Nach dem tödlichen Polizeieinsatz in der südafrikanischen Platinmine Marikana hat die Staatsanwaltschaft die Aussetzung der Mordanklagen gegen 270 inhaftierte Bergarbeiter angekündigt. Die Anklagen wegen Mordes sollen beim nächsten Gerichtstermin «vorläufig zurückgezogen» werden.
Wie der Leiter der südafrikanischen Staatsanwaltschaft, Nomgcobo Jibo, am Sonntag vor Journalisten erklärte, sollen die Festgenommenen vorläufig unter Auflagen auf freien Fuss gesetzt werden. Die Entscheidung über mögliche Anklagen würden erst fallen, wenn die Ermittlungen abgeschlossen seien.
«Legitime Notwehr»
Vor zwei Wochen waren bei einem Streik in der südafrikanischen Mine 44 Menschen getötet worden, 34 von ihnen wurden von der Polizei erschossen. Diese handelte nach eigener Darstellung in «legitimer Notwehr», da sie angegriffen worden sei.
270 überlebende Arbeiter wurden darauf des Mordes an ihren Kollegen angeklagt. Die Anklage erfolgte laut Staatsanwaltschaft aufgrund einer Gesetzesbestimmung aus der Zeit der Apartheid, wonach bei einer Schiesserei unter Beteiligung der Polizei alle Menschen angeklagt werden, die vor Ort festgenommen wurden.
«Bizarr und extrem»
Anwälte hatten am Samstag von Präsident Jacob Zuma die Freilassung der 270 Arbeiter verlangt. Das Präsidentenbüro teilte darauf mit, Zuma werde sich nicht in die Arbeit der Justiz einmischen. Zuma hatte zuvor eine Untersuchungskommission eingesetzt, um die Hintergründe der Zusammenstösse zu ermitteln. Er wolle ihre Arbeit nun nicht stören, hiess es am Samstag.
In ihrem Brief an Zuma hatten die Anwälte die Mordanklagen gegen die Kumpel «bizarr und extrem» genannt, wie CNN berichtete. Nach Aussage von Justizminister Jeff Radebe hatten die Anklagen «Schock, Panik und Verwirrung» in der südafrikanischen Gesellschaft ausgelöst.
Gejagt und erschossen
In der vergangenen Woche tauchten Berichte auf, wonach die meisten Arbeiter auf der Flucht erschossen worden waren. Einem Journalisten zufolge, der vor Ort recherchierte, starb zudem ein Grossteil der Arbeiter in einiger Entfernung vom eigentlichen Ort der Schiesserei.
Schwerbewaffnete Polizisten hätten die Kumpel «gejagt und kaltblütig erschossen», schrieb der Fotoreporter Greg Marinovich am Donnerstag auf der Nachrichtenseite «Daily Maverick». Der Pulitzer- Preisträger recherchierte nach eigenen Angaben 15 Tage lang rund um die Platinmine.
Von Polizei überfahren
Nach Angaben Marinovichs wurden nur zwölf der Opfer auf dem Hügel erschossen, auf dem Kameras das Geschehen live aufzeichneten. Die anderen Menschen wurden in Felsen rund 300 Meter entfernt getötet.
Markierungen der Forensiker wiesen darauf hin, dass mindestens drei Opfer aus nächster Nähe erschossen worden seien. Zwei der Kumpel seien an einem Ort ohne Fluchtweg getötet worden. Zeugen hätten zudem berichtet, Menschen seien von Polizeifahrzeugen überfahren worden.
Zu Demaart







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