diesen Weg nicht gehen wollen: «(…) den Betrieb der Anlage engmaschig [weiterzuverfolgen] mit dem Ziel, dass weitere Verbesserungsmaßnahmen erarbeitet und umgesetzt werden.»