Im Koblenzer Spionage-Prozess gegen einen ehemaligen Nato-Mitarbeiter haben die Ankläger siebeneinhalb Jahre Haft gefordert. Sie sehen es als erwiesen an, dass sich der 61-Jährige im März 2012 auf der US-Luftwaffenbasis Ramstein Dateien beschafft hat, die unter anderem Passwörter für Computersysteme enthielten. Ein weiterer Versuch soll im Juni 2012 gescheitert sein. Die Daten habe der Mann an eine «fremde Macht» weitergegeben wollen, sagte Tobias Engelstätter von der Bundesanwaltschaft am Dienstag vor dem Landgericht.
Der 61-Jährige, der als ziviler Angestellter mehr als 30 Jahre für die Nato gearbeitet hatte, bestreitet eine landesverräterische Ausspähung. Er hatte ausgesagt, er habe auf eine Sicherheitslücke im System der Nato aufmerksam machen wollen. «Die Dateien waren nicht als Nato-secret gekennzeichnet, obwohl das der Fall hätte sein müssen», erklärte Oberstaatsanwalt Lienhard Weiß dazu. Nur so sei es möglich gewesen, die Dateien in einem privaten Email-Konto abzulegen.
Sensible Informationen
Der Angeklagte wäre allerdings verpflichtet gewesen, diese falsch gesetzten Zugangsberechtigungen sofort zu melden. Aufgrund seiner jahrelangen Berufserfahrung hätte er laut Bundesanwaltschaft wissen müssen, dass es sich um sensible Informationen handelte: «Dem Angeklagten war klar, dass er der Nato einen großen Schaden zufügen würde», sagte Weiß. Zudem habe der Mann die Dateien umbenannt, mehrfach auf verschiedenen Speichermedien gesichert und versteckt.
Die Bundesanwaltschaft geht von finanziellen Gründen als Motiv aus. Während des Prozesses war herausgekommen, dass der Angeklagte und seine Frau im Herbst 2012 ein Vermögen von rund sechs Millionen Euro besaßen. Es blieb allerdings offen, ob ein Teil des Geldes im Zusammenhang mit den angeblich ausspionierten Daten steht. Der 61-Jährige verwies unter anderem auf einen sparsamen Lebensstil. Am Montag (11. November) plädiert die Verteidigung, das Urteil könnte dann am 19. November verkündet werden.
Zu Demaart
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