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Mehr als nur Schnickschnack

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Viele belächeln sie als eine Spielerei für Technik-Begeisterte, mit der kleine Plastikfigürchen oder ähnlicher Schnickschnack hergestellt werden kann. Doch das 3-D-Drucken birgt viele Gefahren.

Die Rüstungsindustrie sieht in 3-D-Druckern das Potenzial, ihre Produktionsprozesse zu revolutionieren. Statt auf Nachschub aus der Heimat zu warten, könnten Truppen im Auslandseinsatz sich künftig mithilfe der 3-D-Drucker selbst neue Uniformen, Ersatzteile oder Waffen «drucken». Andererseits könnten die Geräte in den Händen von Terror-Netzwerken oder Einzeltätern große Gefahr in sich bergen.

Dreidimensionales Drucken ist keine so neue Technologie, wie viele denken. Sie wurde bereits in den achtziger Jahren erfunden. Aber erst in jüngster Zeit stößt sie wieder auf größeres Interesse, weil einige Patente, die den Einsatz von 3-D-Druckern einschränkten und teuer machten, derzeit auslaufen. Außerdem können die neuen Drucker nicht nur Plastik, sondern auch Metalle, Holz oder Stoff verarbeiten.

Vorreiter-Rolle

Die Rüstungsindustrie, die bei technischen Innovationen oft die Nase vorn hat, hat auch beim 3-D-Drucken eine Vorreiter-Rolle. Die US-Armee etwa investiert massiv in diese Technologie, um mit ihr künftig Uniformen, synthetische Haut zur Behandlung von Verletzten oder Lebensmittel für die Soldaten auf dem Feld zu produzieren, wie Alex Chausovsky, Mitarbeiter der US-Unternehmensberatung IHS Technology, sagt.

Dem britischen Rüstungsriesen BAE Systems gelang es Ende 2013 erstmals, ein mit einem 3-D-Drucker hergestelltes Metallteil in einen Tornado-Jet einzubauen. In einem Firmenvideo nennt BAE als künftiges Anwendungsgebiet das Drucken eines gesamten Flugzeugs. «Das ist eine langfristige Perspektive, aber wir haben tatsächlich das Ziel, ein Luftfahrzeug herzustellen, für das ausschließlich die Technologie des 3-D-Druckens angewandt wird», sagt der Leiter der Abteilung 3-D-Drucken bei BAE, Matt Stevens.

Dezentrale Produktion

Die dezentrale Produktion, die durch 3-D-Drucker ermöglicht wird, dürfte nach Einschätzung des Kriegsexperten Peter W. Singer von der New America Foundation Kampftechniken und die gesamte Rüstungsindustrie verändern. Dass 3-D-Drucker die Abhängigkeit von großen Produktionsstätten verringern, zeigte Ende Dezember ein Experiment auf der Internationalen Raumstation ISS. Dort wurde ein auf der Erde speziell für die Schwerelosigkeit entworfener Schraubenschlüssel mit einem 3-D-Drucker hergestellt.

Entsprechend ist es laut Singer vorstellbar, dass beispielsweise US-Soldaten in entlegenen Gebieten Afghanistans ein defektes Teil schnell selbst drucken, statt lange auf ein Ersatzteil aus der Heimat zu warten. Singer hebt hervor, dass diese Technologie aber zugleich die Sanktionspolitik der USA aushöhlen könnte. Wenn mit Strafmaßnahmen belegte Länder sich mit 3-D-Druckern unabhängig von Lieferungen aus dem Ausland machten, würde die Sanktionspolitik obsolet werden und damit ein zentraler Bestandteil der Außenpolitik der vergangenen Jahrzehnte.

Weiteres Risiko

Analyst Chausovsky sieht ein weiteres Risiko darin, dass 3-D-Drucker auch von nicht-staatlichen Akteuren leicht einsetzbar seien. «Stellen Sie sich Sprengstoffexperten im Nahen Osten vor, die Bomben mit dem Aussehen alltäglicher Gegenstände herstellen, oder einen einsamen Wolf, der eine Plastikwaffe druckt, mit der er die Sicherheitsschleusen im Weißen Haus austricksen könnte», warnt der Technikexperte. Und auch in anderen Bereichen als der Rüstungsindustrie könnten die 3-D-Drucker eine Revolution mit unvorhersehbaren Folgen auslösen. Wenn sich in der Zukunft jeder mit seinem 3-D-Drucker zu Hause selbst Güter wie Kleider, Spielzeug oder Haushaltsutensilien ausdrucken könne, würden den traditionellen Herstellern dieser Gegenstände die Märkte wegbrechen, sagt Chausovsky.

«Wenn sie die Gefahr der 3-D-Druckerei besser erfassen wollen, schauen Sie sich an, wie sehr China von seinem Billigprodukte-Sektor abhängig ist.» Auch Stevens sagt große Umwälzungen durch das 3-D-Drucken voraus. Es sei die erste derart radikale Neuerung in der Industrietechnik seit langem, sagt der BAE-Manager. «Wir setzen nicht nur einen einfachen Fortschritt um – wir erfinden die Regeln neu.»