Die Zahl rechter Gewalttaten in Sachsen ist massiv gestiegen. Der Opferhilfeverein RAA Sachsen verzeichnete im vergangenen Jahr insgesamt 477 rechtsmotivierte und rassistische Angriffe. Das war ein Anstieg der rechten Gewalttaten im Freistaat um 86 Prozent. Binnen dreier Jahre hat sich die Zahl nach Angaben des Vereins sogar mehr als verdoppelt.
Am häufigsten handelte es sich demnach bei den Angriffen um Körperverletzungen, gefolgt von Nötigungen und Bedrohungen. 74 Angriffe wurden auf Asylunterkünfte oder in deren Umfeld verübt, darunter 19 Brandstiftungen und 21 gefährliche Körperverletzungen. 72 Angriffe wurden demnach im Zusammenhang mit Demonstrationen begangen und richteten sich überwiegend gegen politische Gegner und Journalisten.
Schwerpunkte der Gewalt sind demnach Dresden (116) und Leipzig (77) sowie die Landkreise Leipzig (56) und Sächsische Schweiz/Osterzgebirge (55). Die Angriffe in Dresden und im Landkreis Leipzig haben sich dem Verein zufolge mehr als verdoppelt; in den Landkreisen Sächsische Schweiz/Osterzgebirge und Meißen haben sich die Angriffe sogar verdreifacht.
Die fremdenfeindliche Pegida-Bewegung und die flächendeckenden Anti-Asyl-Proteste in Sachsen hätten «ein Klima des Hasses erzeugt, der die letzten Dämme brechen ließ», erklärte Andrea Hübler von der Opferberatung. Die Gewalt gegen Flüchtlinge und Anschläge auf Asylunterkünfte hätten im vergangenen Jahr «besorgniserregende Ausmaße» angenommen. Erschreckend sei zudem, «wie gegen alles, was als politischer Gegner wahrgenommen wird, gewaltsam vorgegangen wird». Gesprengte Fahrzeuge und Angriffe auf Parteibüros und Journalisten seien einige Beispiele. Die Verunglimpfung als Volksverräter und Lügenpresse habe «die Hemmschwelle gesenkt».
Die Opferberatung des RAA Sachsen unterstützt seit 2005 Betroffene rechtsmotivierter und rassistischer Gewalt bei der Bewältigung der Tatfolgen und dokumentiert darüber hinaus diese Angriffe.
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