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Mehr als tausend Häftlinge fliehen

Mehr als tausend Häftlinge fliehen

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Mehr als tausend Häftlinge sind am Samstag aus einem Gefängnis im libyschen Bengasi geflohen, darunter auch Anhänger des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi.

Es habe einen Aufstand der Insassen und einen Angriff von außen gegeben, sagte ein Vertreter der Sicherheitskräfte der Nachrichtenagentur AFP. Zudem gingen in der ostlibyschen Stadt tausende Demonstranten auf die Straße, um gegen die Ermordung eines bekannten politischen Aktivisten zu protestieren.

Logo" class="infobox_img" />Sicherheitskräfte versuchen die vielen Häftlinge wieder einzufangen. (AFP)

Der Großteil der Gefangenen sei wegen normaler Vergehen in der Haftanstalt al-Kuifja gewesen, einige seien Afrikaner aus anderen Ländern, sagte der Vertreter der Sicherheitskräfte, der nicht namentlich genannt werden wollte. «Aber einige der Häftlinge wurden wegen Vorwürfen im Zusammenhang mit dem ehemaligen Regime von Muammar al-Gaddafi festgehalten.» Gaddafi war vor knapp zwei Jahren nach einem monatelangen Aufstand gestürzt und getötet worden.

Spezialeinheiten seien nach dem Massenausbruch als Verstärkung angefordert worden, sagte der Sicherheitsverantwortliche weiter. Sie hätten aber den Befehl erhalten, «nicht auf die Gefangenen zu schießen». Einige von ihnen seien bereits kurz nach dem Ausbruch wieder festgenommen worden.

Libyens Regierungschef Ali Seidan bestätigte den Gefängnisausbruch, nannte aber keine Zahl von Geflohenen. Ihm zufolge griffen Anwohner das Gefängnis an, weil sie die Haftanstalt nicht mehr in der Nähe ihrer Wohnungen wollten.

Der Gefängnis-Ausbruch fand vor dem Hintergrund von starken Spannungen nach der Ermordung des Aktivisten Abdessalem al-Mesmari und zweier Armeeoffiziere statt. Nach Angaben der Sicherheitskräfte wurde der Anwalt am Freitagabend beim Verlassen einer Moschee in Bengasi mit einem Schuss ins Herz getötet. Er gehörte zu den Initiatoren der Rebellion von 2011, die zum Sturz des von Gaddafi führte. Nach dem Umsturz stemmte sich der Anwalt gegen eine Islamisierung seines Landes, insbesondere gegen den Einfluss der islamistischen Muslimbruderschaft.

Tausende protestierten am Samstag gegen die Ermordung des Anwalts. Die Kundgebungen richteten sich vor allem gegen die Muslimbruderschaft, die für das Attentat auf Mesmari und dutzende Morde an Sicherheitskräften seit dem Umsturz verantwortlich gemacht wird. Jugendliche stürmten in Bengasi die Büros des politischen Arms der Muslimbruderschaft, der islamistischen Partei für Gerechtigkeit und Wiederaufbau. Auch in der Hauptstadt Tripolis verwüsteten Demonstranten Büros der Partei, sie griffen aber auch die Büros der liberalen Allianz Nationaler Kräfte an. Beiden Parteien wird vorgeworfen, eigene Milizen zur gewaltsamen Durchsetzung ihrer Interessen zu unterhalten.