Donnerstag15. Januar 2026

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Merkel und Monti in Harmonie

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In Rom treffen sich Angela Merkel und Mario Monti im Schatten der Euro-Krise. Im Zentrum steht die "Nachbereitung" des EU-Krisengipfels, bei dem Monti zusammen mit anderen punkten konnte. Beide demonstrieren Einheit und Harmonie.

Eigentlich hätte es ein Routinetreffen werden sollen, unter den hohen Gewölben der historischen Villa Madama am Stadtrand Roms. Nach dem EU-Gipfel fünf Tage zuvor in Brüssel konnten sich die bilateralen deutsch-italienischen Regierungsgespräche jedoch nicht nur auf Investitionen und verbesserte Wirtschaftskontakte beschränken.

Doch Merkel und Monti gehen in Gleichklang und Harmonie über die vermeintlichen Knackpunkte hinweg, beschwören beide einen «Geist» gegen die Euro-Krise. Während draußen um die Villa Madama herum die Zikaden zirpen, ein leichtes Sommerlüftchen weht, bemühen sich die Regierungschefs drinnen um Überzeugungsarbeit, erklären ihre Sicht.

«Schwierigkeiten gemeinsam überwinden»

Die von der Bundeskanzlerin vor allem auf Druck des römischen RegierungschEfs gemachten nächtlichen Gipfel-Zugeständnisse hatten nicht nur in Europa die Runde gemacht und für Unruhe gesorgt. Mögliche Euro-Finanzhilfen für Europas Schuldenländer ohne strikte Kontrollen hätten so in der Villa Madama in den Fokus rücken können. Doch beide betonen die Einstimmigkeit der Brüsseler Beschlüsse und zeigen sich «fest entschlossen, die Schwierigkeiten nun gemeinsam zu überwinden.»

Über ihr Image als «eiserne Kanzlerin» kann Angela Merkel nur lachen, sie lobt die Reformbemühungen Montis im Stiefelstaat, die fortgesetzt werden müssten, betont herzlich die enge Zusammenarbeit der beiden Gründungsländer der Union und großen Volkswirtschaften. «Wir können mehr tun», meint sie, um dann gut gelaunt kurz 2013, das Wahljahr in Deutschland wie in Italien, zu streifen. Eines will sie ganz klar machen: «Bis jetzt haben wir immer mit Mario Monti eine Einigung gefunden, wo immer das notwendig war.» Man versteht sich.

Komplimente

Bei dem Pingpong der verblüffenden Einheit von Berlin und Rom gab Monti die Bälle mit Leichtigkeit zurück. «Die Bundeskanzlerin und ich, wir arbeiten sehr gut zusammen», meint er, spricht die deutsche Wirtschaftsphilosophie der «Sozialen Marktwirtschaft an». Es ist für ihn einfach ein Vergnügen, die Kanzlerin wieder empfangen zu können, signalisiert der Wirtschaftsprofessor mit dem Hang zur langen Rede.

Demonstrative Einigkeit hatten Merkel und Monti vor zwei Wochen schon gezeigt, als sie an eben diesem pittoresken Konferenzort zusammen mit dem französischen Staatschef François Hollande und dem spanischen Regierungschef Mariano Rajoy auch schon Auswege aus der Euro-Krise suchten. Doch das war vor dem Brüsseler Gipfel, nach dem Monti von manchen als Sieger und Merkel als Verliererin gesehen wurden.

«Nordachse der Strenge»

In der Zwischenzeit seien diese Vereinbarungen wieder infrage gestellt, Montis medialer Coup schnell wieder verpufft, hatte «Il Messaggero» gemeint: Eine von Deutschland geführte «Nordachse der Strenge» wolle Widerstand leisten, also die Niederlande und Finnland im Abwehrbund mit Berlin. In Rom schien es jedoch vor allem darum zu gehen, Missverständnisse gemeinsam auszuräumen und Präzisierungen dessen zu suchen, was zu den Rettungshilfen beschlossen worden ist. Berlin und Rom präsentieren sich da gemeinsam auf der Reformstraße.

Der für seine ruhige und geschickte Art bekannte ehemalige EU-Kommissar Monti hatte die Wogen zuvor noch rasch glätten wollen, die sein «Coup» von Brüssel ausgelöst hatte. Die Medien hätten doch lieber schreiben sollen: «Angela plus Mario ist gleich ein Schritt nach vorne für die europäische Wirtschaftspolitik», sagte Monti der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung». Monti wird auch nicht müde zu betonen, dass Wachstum und Etatdisziplin sich ergänzen müssen – und dass seine Technokratenregierung ihre Hausaufgaben weiterhin macht.

2013 ist Wahljahr

Und das unter massivem Zeitdruck. Im April 2013 sind reguläre Parlamentswahlen in Italien, und nicht zuletzt die Kanzlerin müsste befürchten, dass anti-europäische, populistische Strömungen stärker werden. Auch Silvio Berlusconi versucht, mit Anti-Euro-Parolen im Land verlorenes Terrain bei verunsicherten Wählern zurückzugewinnen.

Vor dem Treffen mit Merkel und ihren Ministern in der brütenden Hitze Roms machte Monti dennoch eines demonstrativ nochmals klar: «Es war ein Schritt hin zu einem Europa, wie wir Italiener es wollen, auch Eurobonds sind damit jetzt kein Tabu mehr.» So seine Nachbewertung des denkwürdigen EU-Gipfels. Der «von der Mentalität her wohl deutscheste aller italienischen Regierungschefs» (Monti über Monti) weiß wohl, was das so hoch verschuldete und in einer Rezession steckende Italien braucht. Ihn stützt das Lob dafür im eigenen Land, hat Rom doch mit «klarer Stimme» gesprochen. Danach wollte keiner den Showdown im Grünen, sondern das Bild der Einheit.